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Energiekrise im Kreis Gießen: Maßnahmenpaket geschnürt - Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung nur ein Punkt

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Von: Rüdiger Soßdorf

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Von Nachabschaltung der Straßenbeleuchtung bis zu hin zu kühleren Sporthallen - das sind die Eckpunkte.

Die Bürgermeister der 18 Städte und Gemeinden im Gießener Land haben sich gestern zusammen mit dem Landkreis für den kommenden Winter auf Eckpunkte zum Energiesparen verständigt. Erarbeitet ist eine lange Liste, wie angesichts explodierende Preise für Gas und Strom und möglicherweise drohender Gasknappheit der Verbrauch heruntergefahren werden kann.

Wohlgemerkt: Es sind Empfehlungen für die Kommunen, keine verbindlichen Vorgaben. Wer was in welchem Umfang umsetzt, das bleibt letztlich der Entscheidung in den einzelnen Rathäusern und Parlamenten vorbehalten. Wobei man vielerorts schon auf dem Weg ist: Staufenberg und Langgöns etwa haben entsprechende Beschlüsse schon gefasst und teils umgesetzt.

Der dickte Brocken, bei dem gespart werden kann, das ist die Straßenbeleuchtung. Deshalb wird die temporäre Nachtabschaltung - oder wenigstens das Dimmen der Laternen - als sinnvoll erachtet. Staufenberg und Buseck machen damit seit Jahren bereits gute Erfahrungen. Langgöns hat dies jetzt ebenfalls beschlossen.

Energiekrise im Kreis Gießen: Lichter an Straßen gehen an vielen Stellen aus

Lediglich an den Hauptstraßen, den Fußgängerüberwegen und bei den Bushaltstellen bleiben die Lichter an - aus Sicherheitsgründen. Staufenberg hat durch die Nachtabschaltung und die teilweise Umstellung auf LED-Beleuchtung den Stromverbrauch in den vergangenen zehn Jahren um fast zwei Drittel reduzieren können, sagt Bürgermeister Peter Gefeller. Er betont: »Kommunen haben eine Vorbildfunktion. Der wollen wir Rechnung tragen und mit gutem Beispiel vorangehen«.

Das kann auch mal eher symbolischer Natur sein: Biebertal etwa hat bereits die Beleuchtung der Ruine Vetzberg abgeschaltet.

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Wie viel darf es denn noch sein? Die Kommunen haben sich auf das Sparen bei der Straßen- und Weihnachtsbeleuchtung (hier in Lang-Göns) verständigt. Etwas weniger bitte, so der Empfehlungskatalog. Es soll wirken, aber nicht wehtun... (Archiv) © Alexander Geck

Bei der Weihnachtsbeleuchtung freilich, einem eher emotional gelagerten Thema, zeigen sich die Rathaus-Chefs aber zurückhaltend: »Wir wolle den Menschen Weihnachten nicht vermiesen«, unterstreicht Lars Burkhard Steinz, der Bürgermeister von Heuchelheim. Für den Advent gibt es die Empfehlung, den Lichterglanz etwas zu reduzieren oder zeitlich zu begrenzen. »Licht aus! Spot an!« Frei nach »Disco 79« mit Ilja Richter? Mitnichten. Weihnachtsbeleuchtung darf sein Aber um 21 Uhr etwa, so die Verabredung, könnten die Sterne und Kugeln aufhören zu leuchten.

Zurückhaltung auch beim warmen Wasser in den Sportstätten: »Eine Lösung wie im Lahn-Dill-Kreis wird es hier nicht geben«, sagt Steinz. Denn dort duschen die Sportler bereits seit dem Frühling nur noch kalt. »Wer möchte, der kann in seinen Sportstätten weiter warmes Wasser anbieten«, so die Empfehlung an die Rathäuser; aber bitte mit reduzierter Temperatur. Ganz heißes Duschen soll nach Möglichkeit vermieden werden. Gleichwohl wird das Wasser weiterhin regelmäßig auf 60 Grad hochgeheizt, um das Risiko von Legionellen auszuschließen. Appelliert wird derweil an die Eigenverantwortung der Sportler, sparsam und kurz zu duschen. In den Turn- und Sporthallen soll die Raumtemperatur allerdings auf 15 Grad abgesenkt werden. »Wer sich bewegt, der kommt damit klar«, sagt Steinz. Heißt aber auch: Für die Sitzgymnastik der Senioren oder den Schachclub wird eine warme Jacke empfohlen.

Energiekrise im Kreis Gießen: Keine Warmbadetage mehr - Verwaltung schließt zwischen den Jahren

Warmbadetage mit 34 Grad Wassertemperatur soll es im kommenden Winter in den öffentlichen Bädern ebenfalls nicht mehr geben. Hier hat man sich auf 26 Grad warmes Wasser verständigt. Ein Schließen von Bädern wird laut dem Sprecher der Bürgermeister derzeit nicht erwogen. »Schwimmsport soll weiter möglich sein«, sagt Steinz.

Ansonsten sollen alle anderen öffentlichen Gebäude - Bürgerhäuser, Verwaltungen, Büchereien et cetera nur auf 19 Grad geheizt werden. Das heiße Wasser wird dort weitgehend abgedreht, wenn dies nicht die Trinkwasserhygiene beeinträchtigt. Ausgenommen sind die Kitas. Da soll es keine Einschränkungen geben. Es bleibt über 20 Grad warm.

Verbannt werden sollen zudem private oder alte Elektrogeräte aus öffentlichen Gebäuden. Die private Kaffeemaschine im Büro etwa oder der antike Kühlschrank in der Turnhalle. Da soll es energiesparende Lösungen geben.

Nicht zuletzt: Alle öffentlichen Verwaltungen werden zwischen Weihnachten und Neujahr komplett geschlossen bleiben, Notdienste der Standesämter zum Beurkunden von Sterbefällen ausgenommen. Wer also vor dem Winterurlaub seinen Pass verlängern will, der sollte sich rechtzeitig vor den Feiertagen darum kümmern. Sonst steht er vor verschlossenen Türen. (Rüdiger Soßdorf)

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