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Leitet den Programmbereich Sprachen: Dr. Iris Korte Klimach.

Sprachen lernen mit allen Sinnen

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An der Kreisvolkshochschule geht man beim Sprachenlernen schon länger neue Wege. Italienisch lernen beim Kochen, Französisch lernen beim Spazierengehen - das sind nur zwei der Kurse. Dr. Iris Korte-Klimach, Leiterin des Bereichs, erklärt, für wen dieser Ansatz geeignet ist, welche die schwerste zu erlernende Sprache ist und warum sie gerne Kurse für Dialekte anbieten möchte.

Frau Korte-Klimach, in der Kreisvolkshochschule werden 18 verschiedene Sprachen angeboten. Was ist denn davon die am schwersten zu lernende Sprache?

Iris Korte-Klimach:Das ist schwierig zu sagen. Für mich wäre das Ungarisch, aber das ist meine ganz persönliche Sicht.

Wie sieht es mit Japanisch oder Chinesisch aus, sind die nicht auch Anwärter auf diesen Titel?

Korte-Klimach:Die können Sie gleich dazunehmen. Ich habe zuerst an Ungarisch gedacht, weil ich immer wieder versuchen würde, Herleitungen zu schaffen. Dadurch kommt man häufig auf die falsche Fährte. Dazukommt die andere Aussprache des Ungarischen. Bei Chinesisch und Japanisch wäre ich hingegen ganz offen, weil ich nichts herleiten kann.

Wie unterscheidet sich das Sprachenlernen an der Volkshochschule von anderen Sprachkursen?

Korte-Klimach:Wir lernen in Kleingruppen. Uns ist die Lernatmosphäre sehr wichtig. Es ist nicht nur die reine Sprachvermittlung, sondern das Miteinander. Die Lerngruppen bauen eine Bindung sowohl untereinander als auch zur Volkshochschule auf. Wir haben Kurse, die bereits seit 30 Jahren bei uns lernen. Wir wollen, dass Sprachen lernen Spaß macht, also keinen Leistungsdruck aufbauen, nur so erzielt man Lernerfolge. Unsere Kursleiter sind nicht nur qualifiziert, sondern in den meisten Fällen Muttersprachler. Die, die keine Muttersprachler sind, haben zumindest jahrelang in den entsprechenden Ländern gelebt.

Neben dem klassischen Unterricht bieten Sie auch alternative Lernmethoden an, etwa die sogenannte PDL-Methode. Was muss man sich darunter vorstellen?

Korte-Klimach:PDL steht ursprünglich für Psychodramaturgie Linguistique. Die PDL-Methode ist ein ganzheitlicher Ansatz des Sprachenlernens. Das bedeutet Sprachen lernen ohne Lehrwerk, Sprachen lernen mit allen Sinnen. Ein erster Zugang zur Sprache läuft nur über Hören und Sprechen, um einen intuitiven Zugang zur Sprache zu bekommen. Erst im späteren Verlauf wird schriftlichen Aktivitäten mehr Raum gegeben. Die Kursteilnehmer stehen im Mittelpunkt.

Inwiefern?

Korte-Klimach:Sie entscheiden die Themen, über die kommuniziert werden soll. Die eigenen Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt. Es geht darum, ein selbstbewusstes Sprachhandeln zu entwickeln. Das bieten wir für Norwegisch und Italienisch an.

Es geht also auch darum, Hemmungen beim Umgang mit der Sprache abzubauen?

Korte-Klimach:Genau. Es geht darum, die Angst vorm Sprechen und vor dem Fehlermachen zu verlieren. Deshalb fließen in die PDL-Methode auch Entspannungstechniken mit ein. Im Zentrum steht bei PDL immer die Kommunikation in der Fremdsprache, d. h. die Sprache durch Interaktion, also im Gespräch mit den anderen zu lernen.

Die PDL-Methode aber ist nur eine Sache. Sie haben auch Brainwalking, also das Sprachenlernen beim Walken, oder beispielsweise Sprachen lernen beim Kochen im Angebot.

Korte-Klimach:Diese Angebote sind unter dem Format "Sprache Spezial" gefasst. Das sind sogenannte Crossover-Kurse, bei denen verschiedene Programmbereiche miteinander verbunden werden. Also beispielsweise Sprache mit Kultur oder Gesundheit. Man ist interdisziplinär unterwegs. Auch hier sind keine Vorkenntnisse nötig, sondern es geht darum, den Teilnehmenden die Möglichkeit zu bieten, Kontakt mit der Sprache aufzunehmen. Sie sollen nicht nur die Sprache, sondern auch die Kultur kennenlernen, beispielsweise Portugiesisch lernen mit Fado oder Italienisch lernen beim Kochen.

Für wen ist diese Art von Kursen interessant, für Menschen, die es sich zunächst nicht zutrauen, eine neue Sprache zu lernen?

Korte-Klimach:Genau, aber nicht nur. Ich habe beispielsweise immer wieder Anrufe bekommen von Ehepaaren, die gerne zusammen lernen wollten, aber aus Zeitgründen keinen klassischen Sprachkurs besuchen konnten. Diese Kurse sind also auch Events, die man verschenken und gemeinsam besuchen kann. Man kann Genuss mit Kultur und Sprache verbinden. Es ist sozusagen ein Stückchen Urlaub, bei dem man trotzdem ein Bildungsangebot hat.

Wie sind denn die Lernerfolge bei diesen alternativen Angeboten?

Korte-Klimach:Ich weiß aus Studien, dass die PDL-Methode gute Lernerfolge hat. Bei uns an der Kreisvolkshochschule habe ich das bisher nie evaluiert. Wir haben aber Gruppen mit Teilnehmern, die das seit Jahren weitermachen. Daran messe ich, dass sie mit dem Angebot zufrieden sind. Überhaupt geht es bei diesen Kursen nicht vordergründig um Leistung, sondern um die Kommunikation und das selbstbewusste Handeln in und mit der Sprache.

18 Sprachen - das ist für eine Volkshochschule ein umfangreiches Angebot. Gibt es dennoch andere Sprachen, die Sie unbedingt mal anbieten möchten?

Korte-Klimach:Insgesamt möchte ich die Sprachen der Partnerstädte im Landkreis und auf jeden Fall noch mehr Europa abbilden. Finnisch hätte ich zum Beispiel gerne noch gehabt. Dänisch und Russisch würde ich auch gerne wieder ins Angebot aufnehmen. Was ich ebenfalls bedauere, ist, dass ich Jiddisch nicht anbieten kann. All diese Sprachen sind kulturelle Schätze. Aber es gibt noch ein anderes Projekt, an dem ich arbeite.

Und das wäre?

Korte-Klimach:Ich würde gerne versuchen, Sprachkurse für Dialekte auf die Beine zu stellen, denn diese gehen mehr und mehr verloren. Auch wenn das wohl nur schwer zu realisieren sein wird. Aber ich arbeite daran.

Mehr Informationen zu den Kursen der Kreisvolkhochschule erhalten Sie im Internet unter: www.vhs-kreis-giessen.de

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