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Seit Samstag dürfen auch Bowling- und Kegelbahnen den Betrieb wieder aufnehmen. SYMBOLBILD: AdobeStock/Syda Productions

Mit Sicherheit Spaß

Wie sich die Freizeitbranche auf den Neustart einstellt

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Die Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung haben die Freizeitbranche hart getroffen. Zum Neustart berichten Betreiber aus dem Kreis Gießen, wie sie Abstands- und Hygieneregeln einhalten wollen.

Auf den Buschfunk ist oftmals Verlass. Schon im Vorfeld der Konferenz der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch und der Sitzung des hessischen Corona-Kabinetts am Tag darauf hatte Christoph Schwarzer, Inhaber des Magic Bowl in Linden, davon gehört, dass Öffnungsklauseln für die Freizeitbranche beschlossen würden. Und so kam es auch: Seit Samstag darf er seine Bowlingbahn wieder betreiben. Und auch andere Freizeiteinrichtungen sind wieder geöffnet.

"Ich gönne es jedem Kollegen", sagt Schwarzer, der sich zwar bundesweit gleiche Regelungen gewünscht hätte, Lockerungen jedoch prinzipiell für den richtigen Weg hält. "Abstandsgebote und Hygienevorschriften können 1A eingehalten werden", sagt er im Hinblick auf seine Bowlingbahn.

Desinfektionsspender am Eingang, Plexiglas als "Spuckschutz" zwischen Kunden und Mitarbeitern und eine kontaktlose Übergabe der Schuhe hält er für geeignete Maßnahmen. Zudem ist er sich sicher, dass die Verantwortlichen der Betriebe ein großes Interesse daran haben, dass entsprechende Hygieneregeln eingehalten werden.

"Finanziell mit blauem Auge davonkommen"

Seit 39Jahren schon ist Schwarzer selbstständig, neben dem Magic Bowl betreibt er noch eine weitere Bowlingbahn und mehrere Spielhallen. Er sagt, rein finanziell werde er "mit einem blauen Auge davonkommen". Allen, die von der Wiederöffnung noch ausgenommen sind, etwa Diskotheken, müsse finanziell geholfen werden, sagt Schwarzer. Er fordert "zweckgebundene Gelder" und zwar nur "für die Leute, die vorher eine gesunde Geschäftsertragslage hatten".

Auch der Geschäftsführer von LaserPlaza und EscapePlaza in Linden, Alexander Stolz, hatte auf Lockerungen gehofft. Seine Einrichtungen sollen am morgigen Dienstag wieder öffnen. Trotz Rücklagen wäre jeder Tag länger problematisch gewesen. "Da wir zu 90 Prozent Indoor-Aktivitäten anbieten, haben wir sonst immer die Monate Januar bis Mai gebraucht, um Rücklagen für den Sommer aufzubauen." Davon fehlt ihm jetzt die Hälfte.

Mit einem regulären Betrieb aber rechnet Stolz nicht vor September, einen eingeschränkten Ablauf unter den entsprechenden Rahmenbedingungen hält er dennoch für unproblematisch. Dazu setzt er auf die Senkung des Infektionsrisikos durch Mundschutz, die komplette Desinfektion der Spielutensilien und vor allem auf die Kontrolle des Publikumsverkehrs durch Terminvergaben. So könne man gewährleisten, dass sich die einzelnen Gruppen gar nicht begegnen.

"Abstand halten? - Auf der Kartbahn schon immer"

Vor großen finanziellen Sorgen stand in den vergangenen Wochen Michael Janovich, der die Kartbahn in Hungen betreibt und wegen des Coronavirus zwei seiner drei Mitarbeiter entlassen musste. Um die Schließung zu überstehen, bekam er Soforthilfe zugesprochen. In der heutigen Zeit sei es schwer, Rücklagen zu bilden, erzählt er. Wenn man etwas übrig habe, investiere man das in die Firma. Klar, gebe es immer einmal schlechte Monate, die man einplanen müsse. Aber: "Wer rechnet schon damit, dass alle Einnahmen wegfallen?"

Bereits vor Wochen hatte Janovich auf Facebook einen offenen Brief der Kartbahnbetreiber geteilt, in dem sich diese über ihre pauschale Einordnung in den Bereich "Freizeitaktivitäten" beschwert hatten. Er teilt die Argumente: Beim Kartfahren sei ein großer Abstand zwischen den Besuchern vorgesehen, zudem zählten Sturmhauben und Handschuhe zur Standardausrüstung. "Die Hygienevorschriften, die jetzt da draußen gelten, haben wir sowieso schon immer", sagt er

Für die Wiedereröffnung am Samstag war Janovich gewappnet. "Ich hatte mir bereits ein, zwei Tage, bevor wir schließen mussten, ein Konzept ausgedacht und elektrische Desinfektionsspender gekauft, so dass man keinen Hebel drücken muss", erzählt er. Sturmhauben seien sowieso immer Neuware und das Desinfizieren der Helme sei etwas, "das man auch noch hinkriegt". Nun hat er die Halle in verschiedene Stationen unterteilt, um die Einhaltung der Abstandsgebote zu ermöglichen: Anmeldung, Wartezone, Kartfahren, Ausgang. Erst danach dürfen die nächsten in den Fahrbereich.

Auf die Frage, ob die Wiederöffnung überfällig war, hat Janovich eine differenzierte Antwort. "Das kommt darauf an, unter welchem Aspekt man die Schließung angeordnet hat." Wenn es darum gehe, dass die Menschen möglichst zu Hause bleiben sollen, sei es natürlich sinnvoll, Freizeiteinrichtungen zu schließen. Wenn es aber um die Einhaltung von Hygienemaßnahmen gehe, sei es in dieser pauschalen Variante "Quatsch".

Vertraut man dem Urteil der Betreiber, ist die lokale Branche gut gewappnet. Nun geht es vor allem um die Eigenverantwortung der Kunden: Abstand halten und auf die Hygienevorschriften achten - das bleibt oberstes Gebot.

"Ich persönlich sehe bei Einzelhandelsflächen ein höheres Risiko als bei uns", sagt Stolz. "Aber man muss die Kunden auch ein Stück weit dazu anhalten, eigenverantwortlich mit dem Thema umgehen."

Gemäß den Beschlüssen der Landesregierung vom 7. Mai dürfen in Hessen seit Samstag Freizeiteinrichtungen, wie beispielsweise Bowling- und Kegelbahnen, wieder angeboten werden. Auch Kletterhallen, Indoorspielplätze und Turnhallen können öffnen.

Freizeitparks, Fitnessstudios, Spielbanken und Spielhallen hingegen dürfen erst ab Freitag, 15. Mai, wieder in Betrieb genommen werden.

Voraussetzung für die Öffnung einer Einrichtung ist immer, dass ein umfassendes Hygienekonzept vorliegt, Mundschutz getragen wird und der Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen Personen aus unterschiedlichen Haushalten gewährleistet ist.

Schwimmbäder, Thermalbäder, Saunen und ähnliche Einrichtungen bleiben weiterhin geschlossen. Gleiches gilt für Tanzlokale und Diskotheken.

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