Nur noch in Watzenborn-Steinberg gibt es derzeit einen öffentlichen Jugendraum in Pohlheim. FOTO: PM
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Nur noch in Watzenborn-Steinberg gibt es derzeit einen öffentlichen Jugendraum in Pohlheim. FOTO: PM

Sind Jugendzentren Auslaufmodell?

  • vonStefan Schaal
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Wie soll in Pohlheim zukünftig die Jugendarbeit organisiert werden? Diese Frage beschäftigte das Stadtparlament am Donnerstag. Fest steht: Ein Jugendzentrum für alle Stadtteile wird es vorerst nicht geben. Im Parlament kam gar die Frage auf, ob öffentliche Jugendräume überholt sind.

Nur noch einen öffentlichen Jugendraum gibt es derzeit in Pohlheim - in Watzenborn-Steinberg. In den anderen Ortsteilen fällt die Jugendarbeit der Stadt eher mau aus. Ein von der SPD vorgeschlagenes Jugendzentrum für sämtliche Stadtteile unter Leitung eines hauptamtlichen Sozialpädagogen wurde im Stadtparlament nun mit den Stimmen der Mehrheit aus CDU und Freien Wählern abgelehnt. Ein CDU-Vertreter stellte die Frage, ob Jugendzentren nicht ein Auslaufmodell sind.

Jugendräume seien vor 15, 20 Jahren ein Anlaufpunkt gewesen, sagte Malke Aydin (CDU). Derartige Orte seien aber heute für junge Menschen nicht mehr attraktiv. "Ich selbst habe solche Räume eher in schlechter Erinnerung", erklärte Aydin. Jugendliche hätten dort unter anderem Drogen konsumiert. Heute seien digitale Angebote wichtiger.

Aydin stieß auf heftigen Widerspruch. "Wir brauchen pädagogische Ansätze und Orte der Integration neben Vereinen und Schulen", sagte Prof. Ernst-Ulrich Huster von der SPD-Fraktion. Der Sozialwissenschaftler forscht seit Jahrzehnten zum Thema Kinder- und Jugendarmut. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise seien in den vergangenen Jahren die Pflichtausgaben in der Jugendarbeit dramatisch gestiegen, berichtete Huster, "weil in der präventiven Hilfe gespart wird." Jugendzentren seien auch als "Frühwarnsystem" im Umgang mit den Jugendlichen der Stadt wichtig.

"Wir bauen Kindergärten, lassen die jungen Menschen aber anschließend allein", sagte ein weiterer Vertreter der SPD-Fraktion. Er fügte hinzu: "Wer etwas nicht will, findet Gründe. Wer etwas will, findet Wege."

Reimar Stenzel von den Grünen zitierte unterdessen den Bürgermeister: "Die Jugendlichen kommen uns abhanden." Man müsse doch die Frage nach den Gründen stellen. "Die Gefahr ist, dass uns die Jugendlichen noch weiter abhanden kommen."

Das Thema wird die Pohlheimer Parlamentarier in den kommenden Monaten weiter beschäftigen. Pohlheims Jugendpflegerin Elke Leyerer wird im Sozialausschuss die Jugendarbeit der Stadt vorstellen und soll in ihrem Bericht auch den Blick auf die anderen Kommunen im Kreis richten. Dies wurde am Donnerstag im Stadtparlament nach einem Antrag der CDU-Fraktion beschlossen. Außerdem sollen Vertreter der Fraktionen das Gießener Jugendzentrum "Jokus" besuchen.

Bevor man über ein Pohlheimer Jugendzentrum für alle Stadtteile nachdenkt, wolle man sich informieren, sagte Reiner Leidich von der CDU-Fraktion. "Wir wollen erst zuhören. Und feststellen, was es an Angeboten auf Kreisebene gibt." Die bereits bestehende Jugendpflege funktioniere und sei lobenswert. Möglicherweise gebe es Verbesserungsbedarf in der Kinder- und Jugendarbeit, dem wolle man sich nicht verschließen, heißt es außerdem im Antrag der CDU. Das Thema eigne sich nicht für Schnellschüsse.

"Wir müssen uns nicht von anderen Kommunen erklären lassen, wie Jugendarbeit abläuft", erwiderte Dominic Tamme von der SPD-Fraktion. "Wir wissen, dass es einen Bedarf gibt." An zahlreichen Schulen in Hessen gebe es Sozialpädagogen. "Nur nicht in Pohlheim. Stattdessen beschäftigt die Gemeinde freiwillige Polizeihelfer."

"Wir brauchen sozialpädagogische Betreuung vor Ort, die sich um die Jugendlichen kümmert", bekräftigte Horst Biadala (SPD). Simone van Slobbe von der Grünen-Fraktion erklärte, sie sei ihr halbes Berufsleben in der offenen Jugendarbeit aktiv gewesen. "Wenn es ein ernsthaftes Angebot für die Jugendlichen gibt, dann wird das auch angenommen."

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