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»Achtung, Aufnahme«: Tontechniker Harald Frimmel zeichnet mit hochempfindlichen Mikrofonen das Orgelspiel von Matthias Willner in der evangelischen Kirche in Daubringen auf.

Bildband entsteht

So klingen Kirchenorgeln im Gießener Land

  • Gabriele Krämer
    vonGabriele Krämer
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Keine Orgel ist wie die andere. Ein ambitioniertes Kirchenmusik-Projekt in den drei Dekanaten Grünberg, Hungen und Kirchberg rückt das »Instrument des Jahres 2021« in den Fokus.

Keine Orgel ist wie die andere; jede ist an die Akustik des Raumes angepasst, in dem sie erklingt. Ein ambitioniertes Kirchenmusik-Projekt in den drei Dekanaten Grünberg, Hungen und Kirchberg rückt das »Instrument des Jahres 2021« in den Fokus.

Hochempfindliche Mikros im Einsatz

Keine Stecknadel darf fallen, wenn Tontechniker Harald Frimmel seine fünf hochempfindlichen Mikrofone zur Empore ausgerichtet hat. Jede kleinste Nuance wird erfasst, sobald der erste Orgelton erklingt. Aufnahm eleiter Henrik Eckl (HNE-Service Hungen) wacht aufmerksam darüber, dass sich kein fremder Ton einschleicht. »Die Handys ausschalten«, mahnt er vorsorglich, so auch am Donnerstagvormittag in der Evangelischen Kirche in Daubringen. Ob sich zur Musik von Organist Matthias Willner nicht doch etwa ein vorwitziges »Klick« einer Reporterinnen-Kamera gemischt hat, das wird sich allerdings erst später im Tonstudio herausstellen.

70 Orgeln in einem Buch

Der Deutsche Musikrat hat die Orgel zum »Instrument des Jahres 2021« ausgerufen. Diese Würdigung und die bevorstehende Fusion der Dekanate sind zwei gute Gründe, um den musikalischen Schatz, den die Orgeln in den Kirchengemeinden darstellen, in seiner ganzen Fülle und Vielfalt zu präsentieren. Selbst die kleinste Orgel kann innerhalb von nur drei Minuten groß rauskommen - auf einem Foto, in einer Video- und in einer Tonaufnahme. In den Dekanaten Grünberg, Hungen und Kirchberg gibt es mehr als 70 Orgeln unterschiedlichen Alters und Größe. Sie werden in Gottesdiensten und Konzerten von hauptamtlichen und nebenamtlichen Organistinnen und Organisten gespielt. Bald sollen sie multimedial seh- und hörbar werden.

Klangbeispiele per QR-Code

Die Idee zu diesem ganz besonderen Bildband stammt von einer Arbeitsgruppe mit den drei Dekanatskantorinnen Anja Martine, Daniela Werner und Beatrix Pauli, den Kirchenmusikerinnen Dorotea Pavone und Ulrike Sgodda-Theiß, dem Licher Marienstiftskantor Christof Becker sowie von Öffentlichkeitsreferentin Dr. Angela Stender.

Die Koordination der Aufnahmetermine haben sich die Dekanatskantorinnen geteilt. Ein professionelles Aufnahmeteam ist seit einigen Tagen unterwegs und fängt die Töne der Orgeln ein. Für die Texte und die »Abteilung Foto« ist Angela Stender im Einsatz; sie wird sich auch um das Layout des umfangreichen Nachschlagewerkes kümmern.

Über QR-Codes im Buch können später die Tonbeispiele oder Videos abgerufen werden. Die Aufnahmen sollen außerdem auf einer DVD zusammengefasst werden.

Fahrrad-Sternfahrt denkbar

Auch eine Wanderausstellung über die Orgelschätze im zukünftigen Dekanat Gießener Land ist angedacht. Zur Eröffnung des Dekanatssitzes im »Schwedendorf« in Grünberg am Samstag, 28. August, kann man sich laut Werner eine Fahrrad-Sternfahrt vorstellen - etwa in Anlehnung an die Orgel-Radtouren der vergangenen Jahre. Zur Feier des Tages möglich wäre alternativ auch ein Truhenorgelkonzert vor der Grünberger Stadtkirche; das alles aber hängt (noch) von der Entwicklung des Pandemiegeschehens ab.

Hörerlebnisse à drei Minuten

Fast alle nebenberuflichen Organistinnen und Organisten haben zugesagt, für das Buchprojekt »ihr« Instrument zu spielen und vorzustellen. Die maximale Spielzeit beträgt drei Minuten - weitere Vorgaben gibt es nicht. Choräle, freie Stücke, romantische Werke - gespielt werden darf, was gefällt. »Viele sind froh, dass ihre Orgel nach einem Jahr fast ohne Präsenzgottesdienste auf diese Weise gewürdigt wird«, sagt die Kirchberger Dekanantskantorin Werner. Sie hat keinen Zweifel: »Das wird uns in diesem Jahr noch ganz schön beschäftigen«. Als Kennerin jedes Instruments in ihrem Dekanat freut sie sich auf die Hörerlebnisse, die die Beiträge aus den beiden anderen Dekanaten versprechen.

»Bonbon« für das neue Dekanat

Anja Martine, Dekanatskantorin im Dekanat Grünberg ist froh, dass die drei Dekanatssynodalvorstände die Finanzierung des Projekts zugesagt haben. »So kann die Kirchenmusik pünktlich zur Fusion einen Beitrag zum Zusammenwachsen im künftigen Dekanat Gießener Land liefern«, unterstreicht ihre Kollegin aus dem Dekanat Hungen, Beatrix Pauli. Alle Beteiligten hoffen nun, dass das fertige Produkt im Rahmen einer Präsenzveranstaltung vorgestellt werden kann - im Idealfall bei Schnittchen und Getränken.

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