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Seine Reinigungsmittel seien in hoch konzentrierter Konsistenz abgefüllt und daher ergiebiger als herkömmliche Mittel, sagt Timo Klein.

Start-up der Saubermänner

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In einem Loft im Süden Dorf-Gülls hat Timo Klein ein ungewöhnliches Start-up gegründet. Der 37-Jährige vertreibt Reinigungsmittel, die in keinem Laden erhältlich sind. Geschäftspartner verkaufen sie auf Partys. Die Idee zur Gründung hatte er beim Rallyefahren.

Timo Klein setzt sich an einen massiven dunklen Holztisch. Zu seinen Füßen lässt sich Bessy, sein Bullterrier, schwanzwedelnd ebenfalls nieder. Eine Dartscheibe hängt an einer Wand, gegenüber hat der 37 Jahre alte Pohlheimer die Urkunden seiner eingetragenen Marken eingerahmt. Hier, in einem 450 Quadratmeter großen Loft im Süden Dorf-Gülls, hat Klein im September ein ungewöhnliches Start-up-Unternehmen ins Leben gerufen: Ecotera. Er vertreibt Reinigungsmittel für den Haushalt. Allerdings stehen die Flaschen nicht im Laden oder in einem Online-Shop zum Verkauf. Mitarbeiter bieten sie wie Avon-Beraterinnen und Tupperware-Verkäufer bei Hausbesuchen und auf Partys an.

Klein hatte zum Start seines Unternehmens Anfang September 30 Geschäftspartner in seine Pohlheimer Privatwohnung eingeladen. "Unter den Beratern sind viele Freunde und Bekannte aus ganz Deutschland, auch aus Österreich", sagt er. Er stellte Produkte wie zum Beispiel Backofenspray und Glasreiniger vor, die Mitarbeiter putzten dann mit den Mitteln seinen Backofen, die Fenster und ein Garagentor. Das Start-up dürfte sich somit schon jetzt für ihn gelohnt haben, möchte man augenzwinkernd sagen. "Das war natürlich der Hauptgrund für die Launch-Party", sagt Klein schmunzelnd.

Der Vertriebsweg weckt beim ersten Hören leisen Zweifel an der Seriosität des Start-ups. In der Branche der Nahrungsergänzungsmittel beispielsweise gibt es ähnliche Modelle, dort werden die Verkäufer aber selbst zu Abonnements gedrängt. "Das ist kein Schneeballsystem", betont Klein. "Die Berater sind zu nichts verpflichtet, sie müssen keine Abos abschließen." Sie sollten allerdings 222 Euro Umsatz in den ersten drei Monaten erzielen. Wenn nicht, müssen sie ein Startpaket im Wert von 99 Euro bezahlen, das sie anfangs erhalten. "Berater können bei uns durchstarten und Kasse machen", sagt Klein. "Bei einer Party kann ein Berater auch mal 400 Euro verdienen." Bei zwölf Partys im Monat sei das durchaus lukrativ. Die Verkäufer erhalten eine Provision zwischen 20 und 60 Prozent. Sie können Punkte sammeln und selbst zu Teamleitern aufsteigen. Klein gibt den Mitarbeitern auch Motivationskurse. "Das Soziale soll im Vordergrund stehen", sagt er. "Ich will Menschen stärken."

Fünf Reiniger für den Haushalt hat Klein im Programm. Für Klein ist das Start-up ein beruflicher Schritt in einer völlig neuen Branche. Bisher war der aus Gummersbach stammende Unternehmer als selbstständiger IT-Berater tätig, er hat jahrelang die Abläufe in DAX-Konzernen und Banken analysiert. Die Hälfte des Jahres sei er auf Achse gewesen und habe viele Nächte in Hotels verbracht, erklärt Klein. Als Vater eines fünf Jahre alten Kindes könne er nun von zu Hause aus arbeiten.

Die Idee zur Geschäftsgründung kam ihm bei einem Autorennen im März in der Eifel. "Ich wollte schon immer mal an einer Rallye teilnehmen", erzählt er. Auf der Suche nach einem Rennpartner sei er im Internet auf die Langgönserin Ina Lotz gestoßen. In der Eifel saßen die beiden dann gemeinsam im Auto. "Acht Stunden haben wir im Auto verbracht. Da kommt man ins Gespräch." Er erzählte ihr, dass er die Reinigungsmittel für sein Fahrzeug selbst herstelle. "Warum machst du das nicht kommerziell?", fragte sie ihn daraufhin. Zwei Monate später mieteten sie gemeinsam ein Büro an. Er ist als Geschäftsführer für den kaufmännischen Bereich zuständig. Sie übernimmt den Versand und das Abfüllen der Flaschen.

Ökologisch sei Ecotera ausgerichtet, indem die Reinigungsmittel biologisch abbaubar und sehr ergiebig seien. Außerdem vertreibt Klein die Mittel mit einem Pfandsystem. Die Kunden geben die Flaschen zurück, bei der zehnten gibt es ein Reinigungsmittel gratis.

Klein lässt seine Produkte in Frankfurt und in den Niederlanden mischen. In Dorf-Güll werden die Flaschen mit Etiketten beklebt. Klein und seine Mitarbeiter spülen die zurückgegebenen Flaschen außerdem per Hand selbst. Das Risiko der Geschäftsgründung sei begrenzt, erklärt Klein. Eine fünfstellige Summe habe er zwar investiert, insbesondere für die Renovierung des Lofts. "Aber ich habe keine Kredite aufgenommen."

Klein zeigt seine Unterarme. Rechts steht "Wäx on", links "Wäx off". Es ist eine Anspielung auf ein Zitat aus dem Film "Karate Kid" der 80er Jahre. Auftragen mit der einen, polieren mit der anderen Hand, lernt die Hauptfigur beim Autowaschen im Rahmen eines Kampftrainings.

In seiner Freizeit schraubt und werkelt Klein an seinen Fahrzeugen, derzeit ist es ein Golf 7. "Autos sind meine Schokolade, die ich brauche", sagt er. Vor Jahren hat er angefangen, privat Wachs- und Reinigungsmittel für die Autowäsche herzustellen. Alkohol, Spülmittel und Tenside mischte er in der eigenen Küche zusammen. Er tüftle halt gerne. "Ich könnte auch eine Rakete bauen und zum Mond fliegen", sagt er mit einem Augenzwinkern - und einer großen Portion Selbstbewusstsein. Dann fügt er hinzu: "Niemand hat gesagt, dass ich es wieder zurück schaffen muss." (Foto: srs)

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