Erfrischende Aussichten: Der Lutherweg im Gießener Ostkreis führt den Wanderer auch an den "Drei Teichen" nahe Hungen vorbei. ARCHIV-FOTO: TB
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Erfrischende Aussichten: Der Lutherweg im Gießener Ostkreis führt den Wanderer auch an den "Drei Teichen" nahe Hungen vorbei. ARCHIV-FOTO: TB

Spirituelle Impulse und viel Natur

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Die Osterferien und das Frühlingswetter locken nach draußen. Gegen einen Spaziergang ist auch in Corona-Zeiten nichts einzuwenden. Bis Samstag stellen wir etwas weniger ausgetretene Pfade vor. Heute: der Lutherweg.

Wenn das nicht passt zur Osterzeit: Auf den Spuren des Mönchs Martin Luther wandeln, der seine Kirche zu einer besseren machen wollte und dabei (ohne es eigentlich zu beabsichtigen) zum geistigen Vater der protestantischen Konfessionen wurde. Wer den "LutherRUNDweg" im Osten des Gießener Landes geht, der erfährt spirituelle Impulse. An das Wirken des Reformators wird vielerorts erinnert. Hinzutreten beeindruckende Naturerlebnisse sowie baugeschichtliche Zeugnisse.

Es ist ein Rundweg im wahrsten Sinne des Wortes, er lädt daher geradezu ein, einzelne Abschnitte zu gehen.

Seine Entstehung verdankt dieser Weg einem Kuriosum: Bis heute streiten die Gelehrten (und nicht nur die), welche Route Luther 1521 einschlug, da er zum Reichstag in Worms beordert wurde: Über den Handelsweg "Kurze Hessen", der via Grünberg und Hungen nach Frankfurt führte? Oder doch über den Geleitweg via Lich? Wohl um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein, gewiss auch zum Wohlgefallen so mancher Lokalpatrioten, wurde der von Eisenach nach Worms führende "Lutherweg 1521" zwischen Grünberg und Friedberg zweigeteilt.

Die Westroute führt von Ober-Bessingen über Lich nach Arnsburg, die Ostroute von Ober-Bessingen über Nonnenroth nach Hungen. Der "LutherRUNDweg" aber führt nun, man ist fast versucht von Ökumene zu schreiben, beide Schleifen zusammen. Insgesamt 41 Kilometer lang, ist der Wanderweg in fünf Etappen aufgeteilt, zwischen vier und 14 Kilometern sind sie lang, mehr oder weniger zeitaufwendig, meist mit sanftem Profil. Der "Lutherweg 1521" will der inneren Einkehr, der Orientierung dienen, ein "Weg zum eigenen Ich" sein. Freilich wird dieser Abschnitt im Ostkreis auch für jene lohnen, die "nur" an Kultur und Natur interessiert sind. Der Hessenbrückenhammer unterhalb des Münsterer Kreuzes ist der nördlichste Punkt der Schleife. Wer hier startet, darf schon bald die sanfte Auen- und Wiesenlandschaft im Tal der Wetter genießen. Erster Halt sei dann in Ober-Bessingen mit seinem Torhaus aus dem Jahr 1782. Weiter geht’s entlang dem Naturschutzgebiet "Wirtswiesen". In Lich ist die erste Etappe geschafft. In der Marienstiftskirche befindet sich in einer Vitrine die Kopie eines "Fourierzettels", also eines Beherbergungsnachweises. Danach hat 1521 ein gewisser "Doctor Lutter" im Pfarramt (Schlossgasse 16) genächtigt.

Einzeletappen

Eine vergleichsweise leichte Wanderübung mit vier Kilometern ist die Etappe von Lich ins Zisterzienserkloster Arnsburg. 1174 gegründet, führten die Mönche dort ein Leben des Gebets, der Lesung und der Arbeit - bis zur Säkularisierung 1803. Die Barockbauten sind gut erhalten und sehenswert - am imposantesten aber ist die Ruine der mittelalterlichen Klosterkirche.

Nahe Muschenheim verlässt man den Lutherweg, schreitet über den Residenzenweg gen Osten. Nach 14 Kilometern ist Hungen erreicht. Dessen ältestes Bauwerk sollte man nicht links liegen lassen: 1286 erstmals urkundlich erwähnt, finden sich in der Stadtkirche Baustile der Romanik, Gotik und Renaissance wieder.

Vorbei an alten Schafhutungsbetrieben führt der Weg den Wanderer von Hungen aus nordwärts. Bald erreicht er mit den "Drei Teichen" ein weiteres Naturerlebnis. Basaltsteine mit Luther-Zitaten darauf laden zum Ausruhen ein. Nach rund sechs Kilometern ist mit Nonnenroth das Ziel der vierten Etappe erreicht.

Nach etwa fünf weiteren Kilometern, nachdem das Dörfchen Röthges passiert wurde, ist man wieder am Ausgangspunkt der Tour, am Hessenbrückenhammer. Heute ein (in diesen Tagen geschlossener) Gasthof, verdienten sich hier vor über 300 Jahren die "Hammerknechte" buchstäblich im Schweiße ihres Angesichts den kargen Lohn.

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