Sonntags nie nach Rabertshausen

  • Rüdiger Soßdorf
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Gießen(so). "Der Nahverkehrsplan für Stadt und Landkreis Gießen sieht bedauerlicherweise nur wenige Verbesserungen vor", sagt Friedhelm Sames. Der Sprecher des Fahrgastbeirates für Stadt und Kreis Gießen hat sich in den vergangenen Monaten kritisch mit dem neuen Plan auseinandergesetzt und macht sich für einen weiteren Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs vor allem auch im ländlichen Raum stark. "ÖPNV endet nicht an der Grenze der Stadt Gießen", sagt Sames mit Verweis auf die Angebote in der Fläche.

Im Infrastrukturausschuss des Kreistags, der am Donnerstag unter Vorsitz von Annette Henkel (SPD) tagte, stellte Sames seinen Jahresbericht zur Diskussion.

Er belegte zugleich mit Beispielen, wo er durchaus noch Luft nach oben sieht: Samstags und sonntags etwa gebe es keine Busverbindung von und nach Rabertshausen, zeigte Sames exemplarisch auf.

Das Dörfchen am Rande der Wetterau im Süden von Hungen ist mit seinen 120 Einwohnern zwar nicht der Nabel der Welt, räumte der engagierte ÖPNV-Streiter ein. Aber auch dort wohnen Steuerzahler. Mit dem Beispiel wollte er deutlich machen, wo es in der Fläche noch hapert. Gut sei, dass ein jeder Kernort einer Großgemeinde auch nach 22 Uhr von Gießen aus noch mit Bus und/oder Bahn erreichbar sei. "Dann komme ich nach dem Theaterbesuch oder der Arbeit im Einzelhandel noch von Gießen nach Grünberg", skizziert er. Aber eben nicht mehr nach Stangenrod. Oder noch bis Hungen - aber eben nicht mehr nach Langd oder Rabertshausen.

Dass zusätzliche Ausbaustufen mit weiteren Kosten verbunden sind, das ist auch Sames klar. "Die Frage ist: Wie viel ÖPNV wollen wir uns leisten?" Und er warb: Mehr Klimaschutz sei nur bei zusätzlichem Ausbau des ÖPNV möglich

Die nachdrücklich vorgebrachte Kritik des Fahrgastbeiratssprechers löste geteilte Reaktionen aus: "Wie viel ÖPNV können wir uns leisten? Das ist doch die Frage!", konterte Matthias Körner aus der SPD-Fraktion und ergänzte: "Es gibt eben Gebiete im ländlichen Raum, da hat die Anbindung mit dem Bus ihre Grenzen."

Christel Gontrum von der CDU-Fraktion sagte: "Wir können es uns leider nicht leisten, alle Wünsche zu erfüllen". Zustimmung erfuhr Sames hingegen von Christian Zuckermann (Grüne) sowie von Kreisausländerbeirat Tim van Slobbe: Es sei die Aufgabe des Beiratssprechers, "den Finger in die Wunde zu legen", sagte der Grüne. Und: "Sames hat recht: Viele Orte sind schlecht angebunden. Wir sollten schauen, wo Verbesserungen möglich sind."

Dabei soll darüber nachgedacht werden, auch die Kommunen stärker mit in die Verantwortung zu nehmen.

Das sehr wohl an Verbesserungen gearbeitet werde, legte Landrätin Anita Schneider (SPD) dar, sie verwies auf die bessere Verknüpfung von Rad- und ÖPV-Angeboten, dem Schnellbus Gießen-Laubach, das Jobticket für die Kreis-Beschäftigten oder die geplanten Reaktivierungen von Lumdatal- und Horlofftalbahn.

Sames hielt daran fest, dass mehr möglich sein sollte: "Ich nehme wahr, dass sich was tut. Ob das ausreichend ist, sei dahingestellt." Ausdrücklich warb er auch für kleinere Bausteine wie etwa barrierefreien Zugang zu Bushaltestellen.

Eine weitere Beratung über diese Thematik erfolgt in der interfraktionellen Arbeitsgruppe ÖPNV des Kreistags. Ausschussvorsitzende Henkel will versuchen, diese noch im Sommer einzuberufen.

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