Spannender Blick zurück

Pohlheim (gdp). Zum Ende der 875-Jahr-Feierlichkeiten von Watzenborn-Steinberg präsentiert der Ortsverein der Heimatsvereinigung Schiffenberg etwas, was den Streit zwischen den im Sommer zusammengekommenen "Akteuren" vergessen lassen könnte. Am heutigen Freitag stellt der Ortsverein mit seinem Vorsitzenden Professor Georg Ehrhardt in der Heimatsstube eine 591-seitige Chronik "875 Jahre Watzenborn-Steinberg" der Presse vor. In einer kleinen Feierstunde, wird auch der Autor des Buches, Walter Damasky, Erläuterungen über die Entstehung dieses Werkes geben, das erstmals tiefe Einblicke in die 875-jährige Ortsgeschichte des größten Pohlheimer Stadtteils mit heute 8300 Einwohnern gewährt. Die rund vier Zentimeter dicke Chronik im Format DIN A4 gibt Einblicke bis zurück in die Vor- und Frühgeschichte der ersten Siedlungen. Im zweiten Kapitel geht Damasky auf die Gerichtsbarkeit der Region ein, die in Garbenteich und Steinbach angesiedelt war.

Die erst in den letzten Jahren vom Autor recherchierten Daten und Dokumente um die Geschichte der ehemaligen Siedlung "Obersteinberg" gibt Einblicke in längst Vergessenes und löst bis dato oft nebulös Erzähltes auf. Auch die Auflösung und Aufteilung der Gemarkung Obersteinberg an die Gemeinden Leihgestern und Watzenborn-Steinberg wird manch einen Zeitgenossen ins Grübeln bringen und erkennen lassen, dass Streitigkeiten um Gut und Besitz oft über Jahrhunderte nachwirken. Dies erklärt auch, warum sich die Leihgesterner und die Watzenborn-Steinberger noch heute gegenseitig die "Hecke" nennen und nie beweisen konnten, wer die "Hecke" tatsächlich sind. Ein weiteres interessantes Kapitel sind die zehn Wassermühlen an Lückebach und Flachsbach. Auch die Mythologien, die sich um das Wasser ranken, finden Erwähnung, genauso wie die technischen Daten um Antriebe und Mahlvorgänge. Auf über 40 Seiten sind die Auswirkungen der Kriege bis 1814 auf die Menschen und die Gemarkung dokumentiert. Dieses besonders traurige Kapitel über den Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) und die Koalitionskriege (1756 bis 1814) dokumentiert die Chronik recht aufschlussreich. Beim durchstöbern über die Geologie von Watzenborn-Steinberg geben Tabellen und Karten oft metergenaue Hinweise auf die Bodenbeschaffenheit. Dies geht von der Entstehungsgeschichte und seine vulkanischen Gesteine, die Klimazonen, Vegetation bis hin zur Nutzung von Basalt, Ton, Kalk, Quarzit, Braunkohle und Eisenstein. Hierzu gehören aber auch die Flurkarten und Lagebezeichnungen. Der größte Teil des Buches beginnt mit den Kulturdenkmälern, zu denen zählen: Jüdischer Friedhof, Alte Kirche, Christuskirche, Schule in der Ludwigstraße und 16 unter Denkmalschutz stehende Häuser und Hofreiten. Dann öffnet sich ab Seite 229 eine Übersicht aller Gebäude und ihrer Besitzer von 1703 bis 1945 nach Flurkarten und Straßen sortiert. In Tabellen mit Angabe der Stockwerke, Wohnflächen, Bewohner, Lagepläne und Objektbilder (neueren Datums) kann der Betrachter Einblick in die Dorf-und Familienentwicklung der letzten 300 Jahre nehmen. Auch das Aufeinanderzuwachsen der beiden Siedlungen "Watzenborn" und "Steinberg" ab 1900 kann anhand der Straßen- und Hausdaten inklusive der Ortskarten bestens nachverfolgt werden. Im Anhang sind der Chronik noch Karten und Luftbilder beigefügt, von denen gar sieben im DIN-A3-Format sind, um Vergangenes besser erkennen zu können. Das Buch (ISBN 978-3-00-053783-7) im 4/4-Farbdruck auf 135-Gramm-Bilderdruckpapier ist zum Jubiläumspreis von 30 Euro bis zum 20. November (ab dann 38 Euro) bei der Stadtverwaltung Pohlheim, Sparkasse Gießen und Volksbank Mittelhessen erhältlich. Zudem ist auch das Watzenborn-Steinberger Familienbuch wieder erhältlich. Beide zusammen sind für 50 Euro erhältlich. Dank dieses tiefgehenden Nachschlagewerks können nun auch zugezogene Bürger erkennen, wo sie hier "gelandet sind".

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