Rüdiger Veit gehörte 19 Jahre lang der SPD-Bundestagsfraktion an.
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Rüdiger Veit gehörte 19 Jahre lang der SPD-Bundestagsfraktion an.

Nachruf

Gießen: Rüdiger Veit ist tot - Der Standhafte geht

  • Rüdiger Soßdorf
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Große Trauer in der SPD in Hessen: Rüdiger Veit aus Gießen ist im Alter von 71 Jahren verstorben. Ein Nachruf.

Gießen - »Soziale Gerechtigkeit bleibt unsere Aufgabe«. Das gab Rüdiger Veit seinem Parteifreund Matthias Körner mit auf den Weg, der ihm vor knapp vier Jahren als SPD-Bundestagskandidat für Mittelhessen nachfolgte. Der Kampf für eine gerechtere, solidarischere und sozialere Gesellschaft, das war die zentrale Aufgabe, die sich Rüdiger Veit sein Leben lang gestellt hatte. Am Dienstag vergangener Woche ist er nach längerer schwerer Krankheit im Alter von 71 Jahren gestorben.

Nicht zuletzt gesundheitliche Gründe hatten Rüdiger Veit bewogen, Ende 2017 dem Bundestag den Rücken zu kehren. Und zwar nach 32 Jahren hauptberuflicher Politik. Zwölf Jahre, von 1986 bis 1998, war der Sozialdemokrat Landrat im Kreis Gießen, anschließend hat er fast 20 Jahre lang namens der SPD als Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Gießen/Alsfeld die Interessen der Region in Berlin vertreten. Dort war er langjähriges Mitglied des Bundestags-Innenausschusses sowie stellvertretender innenpolitischer Sprecher und Sprecher der Arbeitsgruppe Migration der SPD-Fraktion.

Gießen: Große Trauer um Rüdiger Veit

Veit hat das Leben von Geflüchteten, den Einsatz für Minderheiten, für benachteiligte Menschen immer wieder zu seiner Aufgabe gemacht. Dabei war er nicht immer bequem - aber stets standhaft und prinzipienfest. Auch wenn er selbst innerhalb der Partei damit aneckte, weil er seine Positionen immer sachkundig und mit Konsequenz vertrat.

Auch im Kreis Gießen, zu Beginn seiner politischen Laufbahn, hat Veit mit seiner sozialen Politik Pflöcke eingeschlagen: Etwa als treibende Kraft bei der Gründung des Zentrums für Arbeit und Umwelt Gießen, dem ZAUG, das in Trägerschaft des Landkreises und der Kommunen mit dem Ziel antrat und antritt, jungen Menschen durch Ausbildung und Qualifizierung berufliche Perspektiven zu bieten.

Seit 1969 gehörte Rüdiger Veit der SPD an, engagierte sich ab 1970 kommunalpolitisch, zuerst in den Parteigremien, dann im Gießener Kreistag. Geboren in Berlin, hatte er in Heidelberg und Gießen Jura studiert und von 1975 an als Rechtsanwalt gearbeitet. 1985 dann der Wechsel in die hauptberufliche Politik, zuerst für wenige Monate als Erster Kreisbeigeordneter, danach als Landrat. In seine zwei Amtszeiten fiel auch der erbitterte Streit um den Bau einer Abfalldeponie nahe Holzheim mit wütenden Bürgerprotesten. Ein Projekt, zu dem der Sozialdemokrat gemeinsam mit den grünen Koalitionspartnern stand, das aber nie umgesetzt wurde.

Rüdiger Veit hinterlässt Lücke in der SPD

In Anerkennung seiner Verdienste ist Rüdiger Veit im Januar dieses Jahres die höchste Auszeichnung zuerkannt worden, die die SPD zu vergeben hat: die Willy-Brandt-Medaille. Kaweh Mansoori würdigte seinerzeit namens der SPD Hessen-Süd Rüdiger Veit als »prägende Figur der SPD in Mittelhessen«. Mit seinem Einsatz für Geflüchtete und seiner humanen Migrationspolitik sei er ein »Gesicht menschlicher Innenpolitik«.

Die SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Nancy Faeser nannte Veit jetzt in einem Nachruf »ein leuchtendes Vorbild«. Die hessische SPD verliere in Rüdiger Veit eine prägende Persönlichkeit, einen verlässlichen Freund und einen klugen Ratgeber, der über die Parteigrenzen hinaus sehr geschätzt wurde.

SPD-Unterbezirksvorsitzender Frank-Tilo Becher und Landrätin Anita Schneider zeigten sich bestürzt über den Tod von Rüdiger Veit. Er habe mit seiner Persönlichkeit die politische Landschaft nachhaltig geprägt. Auch in hitzigen Debatten sei Veits Argumentation sachlich und durchdacht gewesen. Becher: »Er verfolgte seine politischen Ziele, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen.«

Veit lebte in den vergangenen Jahren mit seiner zweiten Frau und der gemeinsamen Tochter in Lauterbach. Eine Trauerfeier findet im engsten Familien- und Freundeskreis statt.

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