Freie Fahrt bis Londorf

Große Spannung herrschte bei der Sitzung des Kreistagsausschusses für Infrastruktur am Donnerstag. Das merkte man auch an den zahlreichen Besuchern, die im Zuhörerraum der Sitzung folgten. Der Grund dafür waren die Vorstellung der Kosten-Nutzen-Untersuchung zur Reaktivierung der Lumdatalbahn (die Gießener Allgemeine Zeitung berichtete ). Groß war die Freude, als verkündet wurde, eine Reaktivierung sei sinnvoll und wirtschaftlich machbar.

Große Spannung herrschte bei der Sitzung des Kreistagsausschusses für Infrastruktur am Donnerstag. Das merkte man auch an den zahlreichen Besuchern, die im Zuhörerraum der Sitzung folgten. Der Grund dafür waren die Vorstellung der Kosten-Nutzen-Untersuchung zur Reaktivierung der Lumdatalbahn (die Gießener Allgemeine Zeitung berichtete ). Groß war die Freude, als verkündet wurde, eine Reaktivierung sei sinnvoll und wirtschaftlich machbar.

Die Studie wurde von Gutachter Hendrik Ilcken von der VKT Verkehrsplanung Köhler und Taubmann, Stefan Klöppel vom ZOV, dem RMV-Planer Thomas Busch sowie Frank Sachs, Referent im Hessischen Verkehrsministerium, vorgestellt. "Wir sehen ein kombiniertes Konzept aus Bus und Bahn als sinnvoll an", erläuterte Thomas Busch.

Die Empfehlung sieht eine Erschließung der Bahnstrecke bis Londorf vor. Auch das ist eine gute Nachricht, denn es war zwischenzeitlich auch die Rede davon, nur den Abschnitt mit Allendorf/Lumda wieder in Betrieb zu nehmen. Züge sollten im Stundentakt fahren, die Strecke für Geschwindigkeiten von 80 Kilometer pro Stunde ausgebaut werden. Mit der Einbindung in ein größeres Schienennetz könnte ein besonders kostengünstiger Betrieb verwirklicht werden. "Wir gehen von rund 1600 Fahrgästen pro Tag aus, die die Strecke nutzen", sagte Ilcken. "Wir könnten die ÖPNV-Nutzung um 470 Fahrten täglich steigern."

Insgesamt würden die Maßnahmen nach derzeitiger Kostenschätzung rund elf Millionen Euro für die 14 Kilometer lange Strecke erfordern, zusätzlich kämen noch die anfallenden Planungskosten hinzu. Darin inbegriffen wäre der Ausbau der teilweise seit rund zwei Jahrzehnten nicht mehr genutzten Gleisanlagen sowie notwendige Arbeiten an den Bahnsteigen. Auch Brücken und Durchlässe müssen saniert werden

Damit das vorgestellte Konzept greift, muss die Lumdatalbahn in ein größeres Schienennetz eingebunden werden – eine Aufgabe für den RMV. Der Landkreis muss die Arbeitssituation und die Wohnbebauung voranbringen, damit auch genügend Anreize zur Nutzung der Strecke geschaffen werden. Und mit dem Land müssen Gespräche geführt werden – denn in einigen Punkten weicht das erstellte Konzept vom standardisierten Verfahren ab. Also noch viel zu tun, bis eine Realisierung der Lumdatalbahn verwirklicht werden kann. Aber wenn alles gut geht, könnte eine Wiederinbetriebnahme der Strecke in den Jahren 2022/2023 durchaus im Rahmen des Möglichen liegen.

Ausnahmslos alle Fraktionen nahmen diese Nachricht positiv auf. Zumindest im Ausschuss sind sich alle einig, dass die Lumdatalbahn eine große Chance für die Entwicklung der Region darstellt. "Wir brauchen die Bahn, um dieses Gebiet attraktiv zu erhalten und attraktiver zu machen", sagte Kurt Hillgärtner (FW), Bürgermeister in Rabenau, zu den Planungen. Als nächster Schritt wird das Gutachten nun fertiggestellt und anschließend von Hessen Mobil bewertet. "Noch im November diesen Jahres, spätestens im Dezember, soll dann ein Spitzengespräch zwischen dem Landkreis, RMV, ZOV und dem Land Hessen stattfinden", sagte Landrätin Anita Schneider auf Nachfrage dieser Zeitung. Dabei muss dann geklärt werden, wie eine Realisierung des Projekts vorangetrieben werden kann.

In dem der Präsentation folgenden Tagesordnungspunkt ging es gleich nochmal um die Lumdatalbahn: Die AfD-Fraktion hatte den Antrag gestellt, die Reaktivierung der Lumdatalbahn auf den Weg zu bringen. Diesem Antrag kam die Koalition aus SPD, Freien Wählern und den Grünen mit einem Initiativantrag zuvor, der zwar sämtliche inhaltliche Punkte des AfD-Antrags übernahm, sie allerdings noch etwas weiter ausführte. Bei vier Enthaltungen der CDU-Fraktion stimmte der Ausschuss dem Initiativantrag zu – was allerdings nicht bedeutet, dass sich die Christdemokraten gegen die Reaktivierung stellen. "Wir sehen bei der derzeitigen Informationslage, besonders für die Kosten, keine Möglichkeit, qualifiziert abzustimmen", erläuterte Christopher Lipp die Haltung seiner Fraktion.

Erleichtert und erfreut reagierte der Fahrgastverband Pro Bahn auf diese Entwicklung: "Ein guter Tag für die Schiene", kommentierte Landesvorsitzender Thomas Kraft aus Lahnau. Der Ball liege nun beim Land Hessen, das das Untersuchungsverfahren schnell zum Abschluss bringen und dann eine Entscheidung über das weitere Vorgehen treffen müsse. Nach dem "ermutigenden Zeichen" seien aber nicht nur Land und Kreis gefordert, auch die Anliegerkommunen sind gefragt, betont Kraft. Sie seien für die örtliche Bauleitplanung sowie die Gestaltung des Umfeldes rund um die Bahnstationen zuständig, Gelder dafür sollten in die Investitionspläne der betroffenen Kommunen eingestellt werden.

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