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Karl-Ernst Schnorr in seinem "Versuchskeller" im elterlichen Haus in Atzbach.

Mit Sonne und Menschenverstand

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Lahnau (sel). Seit Jahrzehnten schon macht sich der Atzbacher Karl-Ernst Schnorr intensiv Gedanken, wie Bioenergie - und damit ist das Licht und die Kraft der Sonne gemeint - nutzbringend für den Menschen angewandt werden kann. Ergebnis seiner Überlegungen sind zahlreiche Innovationen, die sich in der Praxis bewährt haben. Dazu zählen etwa ein Biozellenreaktor-Verfahren zur Kompostierung von Klärschlamm und Hausmüll, ein Rottebox-Verfahren zur Verwertung von Biomasse und Restabfall, ein Trockenstabilat-Verfahren zur Verwertung kommunaler Restabfälle und ein Strahlungs-Temperatur-Generator zur Wärme-Strom-Gewinnung. Nun ist es dem Ingenieur "nach zehn Jahren Arbeit" gelungen, mit einer kleinen Anlage in seinem Keller die auf der Erde eintreffende Sonnenenergie "zu 100 Prozent " zu nutzen. Das klingt angesichts der Tatsache, dass in der Fotovoltaik die eingestrahlten Energiemengen lediglich zu zehn Prozent in Elektrizität umgewandelt werden können, geradezu fantastisch. Nicht so für den mittlerweile 80 Jahre alten Praktiker, der bis 2016 Inhaber eines Ingenieurbüros für Bionik war. Er erläutert in einer ruhigen Art die Zusammenhänge im Allgemeinen und seine neueste Innovation im Besonderen.

Industrie und Institute "blockieren"

So trifft die Strahlungsenergie des Sonnenlichts auf einen Körper, der diese Sonnenenergie reflektiert, sie aufnimmt oder nach einer bestimmten Zeit weitergibt. Den ersten wissenschaftlichen Nachweis über die hierfür benötigte Zeit erbrachte 1841 James Joule, und das nach ihm benannte Joule’sche Gesetz gilt bis heute als Grundvoraussetzung für die Energieumwandlung von Wärme in Elektroenergie. Mit Blick auf die Fotovoltaik, die nur zehn Prozent in Strom umwandele, stellte sich Schnorr die Frage: "Wo bleiben die restlichen 90 Prozent?" Diese Strahlung wird direkt in Wärme umgewandelt, die nicht nur verloren geht, sondern auch das Klima zusätzlich belastet. Das zu verhindern ist Antrieb für den Tüftler. Die Lösung aus dem Keller heißt: "Thermovoltaik". Sie funktioniere im Prinzip wie die Fotovoltaik. "Ich habe Solarzellen und Thermoelementzellen in ihrer Wirkungsweise in einem Verbraucher-Stromkreis so verbunden, dass die Strahlungswärme, die sonst stets verloren geht, in vollem Umfang zur Stromerzeugung beiträgt." Seit Langem sei bekannt, dass beide Zellensysteme die gleichen physikalischen und chemischen Eigenschaften nutzen und sich gegenseitig unterstützen. "Ich hatte nur die Sonne und den normalen Menschenverstand", beschreibt er die Ausgangslage für seine Arbeit. Schnorr hat sein Verfahren an Technischen Hochschulen, Universitäten sowie in der Industrie vorgestellt, die "leider meinen Weg nicht mitgegangen sind". Auch das Fraunhofer-Institut habe "blockiert". Wohl auch aus Gründen der Konkurrenz, weil auch diese renommierte Einrichtung selbst auf gleichem Felde forsche. "Also habe ich meinen kleinen Prototyp selbst zusammengebaut. Und siehe da: Er funktioniert." Und weil die für diese Anlage erforderlichen Systemkomponenten Stand der Technik sowie praxistauglich vorhanden sind, ist die Hardware zur 100-prozentigen Nutzung der Sonnenenergieeinstrahlung schon vorhanden und könnte - eigentlich - in Umsetzung seines Modells großflächig "zur Entwicklung neuer Märkte zur Verfügung stehen", ist er sich sicher.

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