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Bei den Sprachreisekursen der Kreisvolkshochschule entdecken die Teilnehmer virtuell Städte wie Havanna oder Buenos Aires und lernen dabei nicht nur Spanisch, sondern erleben auch die kulturellen Besonderheiten.

Volkshochschule im Kreis Gießen

„Seltene Sprachen haben einen Boom erfahren“ – Wie Sprachen lernen auch im Lockdown funktioniert

Dr. Iris Korte-Klimach, Programmbereichsleiterin Sprachen an der Kreisvolkshochschule erzählt, wie durch Sprachkurse Urlaubsatmosphäre aufkommen kann.

Welche Sprachkurse werden denn Online besonders gut angenommen?

Einerseits werden die Kurse gut angenommen, die auch in Präsenz schon gut gelaufen sind. Das sind die klassischen Kurse wie Englisch, Spanisch, Italienisch und Französisch. Andererseits haben seltene Sprachen vergangenes Jahr interessanterweise einen Boom erfahren, wie etwa Niederländisch oder Schwedisch. Und Schwedisch zum Beispiel hat sich seit vergangenem März, also seit dem ersten Lockdown, so verselbstständigt, dass es seitdem durchgängig läuft. Da haben wir auch neue Teilnehmergruppen ansprechen können, die sonst nicht die Gelegenheit haben, einen Kurs zu besuchen, junge Eltern etwa oder Pendler. Aber auch Spezial-Kurse, die einen Event-Charakter simulieren, kommen gut an, wie etwa unsere Sprachkochkurse oder Sprachreisekurse.

Nun ist Online-Lernen nicht jedermanns Sache. Was sind denn typische Probleme, die beim Online-Lernen auftreten können?

Dahingehend erlebe ich zwei Problemfelder: Einmal, dass die Technik eine Barriere ist. Dass zum Beispiel Geräte den Standard, den man für das Online-Lernen benötigt, nicht mehr erfüllen. Auch das Breitband-Niveau kann zum Problem werden, je nachdem wo man sich im Landkreis befindet. Gerade in Zeiten von Homeoffice und Homeschooling reicht das oftmals nicht mehr aus.

Volkshochschule im Kreis Gießen: Sprachkurs mit über 80-Jährigen kein Problem

Und was ist das zweite Problem?

Die zweite Hürde ist eine digitale Grundkompetenz, die man mitbringen muss. Das ist für viele Leute erstmal ungewohnt und ein Hindernis. Da steuern wir beispielsweise mit Telefonberatungen nach. Ich kann aber nicht sagen, dass das nur auf bestimmte Altersgruppen zutrifft, weil man ja gerne das Klischee bedient, insbesondere die Älteren hätten damit ein Problem.

Ist es nicht so?

Nein, dieses Klischee kann ich überhaupt nicht bestätigen. Wir hatten zum Beispiel einen Kurs mit über 80-Jährigen in Chinesisch, die haben das hinbekommen. Sie sagten sogar, dass sie mit einem Headset besser hören können. Man muss sich eben auf die verschiedenen Gruppen einstellen. Eines ist aber auch klar, die Sehnsucht nach einem sozialen Miteinander ist groß. Lernen hat viel mit Begegnung zu tun. Fremdsprachenerwerb ist eben nicht nur Kopfarbeit, das findet im sozialen Umfeld statt. Das ist auch unser Motto.

Und wie setzen Sie das online um?

Wir versuchen, einen sozialen Raum zu schaffen. Das ist aber trotzdem etwas anderes als der Austausch auf dem Gang vor dem Kurs oder die kleinen privaten Randgespräche. Wir versuchen, das auf unsere Online-Lernplattform zu übertragen, in dem die Teilnehmenden eine halbe Stunde vor Kursbeginn alleine in der Cloud sind, sich austauschen und den Raum erobern können. Dieses ›den Raum für sich aneignen‹ ist schwerer als in der Präsenz. Je länger die Pandemie dauert, umso größer ist die Sehnsucht nach einem wirklichen, nicht nur digitalen Kontakt. Das merken wir schon.

Dr. Iris Korte-Klimach von der Kreisvolkshochschule hat einige Tipps, wie man während des Lockdowns alleine zu Hause Fremdsprachen üben kann.

Sprachkurse an der Kreisvolkshochschule in Lich: Spezial-Kurse sorgen für Urlaubsatmosphäre

Sie haben vorhin Angebote wie den Sprachkochkurs erwähnt. Er gehört zu Ihren sogenannten Spezial-Kursen. Was ist der Grundgedanke dahinter?

Wir versuchen, Sprache erleb- und erfahrbar zu machen und uns nicht nur auf reine Fertigkeiten wie Schreiben und Grammatik zu konzentrieren. Das ist ein Ziel von den Spezial-Kursen, die wir aber auch schon in Präsenz angeboten haben.

Zum Beispiel?

Wir hatten einen Kurs zum Thema »Thanksgiving«, da haben wir zusammen ein typisches amerikanisches Festmenü gekocht und dabei Englisch gelernt. Oder aber unser Kurs »Schwedische Landeskunde«. In dem Kurs werden Muttersprachler aus Schweden zugeschaltet. Die Teilnehmenden können dann Fragen stellen und auf Schwedisch ein Interview führen zu Themen, die sie wirklich interessieren. So entsteht eine authentische Kommunikationssituation. Wir bieten auch Sprachreisekurse wie »Buenos Aires auf Spanisch entdecken« oder »Havanna auf Spanisch entdecken« an.

Das klingt ja fast wie Urlaub.

Stimmt, da entsteht ein bisschen Urlaubsatmosphäre. Das ist auch wieder das Gefühl, Sprache erlebbar zu machen. Bei diesen Kursen erkunden die Teilnehmenden virtuell die Stadt mit ihren kulturellen Besonderheiten.

Volkshochschule im Kreis Gießen: Tipps zum Erlernen von Sprachen im Lockdown

Hilft dieser spielerische Ansatz dabei, eine Sprache leichter oder schneller zu lernen?

Das hängt von den einzelnen Lerntypen ab. Eine sinnliche, erfahrbare Art des Sprachenlernens, wo Sie in einer Situation oder einem Rollenspiel Sprache anwenden, kann dabei helfen, sich etwas viel besser zu merken. Man baut auch die Hemmungen ab, die viele beim Sprechen in der Fremdsprache am Anfang oftmals haben. Man sollte es als Experiment betrachten und sagen: »Ich traue mich das einfach. Ich will das erleben und erfahren.« Fehler sind erlaubt, das ist der erste Schritt. Diese Atmosphäre zu schaffen, das gelingt in den Spezial-Kursen.

Haben Sie ein paar Tipps parat, wie man während des Lockdowns alleine zu Hause Fremdsprachen üben kann?

Als Fachbereichsleiterin würde ich sagen, kommen Sie in unsere Kurse. Sie können vor Unterrichtsbeginn schon miteinander - auch in der Fremdsprache - ins Gespräch kommen. Wir versuchen, Raum zu geben für das Sprechen, für aktive Kommunikation. Aber zusätzlich zu den Kursen, und jetzt spreche ich auch als Privatperson, ist es natürlich gut, Freundschaften zu pflegen. Oft ist das ja die Motivation, eine Fremdsprache zu lernen. Ich höre ganz oft: »Mein Sohn hat eine amerikanische Frau geheiratet, ich möchte mich mit ihr verständigen können.« Ich kann nur sagen: Ins Gespräch gehen, sich nicht von Fehlern irritieren lassen, diese als Chance zum Verbessern nutzen. Auch Medien wie zum Beispiel Skype können hilfreich sein. Oder aber Filme und Videos in der Fremdsprache schauen. Man kann sich auch zur »Coffee-Time« verabreden und nur noch auf Englisch reden. Es gibt viele Möglichkeiten.

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