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Auch Gießener Straße und Kaiserstraße in Hungen sollen umgestaltet werden. Geld dafür kommt aus dem Bund-Länder-Programm "Wachstum und nachhaltige Entwicklung". FOTO: US

Stadt - Land - Bund

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Die Stadtsanierung hat seit den 1990er Jahren das Gesicht Hungens nachhaltig verändert. Nun geht ein neues Förderprogramm von Stadt, Land und Bund an den Start. Es trägt den sperrigen Namen "Wachstum und nachhaltige Erneuerung" und könnte binnen zehn Jahren Investitionen in Höhe von 120 Millionen Euro nach sich ziehen.

Einst fungierte der Saalbau des Darmstädter Hofs in Hungen als Außenstelle des Gießener Stadttheaters. Jetzt soll die stimmungsvolle Spielstätte in der Gießener Straße mit rund 300 Sitzplätzen reaktiviert werden. Das ambitionierte Projekt eines privaten Investors ist der Glanzpunkt des Bund-Länder-Programms "Wachstum und nachhaltige Erneuerung", in das Hungen 2018 aufgenommen wurde. Aber längst nicht der einzige. 27 Einzelmaßnahmen sollen bis 2027 realisiert werden. Klitzekleine sind darunter, wie das Aufstellen von Mitfahr-bänken. Aber auch millionenschwere Pläne wie die Umgestaltung von Gießener Straße und Kaiserstraße. In der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses stellten Folkert Rüttinger (Planergruppe ROB) und Mathias Olschewski (Gesellschaft für Stadtentwicklung und Städtebau, GSW) das Integrierte Struktur- und Entwicklungskonzept (ISEK) vor, das in fünf Workshops mit Bürgern und einem gesonderten Schüler-Workshop erarbeitet wurde. Mittlerweile hat das Hessische Wirtschaftsministerium das ISEK anerkannt.

Die Stadtsanierung hat in rund 25 Jahren in Hungen viele Spuren hinterlassen, wie beispielsweise der Marktplatz, das Kulturzentrum Alte Grundschule oder die Käsescheune beweisen. Das Programm "Wachstum und nachhaltige Erneuerung", das bei seinem Start noch den griffigeren Namen "Stadtumbau" trug, hat mit zehn Jahren eine zwar deutlich kürzere Laufzeit. Es könnte das Gesicht der Stadt aber ebenfalls entscheidend prägen. Der Abriss des ehemaligen Kinos in der Lindenallee zugunsten von Wohnbebauung, die Neugestaltung des Parks an der Friedberger Straße, der Umbau der unübersichtlichen Kreuzung am Schwimmbad, die naturnahe Erhaltung der "Hungener Schweiz", die Sanierung der Rialto-Brücke und ein Generationenpark am Grassee stehen u. a. auf der Liste.

Flexibles Konzept

Was davon in der angedachten Form und im angedachten Zeitraum umgesetzt werden kann, wird man sehen. Es handele sich um einen dynamischen Prozess, der wechselnden Erfordernissen angepasst werden könne, erläuterte Rüttinger. Beispiel: Auch die städtebauliche Neuordnung des Textilbetriebs Jackl steht auf der Liste, aber nur für den Fall, dass der Standort aufgegeben wird. "Eine spannende Aufgabe", befand der Planer. Ob sie sich stellen wird, vermag momentan niemand zu sagen.

Das Integrierte Struktur- und Entwicklungskonzept trägt nicht zuletzt der vorgesehenen Reaktivierung der Horlofftalbahn Rechnung. So sieht es neben der Schaffung weiterer Park-&-Ride-Plätze auch einen "Grünen Bahnhof" vor mit Flächen und Service-Einrichtungen beispielsweise für Radler, E-Biker oder den ÖPNV. Und weil trotz Umgehung immer noch viel Verkehr in der Innenstadt unterwegs ist, soll auch ein Verkehrskonzept erarbeitet werden.

ISEK spricht aber nicht nur die öffentliche Hand an. Für die Modernisierung und Instandsetzung privater Anwesen stehen 3,6 Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung, für klimaverbesserndes Bauen im Privatsektor weitere 655 000 Euro. "Von der privaten Bereitschaft zum Mitwirken hängt viel ab", betonte Rüttinger.

Alles in allem sollen innerhalb von zehn Jahren 14,5 Millionen Euro an Fördermittel in Hungen ausgegeben werden. Das Geld kommt je zu einem Drittel von Stadt, Land und Bund.

CDU-Fraktionsvorsitzender Norbert Marsfelde musste in Anbetracht dieser Zahlen kurz Luft schnappen: "500 000 Euro jährlich sind für eine kleine Stadt wie Hungen viel Holz." Mathias Olschewski machte die Gegenrechnung auf: Jeder Euro an Fördergeld ziehe acht Euro an Investitionen nach sich. Macht rund 120 Millionen Euro, die der Region zugutekommen.

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