Auch öffentlich ausgeschriebene Skatturniere und deren Organisatoren unterliegen Corona-Regeln. Das Archivbild von 2018, weit vor Corona, zeigt den Burg-Gemündener Skatclub "Karlche". ARCHIVFOTO: EVA
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Auch öffentlich ausgeschriebene Skatturniere und deren Organisatoren unterliegen Corona-Regeln. Das Archivbild von 2018, weit vor Corona, zeigt den Burg-Gemündener Skatclub "Karlche". ARCHIVFOTO: EVA

Skat in Zeiten von Corona

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Corona-Auflagen sind nicht gleich Corona-Auflagen. Was muss der Heimatverein beachten, der sein Skatturnier ausrichtet? Woran muss der Radsportverein denken, der ein Mountainbike-Rennen mit mehreren Hundert Sportlern und noch einmal so vielen Zuschauern organisiert? Dr. Lara Stein vom Gesundheitsamt hilft in solchen Fällen weiter.

Dass der Gastronom ein Corona-Hygienekonzept hat und dieses konsequent anwendet, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Genauso der Sportverein für seinen Trainingsbetrieb. Doch die Vielzahl von Festen, Feiern und Veranstaltungen unterschiedlichster Größe und Qualität stellen Organisatoren, Gastgeber und Besucher momentan vor Herausforderungen. Vereine ebenso wie kommerzielle Veranstalter und nicht zuletzt Familien, die einen runden Geburtstag oder eine Hochzeit planen. Was ist noch ein privater Rahmen? Was ist öffentlich? Ab wann ist es eine Großveranstaltung? Antworten auf diese Fragen gibt es in der sogenannten Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung. Der Begriff ist so sperrig, wie das Thema komplex ist.

"Es gibt kein Standardverfahren", sagt Dr. Lara Stein vom Kreisgesundheitsamt. Dort ist die promovierte Veterinärin im Fachgebiet Hygiene zusammen mit einer weiteren Kollegin zentrale Ansprechpartnerin für Veranstaltungen aller Art im Landkreis Gießen, die unter die Corona-Verordnungen fallen. "Jede Veranstaltung ist als Einzelfall zu prüfen", sagt Stein. Und macht zusammen mit Landrätin Anita Schneider deutlich: "Wir wollen als Gesundheitsamt nicht verbieten, sondern Veranstaltungen möglich machen." Aber dabei gelte es, Risiken zu minimieren.

Wie vielschichtig das ist, zeigen einige Beispiele: Die Feier im engsten privaten Kreis, etwa der Geburtstag auf der heimischen Terrasse, ist mit keinen weiteren Auflagen als den allgemeingültigen Corona-Hygienevorgaben versehen.

Etwas anders sieht es schon beim weiter gesteckten privaten Rahmen aus: Etwa der Hochzeitsfeier mit mehr als 100 Gästen. Da kann das gastgebende Brautpaar im Einzelfall nicht mehr nachvollziehen, welcher Gast wie lange auf der Feier war. Da ist dann unbedingt eine Gästeliste zu führen, und es muss ein Hygienekonzept vorliegen und angewandt werden.

Wird die Festivität in Eigenregie beispielsweise in einem Bürgerhaus ausgerichtet, ist der Veranstalter allein dafür verantwortlich. Deshalb haben manche Kommunen - wie Pohlheim - bereits "Stopp" gesagt und vermieten ihre Hallen und Bürgerhäuser derzeit nicht für Familienfeiern. Vertraut man sich alternativ der Gastronomie an, so ist da bereits für ein den Räumlichkeiten entsprechendes Hygienekonzept Sorge getragen.

Bei Großveranstaltungen mit mehr als 250 Teilnehmern ist derweil vom Veranstalter nicht nur ein Hygienekonzept zu erarbeiten und umzusetzen. "Es muss auch vorab vom Kreisgesundheitsamt genehmigt sein", sagt Expertin Stein. Sie rät allen Organisatoren, mit genügend zeitlichem Vorlauf den Kontakt zum Gesundheitsamt zu suchen und Anlass, erwartete Teilnehmerzahl, Örtlichkeiten etc. möglichst genau zu beschreiben: Dazugehören der Lageplan, die Position von Hygienestationen oder aber Ein- und Ausgangsregelungen. Vier bis sechs Wochen Vorlauf sind angesagt. "Wir beraten gerne. Wenn nötig, auch bei Vor-OrtTerminen", sagt Stein.

Als positives Beispiel führt sie den FC Gießen an mit seinen Plänen für Spiele vor Publikum. "Das lief bei allen Beteiligten sehr gut in der Abstimmung." Für das Einhalten der Corona-Bestimmungen sind die kommunalen Ordnungsämter in der Pflicht. Sie haben mit Kontrollen dafür zu sorgen. Auch für sie ist das Gesundheitsamt fachlicher Ansprechpartner.

Aber Stein sagt auch, bei allem nachvollziebaren Interesse eines Veranstalters, sein Event auszurichten: "Der Schutz der Bevölkerung steht für uns an erster Stelle." Ein wirtschaftliches Interesse dürfe nicht über dem Infektionsschutz stehen, sagt Landrätin Schneider.

Schneider will ausdrücklich nicht ausschließen, dass auch bereits genehmigte Veranstaltungen kurzfristig wieder abgesagt werden können, wenn etwa die Infektionszahlen steigen sollten. FOTO: SO

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