Das Freibad Gleiberger Land gilt als eines der schönsten in der Region. ARCHIVFOTO: JFI
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Das Freibad Gleiberger Land gilt als eines der schönsten in der Region. ARCHIVFOTO: JFI

Solide Zahlen

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Die Freibadsaison ist vor rund drei Wochen zu Ende gegangen. Im Gleiberger Land kommt man mit einem blauen Auge davon. Die Saison begann erst Ende Juni. Die Besucherzahlen waren eher okay.

Die Sonne macht’s: Wenn sie vom Himmel lacht, dann gehen die Menschen auch ins Freibad. Und wenn coronabedingt die Reiselust stark eingebremst ist, dann besinnt sich der eine oder die andere mehr darauf, was man doch an dem heimischen Freibad hat.

Insofern ist die Sommerbilanz im Freibad Gleiberger Land gar nicht mal so schlecht - auch wenn die Badesaison mit deutlicher Verspätung anfing. Öffnet das Bad sonst Mitte Mai, so war es dieses Jahr fast Ende Juni. Denn es galt, ein Hygienekonzept zu erarbeiten und zudem die Vorgaben des Landes zur Infektionsprävention einzuhalten. Profitiert hat das Bad im Gleiberger Land von seinem üppigen Platzangebot. Es gab kaum Einschränkungen. Und die verlängerte Öffnungszeit bis Ende September lockte viele Besucher aus umliegenden Gemeinden in das Freibad.

Zudem waren die Wettenberger fixer unterwegs als beispielsweise der südöstlich gelegene "große Vorort": In Gießen öffnete die Ringallee 14 Tage später als Krofdorf, und die Bäder in den Stadtteilen blieben gleich ganz zu.

Freilich ist die Saison 2020 nicht zu vergleichen mit dem Rekordsommer vor zwei Jahren: 2018, dem ersten der drei heißen Sommer in Folge, wurde im Freibad Gleiberger Land mit mehr als 36 780 Gästen die höchste Zahl der vergangenen zehn Jahre erreicht. Doch es dürften dieses Jahr annähernd 20 000 Badegäste gewesen sein, die sich bis Ende September im Gleiberger Land tummelten. Zum Vergleich: In der Ringallee in Gießen waren es im zurückliegenden Sommer auch nur gerade mal 30 000 Besucher.

Just diese 30 000er-Marke ist für Wettenberg der stets angestrebte Wert. Womit wir wieder bei der Sonne wären und den guten und weniger guten Sommern: 2016 freute sich das Freibad Gleiberger Land über 28 000 Besucher. 2017 nur über 21 000. 2015 waren es 31 130 Gäste, und in dem nasskalten Sommer 2011 kamen nur 15 600 Besucher. Gelitten haben wegen der späten Öffnung die Saison- und Familienkarten: Zwar wurden exakt 12 753 einzelne Eintrittskarten an der Kasse gelöst. Unwesentlich weniger als der Schnitt der letzten fünf Jahre mit 13 100 Karten. "Unter Berücksichtigung der coronabedingten verspäteten Öffnung liegt ein gutes Ergebnis vor", sagt Bürgermeister Thomas Brunner auf Anfrage.

Klarer Einbruch aber bei den Stammkunden: Werden ansonsten im Schnitt bald 350 Saisonkarten und über 130 Familienkarten ausgegeben, so waren es in diesem Jahr nur 176 Saison- und 40 Familienkarten. Weh tut das schon: Die Einnahmen belaufen sich auf rund 47 770 Euro. Im Vorjahr waren es noch rund 79 550 Euro. Das sind aktuell 40 Prozent weniger.

Für den kommenden Winter stehen einige kleinere Arbeiten an, aber keine großen Investitionen. Der immer wieder von Badegästen gewünschten Solarheizung für das Wasser in den Becken, um die Saison zu verlängern oder auch an schlechteren Tagen attraktiv zu sein, erteilt der Bürgermeister erneut eine Absage: Das sei mehrfach geprüft - mit der Erkenntnis: Es würde das Defizit weiter erhöhen, ohne dass nach der Auffassung der Fachleute mehr Gäste zu erwarten sind. Brunner: "Durch den Klimawandel gibt es auch deutlich weniger Hinweise auf kaltes Wasser als noch vor einigen Jahren."

Die Freifläche, auf der einst die (zuletzt schadhafte und dann demontierte) Minigolfanlage war, könnte in ein Soccerfeld umgewandelt werden, sagt Brunner. Entschieden ist da aber noch nichts.

Im Kiosk will die Gemeinde Schönheitsreparaturen durchführen und Mobiliar austauschen. Da der Betreiber durch die verkürzte Öffnungszeit deutliche Umsatzeinbrüche erlitten hat, ist ihm die Gemeinde mit der Pacht entgegengekommen. Brunner dazu: "Wir müssen sehen, ob es 2021 weitergeht."

Der neue Kassenautomat jedenfalls scheint seinen Zweck zu erfüllen. Auch wenn die Badegäste wohl immer noch zuerst schauen, ob das Kassenhäuschen besetzt ist. Laut Auskunft aus dem Rathaus hat sich der neue Kassenautomat in der Praxis bewährt. Rückfragen gab es wohl aber, weil der Automat Banknoten nur betragsabhängig annimmt. Bei einem Einzeleintritt werden beispielsweise nur 5- und 10-Euro-Scheine akzeptiert, Wechselgeld gibt es ohnehin nur in Münzen.

Der Personaleinsatz ließe sich grundsätzlich reduzieren, rechnet der Bürgermeister vor: Der Verkauf eines Einzeleintritts am Automaten inklusive Bezahlvorgang benötigt knapp eine Minute. Es wurde daher angenommen, dass ein Personaleinsatz ab einer Verkaufszahl von 50 Karten pro Stunde erforderlich wäre. Dieser Wert wurde in 87 Stunden der gesamten Saison 2019 überschritten. Als sinnvoll erachtet wird ein verstärkter Personaleinsatz zu Saisonbeginn, zu Ferienbeginn und während des Golden-Oldies-Wochenendes. Für das Beibehalten von Personal spricht für den Bürgermeister aber der Service: zum Beispiel das Öffnen der Nebentür für Kinderwagen, das Ausleihen von Liegen et cetera.

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