Textilreinigungsbetriebe leiden Corona-bedingt unter einem starken Umsatzrückgang. FOTO: GECK
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Textilreinigungsbetriebe leiden Corona-bedingt unter einem starken Umsatzrückgang. FOTO: GECK

Chemische Reinigungen

Starke Umsatzeinbrüche durch Corona

  • Alexander Geck
    vonAlexander Geck
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Keine großen Feiern und dann auch noch Home Office. Corona macht den Textilreinigern das Leben besonders schwer. Wir haben bei drei Betrieben in Wettenberg, Fernwald und Linden nachgefragt.

Gießen (age). Den Textilreinigungsfirmen im Kreis geht es nicht gut. Denn das Geschäft ist in Folge der Corona-Pandemie und den in Folge verordneten Einschränkungen enorm eingebrochen. Lediglich ein Fünftel des normalen Umsatzes werde derzeit etwa in Leihgestern gemacht, berichten Elisabeth und Tobias Savas.

Während des Lockdown habe man zwar geöffnet gehabt, doch die Angst und damit die Zurückhaltung der Kunden sei groß gewesen. Gesundheitliche Bedenken hätten sich zwar verflüchtigt, doch ein großes Problem bestehe weiterhin: Keiner trage Anzüge. Das sei dem Home Office geschuldet, erklärt Tobias Savas. Auch Kleider würden derzeit kaum zum Reinigen gebracht, ergänzt seine Schwester. Konfirmationen, Kommunion, Hochzeiten oder Abschlussfeiern - all das finde praktisch nicht statt. Auch Messen nicht. Außerdem gehe abends kaum einer einfach mal gemeinsam essen. Und gewerbliche Kunden wie ein Pflegedienst und eine Logistikfirma brächten die Wäsche in deutlich größeren Abständen zu ihnen.

Fixkosten gerade gedeckt

Das trifft den Familienbetrieb schwer, der seit 1980 mit einer Änderungsschneiderei und seit über 15 Jahren mit der Textilreinigung am Tannenweg zu finden ist. Normalerweise läuft die Maschine zweimal am Tag, im Augenblick etwa dreimal die Woche. Man könne die Fixkosten so gerade eben decken, sagt Tobias Savas. Diese seien relativ hoch. Zudem habe man zu Jahresbeginn kräftig investiert. Die neue chemische Reinigungsmaschine sei besonders umweltschonend und reinige noch effektiver. Doch die Maschine muss sich auch rechnen. Und das gehe nur über einen ausreichenden Umsatz.

Zehn Minuten für ein Hemd

Die Flaute ist in Leihgestern nur zu überstehen, weil man ein Familienbetrieb ist. Selbst Mini-Jobs kann man derzeit nicht vergeben. Der geplante Azubi wird frühestens nächstes Jahr eingestellt.

Beim Gespräch wird schnell klar, dass Textilreinigung eine hochkomplizierte und aufwendige Sache ist, wenn man es gewissenhaft angehen will. Und so ist auch die Reinigung eines einfachen Hemdes mit viel Aufwand verbunden, dauert pro Exemplar mindestens zehn Minuten. Beim Preis von 2,50 Euro bleibt da nicht viel übrig. "Am Hemd verdient man kein Geld", fasst es Tobias Savas zusammen. Die nächsten zwei Sommermonate würden durch ferienbedingte Abwesenheit der Kunden auch nicht besser, prophezeit er.

Schleppendes Geschäft

In der Reinigung Rennemann in Wißmar ist die Lage ähnlich; Die Umsatzeinbußen liegen dort bei rund 40 Prozent. "Das Geschäft läuft schleppend", konstatiert Karl-Heinrich Rennemann, der im Geschäft seiner Frau Sigrid mitarbeitet. 1972 gegründet, gibt es in fast jeder Gemeinde des Landkreises Annahmestellen, nun auch wieder in Lollar und in Wieseck. Man hat ebenfalls überwiegend private Kundschaft.

Den Lockdown habe man auch gespürt, obwohl die Annahmestellen geöffnet waren: "Die Leute haben sich nicht getraut. Viele haben angerufen und erstmal nachgefragt." Bei Bettwäsche etwa aber sei die Auftragslage konstant - Corona hin oder her. Mittlerweile habe sich die Lage zwar etwas gebessert, die Leute gingen zumindest teilweise auch wieder zur Arbeit. Doch Rennemann ist skeptisch. Auch im nächsten Jahr werde es nicht viel besser werden, schätzt er die Lage ein. Das sei auch für die Aushilfen bitter.

Ganze Branchen weggebrochen

Die Wäscherei Pauli in Fernwald leidet ebenfalls unter deutlichen Umsatzeinbußen, berichtet Geschäftsführer Torben Günther. Während das Geschäft mit Unternehmen im Gesundheitswesen wie Pflege- und Seniorenheimen sowie Reha-Einrichtungen weitgehend stabil sei, sei die andere Hälfte des Umsatzes im Bereich Gastronomie, Hotellerie praktisch komplett weggebrochen. Mit der Öffnung seit Mitte Juni sei ein langsamer Aufwärtstrend zu beobachten, man liege jetzt wieder bei etwa 60 Prozent des normalen Auftragsbestands, sagte Günther weiter. Die 20 Vollzeit- und zehn Teilzeitbeschäftigten arbeiteten derzeit reduziert.

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