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Bei den Fadenspielen lernen die Jungen von den Alten, wie es funktioniert.

Spiele aus der Vergangenheit

  • Susanne Riess
    VonSusanne Riess
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Gibt es Kinder, die in ihrer Freizeit noch Hinkelkästchen oder Gummitwist hüpfen? Die mit Murmeln spielen oder einen HulaHoop-Reifen kreisen lassen? Ja, die gibt es - zumindest während der Ferienspielaktion im Seniorenzentrum Hungen.

Im idyllisch gelegenen Garten des Seniorenzentrums des Oberhessischen Diakoniezentrums herrscht an diesem Ferientag eine ausgelassene Stimmung. Viele Senioren sitzen auf der mit bunten Fähnchen geschmückten Terrasse im Schatten und genießen bei Wassermelone und kühlen Getränken sichtlich das fröhliche Kinderlachen, das schon von Weitem zu hören ist.

Unter dem Motto »Spiele, die unsere Großeltern schon spielten« hat sich das Seniorenzentrum zum ersten Mal an den Ferienspielen der Stadt Hungen beteiligt. Und das mit vollem Erfolg: Die 15 Plätze waren schnell vergeben, berichtet Einrichtungsleiterin Helga Klauß. Insgesamt seien noch drei weitere Aktionen während der Sommerferien geplant - alle bereits ausgebucht.

In kleinen Gruppen schauen die Senioren den Kindern an den verschiedenen Stationen zu und erinnern sich dabei an ihre Kindheit. »Mit Murmeln oder Klickern haben wir fast täglich gespielt. Da wurden mit den Fingern noch Löcher in die Erde gekratzt«, erzählt der 93-jährige Richard Desch. Dass so viele Kinder an diesem Tag zu Besuch sind, findet er toll, und er genießt den Trubel: »Kinder dürfen auch mal laut sein, das stört mich überhaupt nicht!«

Brigitte Mitzkat sitzt derweil bei einer anderen Station in ihrem Rollstuhl und beobachtet, wie einige Mädchen Seil springen. »Das habe ich früher in der Schule auch gemacht. Ich bin aber lieber gesprungen, statt das Seil zu drehen«, sagt die 90-Jährige.

Auch wenn die teils hoch betagten Bewohner bei fast allen Spielstationen nur Zuschauer sind, ist die Aktion ein großer Gewinn für sie. »Der Kontakt zu Kindern ist für ältere Menschen immer gut und auch sehr wichtig«, sagt Klauß. »Dabei werden Erinnerungen an früher wach. Und Erinnerungen an schöne Zeiten in der eigenen Kindheit sind ein Stück Lebensqualität.« Deshalb sei für die Zukunft geplant, verstärkt den Kontakt zu Schulen oder Kindergärten zu suchen, auch außerhalb der Ferien.

Dann gibt es doch noch eine Station, bei denen die Senioren ganz eindeutig die Nase vorn haben, und den Kindern zeigen können, wie man´s richtig macht; bei den Fadenspielen.

»Die haben wir früher auch immer gespielt, wir hatten ja sonst nichts«, sagt Hannelore Kniese. Gekonnt zeigt sie der siebenjährigen Tara, wie man den Faden mit den Fingern aufnimmt und auf diese Weise immer neue Figuren entstehen. Mit ihren eigenen Kindern habe sie das zwar nicht mehr gespielt, wohl aber mit den Enkelkindern. »Das musste ich selbst erst wieder lernen, schließlich liegt eine ganze Generation dazwischen«, lacht die 84-Jährige.

Auch für die Kinder ist die Aktion eine gelungene Sache. »Das Seilspringen hat mir am besten gefallen. Es ist toll, dass wir hier zu Besuch sein dürfen, und dass die alten Menschen uns zuschauen«, sagt die siebenjährige Zoe. Und auch Yanna, neun Jahre alt, ist begeistert: »Es ist so schön, dass wir mit den alten Leuten zusammen sind.« Einige Spiele wie Gummitwist oder Klickern kannten sie bisher noch nicht, sie haben aber ihren Spaß daran gefunden.

Trotz aller Fröhlichkeit und Ausgelassenheit an diesem Tag ist Corona noch immer ein ernstes Thema. Im Seniorenzentrum Hungen wird strikt auf die Einhaltung der Hygieneregeln geachtet, um die Bewohner vor einer Covid-19-Infektion zu schützen. Und so werden auch alle Kinder, die keinen tagesaktuellen Corona-Test haben, vor Ort getestet, bevor sie in Kontakt zu den Senioren kommen.

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