Söder oder Laschet?

  • Rüdiger Soßdorf
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Gießen (so/jwr). Söder oder Laschet? Eine Entscheidung solle noch in dieser Woche fallen. Das haben beide potenziellen Kanzlerkandidaten der Union am Dienstag bekundet. Und wie sehen heimische Christdemokraten das, was auf der Berliner Politbühne derzeit geboten wird? Nachgefragt - selbstverständlich ohne jeden Anspruch auf Repräsentativität. Denn nicht jedes gestern kontaktierte CDU-Mitglied mochte sich dazu äußern.

Das »U« im Parteikürzel steht für Union. Das heißt Einigkeit und Geschlossenheit, zeigt sich mancher nicht ganz glücklich über die Personaldebatte, die CDU und CSU derzeit führen. Vor allem die Außenwirkung bereitet Sorge. Muss das sein? Auf dem Höhepunkt der dritten Pandemie-Welle? Gibt es da nicht andere Sorgen? Und auch das Verfahren gefällt nicht jedem.

Eine Abstimmung über einen Kandidaten fände jedenfalls der Heuchelheimer Bürgermeister Lars Burkhard Steinz »nicht schlecht«. Er hätte sich gut eine Mitgliederbefragung vorstellen können, vielleicht in Form einer kleinen, nicht allzu aufwändigen schriftlichen Abstimmung - verbunden mit dem Wunsch, dass die Union danach ganz schnell Geschlossenheit zeigt.

»Ich habe letztes Jahr bereits vor dem Bundesparteitag gesagt, dass mein Wunschkandidat Söder heißt. Der Mann ist kompetent und hat Charisma«, erinnert Christel Gontrum aus Hungen. Die stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende und Chefin der Landfrauen im Kreis Gießen macht keinen Hehl daraus, wo ihre Präferenzen liegen. Und sie unterstreicht: »Wir haben zwei Kandidaten. Das ist für uns als Partei eine sehr gute Geschichte. Schön, dass die Union die Auswahl hat.«

Auch Ursula Häuser aus Linden, lange Jahre schulpolitische Sprecherin der CDU im Kreis Gießen, würde sich persönlich eher für den Bayern positionieren wollen. Sie sieht bei ihm mehr Potenzial und mehr Verbindlichkeit sowie konsequentes Handeln. Wobei sie auch mit einem Kanzlerkandidaten Laschet gut leben könnte: »Beide können führen«. Eine Mitgliederbefragung sieht sie eher skeptisch: »Dafür ist jetzt leider keine Zeit mehr«.

Claus Spandau , der frühere Laubacher Bürgermeister und langjährige Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion, ist nicht begeistert von dem Verfahren, das er mit dem Adjektiv »etwas ungeordnet« kennzeichnet. Es mache wenig Freude, beim Einkaufen darauf angesprochen zu werden. Zumal man ja eine Mitgliederbefragung hätte machen können. Dafür sei es jetzt, Mitte April, fünf Monate vor dem Wahltermin freilich zu spät. Spandau: »Schade«.

Lucas Schmitz , der engagierte Busecker aus der Jungen Union, vermag der Situation erst einmal Positives abzugewinnen: »Megastark, dass wir als Union zwei gute Kanzlerkandidaten haben!« Er sieht zwei gute Aspiranten für das Amt, die in großen Bundesländern erfolgreich regieren. Für Schmitz ist es »ein Zeichen von funktionierenden demokratischen Strukturen, dass sich die Union derzeit in diesem Prozess befindet und die Menschen dies diskutieren«. Wobei auch er sich da ein klareres, transparenteres Verfahren gewünscht hätte.

Wilfried Schmied , Ex-Regierungspräsident und scheidender CDU-Fraktionsvorsitzender in Staufenberg, ist vom »Hin und Her« um die Kanzlerkandidatur wenig begeistert: »Das könnte beiden schaden und heißt nichts Gutes für die kommende Bundestagswahl.« Sein ursprünglicher Favorit, Friedrich Merz, ist längst aus dem Rennen. Wichtig sei, dass jetzt schnell eine Entscheidung falle - zumal die Grünen im Aufwind sind. Schmied nimmt an, dass am Ende nun Laschet antritt. Aber: »Wer es auch wird - er ist danach in gemeinsamem Interesse unvoreingenommen zu unterstützen.«

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