Vorstellung des neuen Schnellbusses Laubach-Gießen mit (v. l.) Sven Rischen (VGO), Anette Henkel (Arbeitskreis ÖPNV des Kreistags), Landrätin Anita Schneider, Udo Erletz und Markus Schwalb (ESE Bus GmbH). FOTO: TB
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Vorstellung des neuen Schnellbusses Laubach-Gießen mit (v. l.) Sven Rischen (VGO), Anette Henkel (Arbeitskreis ÖPNV des Kreistags), Landrätin Anita Schneider, Udo Erletz und Markus Schwalb (ESE Bus GmbH). FOTO: TB

Start für den "schnellen Laubacher"

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Eine Stärkung des ländliche Raums gelingt nicht ohne Stärkung des ÖPNV. Am Montag startet der neue Schnellbus Laubach-Gießen. Nicht das einzige Beispiel auf Kreisebene.

Jetzt liegt es an den Nutzern" - Worte, mit denen gestern Morgen Landrätin Anita Schneider den neuen Schnellbus Laubach-Gießen auf den Weg schickte. Zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember, punkt 6.21 Uhr, wird der 14-Sitzer erstmals vom Busbahnhof Laubach starten - um bereits 35 Minuten später Gießen zu erreichen.

Freilich endet die Reise am Bahnhaltepunkt "Licher Straße". Die Erklärung: Würde der Bus bis zum Bahnhof Gießen fahren, wäre der nutzerfreundliche Ein-Stunden-Takt nicht zu schaffen. Anders sieht es an Samstagen aus, wenn der zweistündige Turnus die etwas längere Fahrtstrecke erlaubt. Vor allem für Kino- oder Kneipenbesucher interessant: Samstags wird der "schnelle Laubacher" zum Nachtschwärmer, statt um 17.54 Uhr startet der letzte Bus ab Gießen-Bahnhof um 23.10 Uhr. Sonntags freilich kommt der "X-Bus", wie die Schnellbusse andernorts heißen, nie.

"Schnelle Verbindungen sind attraktiv, durch sie wird gleichsam der ländliche Raum attraktiv", unterstrich Schneider vor der Presse. Von daher habe·der Kreisausschuss die Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO) beauftragt, verschiedene Projekte umzusetzen. Wobei der barrierefreie Shuttle-Bus Laubach-Gießen, betrieben von der Firma Erletz, schon herausragt.

Auf dass der Schnellbus seinem Namen Ehre macht, hält er nur in Wetterfeld, Münster, Ober- und Nieder-Bessingen. Lich wird somit links liegen gelassen; dies auch um einen "Doppelverkehr" Bus-Schiene zu vermeiden.

Das Pilotprojekt ist vorerst auf sechs Monate begrenzt. Wird das Angebot aber gut genutzt, soll es von Dauer sein, als regionale Schnellbuslinie des RMV etabliert werden. Wie die Landrätin dazu anmerkte, hätte es bei einer einjährigen Testphase einer EU-weiten Ausschreibung bedurft, hätte dies eine erheblich längere Vorlaufzeit benötigt. Die Kosten für den Kreis bezifferte sie auf rund 140 000 Euro.

Wie viele Personen das neue Angebot für eine Fortführung annehmen müssen, vermochte die SPD-Politikerin nicht genau zu sagen. Erwartet werde freilich eine ähnlich hohe Frequentierung wie bei anderen "gut funktionierenden X-Bussen" im Verkehrsverbund. Dass dort der Kostendeckungsgrad im Schnitt bei 56 Prozent liege, fügte VGO-Sprecher Sven Rischen an.

Anette Henkel, Vorsitzende der Arbeitskreises ÖPNV im Kreistag, würdigte die Unterstützung durch die VGO. Die neue Verbindung wertet man als weiteren Erfolg des interfraktionellen Kreises. Wunschlos glücklich ist der allerdings noch lange nicht. Was, wenn man drei Wünsche frei hätte? Henkel: "Ein zweites Gleis auf der Vogelsbergbahn sowie die Lumdatal- und Horlofftalbahn schon im nächsten Jahr."

Erinnert wurde an dieser Stelle an ein Zitat des FW-Fraktionschefs Günter Semmler, der sich vehement für die neue Linie eingesetzt hatte und nach eigenem Bekunden seit 50 Jahren von einer schnelleren Verbindung nach Gießen träumt.

Am Ende wünschte sich die Landrätin noch, dass die neue Linie von ihren Mitarbeitern rege genutzt wird. Dafür dürften die Gewährung von Job-Tickets sprechen. Und auch, dass den Kollegen der Fußweg zum Haltepunkt "Licher Straße" erspart bleibt, hält doch der "schnelle Laubacher" direkt an den Rivers.

Zur Verbesserung des ÖPNV auf dem Lande sollen neben Laubach auch Projekte in Pohlheim, Linden, Biebertal und Wettenberg beitragen, wozu der Kreis der VGO folgende Aufträge erteilt hat:

Linden/Pohlheim: Da das Anruflinientaxi (ALT) die einzige Verbindung zwischen Pohlheim und Linden ist - mit Anschlussmöglichkeiten an den regionalen Bahn- und Busverkehr -, finanziert die VGO das Angebot nun vollständig. Zuvor trugen die Städte und die VGO die Kosten gemeinsam.

Biebertal: Das ALT GI-44 Biebertal-Gießen wird zum Fahrplanwechsel ein "stetiges Angebot". Begründung des Kreises hier: Das ALT ist etabliert, verbindet die Biebertaler Ortsteile und stellt sonntags die Verbindung nach Gießen sicher, die Nachfrage ist stark gestiegen. Die Kosten von über 25 000 Euro trug bisher Biebertal, künftig die VGO..

Wettenberg: Die VGO wird den Zuschuss von 20 000 Euro für die Linie GI-82 für das Jahr 2021 übernehmen. Das "Wettenberger Bussi" wird von einem Innerverkehrsangebot zu einem ÖPNV-nahen Angebot aufgewertet. Dies ist durch Elektrifizierung des Fahrzeuges, Ausweitung des Fahrplans mit Anbindung an den ÖPNV und eventuell eine Anbindung an Biebertal geplant.

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