Schwarz malen will keiner - denn dafür fehlt Kreide in dieser Farbe. Der Kinderspielkreis Lich kämpft jedoch mit den finanziellen Folge der Pandemie und sucht neue Mitglieder. FOTO: PAD
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Schwarz malen will keiner - denn dafür fehlt Kreide in dieser Farbe. Der Kinderspielkreis Lich kämpft jedoch mit den finanziellen Folge der Pandemie und sucht neue Mitglieder. FOTO: PAD

Spielzeit im Trockenen

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Vor über 30 Jahren wurde der Kleinkinderspielkreis Lich gegründet. Gerade im Winter ist das Angebot beliebt, kann doch im Trockenen nach Herzenslust gespielt werden. Die Pandemie nagt jedoch an den finanziellen Reserven des Vereins.

Draußen prasseln dicke Regentropfen auf die Straße, weht ein rauer Wind durch Lich - kein gemütliches Wetter. Es ist jedenfalls kaum geeignet, um draußen zu spielen. Den Kindern macht das aber nichts aus. Denn mit einem Bällebad, einem kleinen Klettergerüst inklusive Rutsche, einer Miniküche und vielen Spielsachen ist für genügend Abwechslung gesorgt.

Vor über 30 Jahren wurde der Kleinkinderspielkreis gegründet. Die Vereinsführung wird seitdem von Eltern an Eltern weitergereicht, derzeit sind unter anderem Yvonne Muth-Neumann und Sophie Kreuz im Vorstand aktiv. "Bei uns ist man so lange Mitglied, bis die Kinder rauswachsen", sagt Kreuz.

Bei der Gründung ging es darum, dass die Eltern einen Treffpunkt erhielten und sich austauschen konnten, während die Kinder miteinander spielten und dabei ihr Sozialverhalten verfeinerten. Damals waren gerade Mütter mehrere Jahre für die Kinderbetreuung zu Hause, konnten die Kinder erst mit drei bis vier Jahren in den Kindergarten.

Lange Zeit bot der Verein eine betreute Krabbelgruppe an. Das Angebot sei aber vor ein paar Jahren mangels Nachfrage eingestellt worden. "Die Eltern sind kürzer Zuhause, die Kinder kommen früher in die Kita oder zu einer Tagesmutter", erklärt Kreuz.

Die Spieletreffs werden hingegen noch immer gut nachgefragt - besonders in der kalten Jahreszeit. Denn im ersten Geschoss des Licher Bürgerhauses gibt es einen großen Raum, um im Warmen und Trockenen zu spielen.

Das Angebot richtet sich an Kinder bis ins Vorschulalter. Eine Altersuntergrenze gibt es nicht. "Das zweite Kind sitzt dann im Maxi-Cosi und schaut sich das an, während das ältere Kind spielt", beschreibt Muth-Neumann eine häufig auftretende Situation.

Immer montags und freitags von 10 bis 12 Uhr sowie montags und mittwochs von 15.30 bis 17.30 Uhr wird sich getroffen. Nach Absprache können kleine Gruppen sich auch sonst in den Räumen zum Spielen verabreden.

Vorgefertigte Angebote oder Anleitungen gibt es nicht. "Die Kinder sollen erste Erfahrungen mit Gruppendynamik außerhalb der eigenen Kernfamilie sammeln", sagt Kreuz. Muth-Neumann fügt hinzu: "Gerade im Alter von neun bis elf Monaten wollen sie von größeren Kindern lernen, sie beobachten. Das geht beispielsweise als Einzelkind Zuhause nicht."

Womit das Thema Covid-19 erreicht wäre. "Den Kindern fehlt auch der Austausch", sagt Muth-Neumann. Die beiden Vorstandsmitglieder erzählen, wie ihnen in den vergangenen Monaten Eltern vom veränderten Verhalten ihres Nachwuchses berichtet, sich dort die eingeschränkten sozialen Kontakte widergespiegelt hätten.

Auch der Kleinkinderspielkreis musste zu Beginn der Pandemie schließen. Als die Kitas zum Regelbetrieb zurückkehrten, wurden die Spieletreffs wieder aufgenommen - wenn auch unter besonderen Rahmenbedingungen. Die Gruppen dürfen nicht zu groß werden, deshalb wird sich in einer WhatsApp-Gruppe abgesprochen, wer kommt. Früher konnten interessierte Eltern aus Lich und Umgebung spontan vorbeischauen, jetzt müssen sie sich über die Internetseite anmelden.

Mitglieder gesucht

Beim Eintreffen heißt es erst einmal gründlich Händewaschen. "Ansonsten darf man nicht ins Bällebad - und auch sonst nichts anfassen", sagt Muth-Neumann, während sie die Anwesenheitsliste führt. Dass die Räume und Spielsachen gereinigt und desinfiziert werden, gehört zum Standardprogramm. Es wird alles getan, damit das Angebot erhalten bleiben kann.

Dabei geht es finanziell mittlerweile ans Eingemachte: Normalerweise richtet der Kleinkinderspielkreis zweimal im Jahr einen Kindersachenflohmarkt aus. Damit werden die Kosten für Miete, Strom und Wasser hereingeholt, die Mitgliedsbeiträge allein würden diese nicht decken.

Wegen der Bürgerhaussanierung musste der Flohmarkt bereits von Lich nach Muschenheim umziehen. Dann schlug im März Covid-19 zu. Unter Pandemiebedingungen lässt sich in der Sport- und Kulturhalle kein Flohmarkt ausrichten. "Wir wollen nicht als Hotspot in die Zeitung kommen", sagt Muth-Neumann.

Der Kleinkinderspielkreis hofft darum nun auf neue Mitglieder. Auch Spenden sind willkommen, damit der Verein die Durststrecke bis zu dem Tag überbrücken kann, an dem wieder ein Flohmarkt möglich ist.

Weitere Informationen im Internet auf kleinkinderspielkreis-lich.de.

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