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Wie der Sport von eSports profitieren kann

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An eSports scheiden sich die Geister. Die Branche zieht vor allem junge Menschen an. Vor allem Ältere sehen darin keinen Sport. Und doch könnte der etablierte Sport vom E-Sport profitieren.

Kritiker sagen, eSports sei kein Sport. Befürworter halten das Beispiel Schach dagegen. Fakt ist, die Branche zieht vor allem junge Menschen an und verzeichnet enorme Wachstumsraten. Im Interview spricht Prof. Dr. Heinz Zielinski, Vorsitzender des Sportkreises Gießen, über die Ängste der Etablierten und warum man eSports nicht negieren sollte.

Herr Prof. Dr. Zielinski, ist eSports ein Thema beim Sportkreis?

Prof. Heinz Zielinski:Ganz offen und ehrlich ist mir nicht bekannt, dass das ein Thema ist, was aber nicht heißt, dass es in den einzelnen Vereinen nicht schon ein Thema sein könnte. Wir haben darüber schon im Landessportbund diskutiert. Es gibt sogar eine Arbeitsgruppe dafür. Im organisierten Sport ist es ja auch bereits ein sehr großes Thema. Und wir werden uns auch im Sportkreis Gießen damit beschäftigen müssen.

Wie hoch ist die Priorität, eSports im Kreis zu fördern?

Zielinski:Im Sportkreis haben wir noch keine Position dazu. Ich kann jetzt nur für den Landessportbund reden: Wir sind ambivalent. Der organisierte Sport hat kein ausgeprägtes Interesse, dass eSports als Sportart anerkannt wird. Man kann darüber streiten, ob das Sport ist. Wir sagen im Moment, dass es kein Sport ist. Meine persönliche Meinung ist aber auch, dass der Bereich sich immer weiterentwickeln wird und nicht aufzuhalten ist. Ich sehe das an meinen Enkelkindern. Vor allem Jugendliche und Heranwachsenden haben ein großes Interesse, daran. Deswegen müssen wir als organisierter Sport und Sportkreis eine Position finden. Das haben wir bisher aber noch nicht.

Gibt es dafür einen bestimmten Grund?

Zielinski:Wenn man Sport mit Bewegung in Zusammenhang bringt, kann man nicht sagen, dass diese Spiele irgendetwas mit Bewegung zu tun haben. Das Gegenargument ist immer Schach, das ja auch eine anerkannte Sportart ist, obwohl man sich nicht bewegt. Insoweit, das wissen wir, ist die Argumentation nicht ganz glaubwürdig.

Was sind denn Ihre Ängste?

Zielinski:Wir befürchten, dass mit diesen Spielen immer mehr Kinder und Jugendliche in diesen Bereich abdriften und damit weniger Sport im Sinne der Bewegung betreiben. Das ist unsere Sorge, und deswegen sind wir da zurückhaltend. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass es da Kombinationen geben kann. Ich weiß von Jugendlichen, die Sport betreiben und gerne Spiele spielen. Das müsste die Stoßrichtung sein.

Die großen eSports-Organisationen sind in diesem Bereich sehr strukturiert. Sie haben Mitarbeiter, die sich um die Fitness ihrer Spieler kümmern. Wäre es nicht im Interesse des Sportkreises, diesen Bereich von Anfang an so organisiert aufzubauen?

Zielinski:Ich könnte mir vorstellen, dass wir im Sportkreis diese Richtung einschlagen. Ich glaube, eSports ist die Zukunft, zumindest ein wesentlicher Punkt. Ich kann mir vorstellen, dass man Kombinationsmöglichkeiten schaffen kann, Sport und eSports füreinander nutzbar zu machen. Damit könnte man auch Jugendliche für den Sport gewinnen.

Wenn man eSports ignoriert, dann entgeht einem damit eine wichtige Zielgruppe.

Zielinski:Genau. Ein Negieren dieses Bereichs ist nicht meine Position. Das ist eine Zielgruppe, die wir für den Sport brauchen. Und das ist vielleicht der Weg, sie für uns zu gewinnen.

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