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Ministerpräsident Bouffier (l.) nimmt Motorspindeln in Augenschein, Andreas Christ (3. v. l.) erklärt ihm die Funktionsweise.

Bouffier besucht Langgönser Firma

Wenn das Familiäre im Familienbetrieb spürbar wird: Bouffier besucht Langgönser Unternehmen Christ

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Familienunternehmen werden häufig als Kern und Motor der heimischen Wirtschaft hervorgehoben - greifbar sind solche Bezeichnungen eher selten. In Langgöns weihte der Familienbetrieb Christ am Freitag eine 3,5 Millionen Euro teure Halle ein. Emotional wurde es aus einem anderen Grund. Und mittendrin staunte der Ministerpräsident.

Volker Bouffier hält inne und runzelt die Stirn. "Von der Technik hier habe ich keine Ahnung", gesteht er. Vor ihm stehen zylinderförmige Motorspindeln aus Stahl, aufgereiht auf einem Regal. "Aber das beeindruckt mich dann doch", sagt der Ministerpräsident, hebt den rechten Zeigefinger und nennt laut eine Zahl: "0,2 Mü." So präzise, also mit der maximalen Abweichung eines Fünftels eines Tausendstels eines Millimeters, arbeiten die Spindeln, die in Langgöns in der neuen Halle der Firma Christ Feinmechanik stehen.

Erinnerungen an Firmengründer

Familienunternehmen sind der Kern der heimischen Wirtschaft. Auch Bouffier sagt diesen allbekannten Satz am Freitag. Nicht immer sind derartige Bezeichnungen auch greifbar. Während der Langgönser Betrieb aber eine neue, 3,5 Millionen Euro teure Halle einweiht und dies mit seinen Mitarbeitern und Geschäftspartnern feiert, wird das Familiäre, das Persönliche spürbar - insbesondere als Bouffier ans Mikrofon tritt und Worte der Anteilnahme findet.

"Dieser Tag ist nicht einfach für Sie", sagt der Ministerpräsident und erinnert an den vor wenigen Tagen verstorbenen Firmengründer, Karl-Ludwig Christ. Vor 55 Jahren habe dieser das Unternehmen ins Leben gerufen und aufgebaut. Leider erlebe er nun die Einweihung des bedeutsamen Erweiterungsbaus nicht mehr. "Aber seien Sie sicher: Er ist dabei."

Von 45 auf 60 Mitarbeiter in drei Jahren

Familiengeführte Unternehmen, fügt Bouffier hinzu, "besitzen einen Geist, den man nicht verordnen kann." Die Verbundenheit der Geschäftsführung und der Mitarbeiter zum Unternehmen sei enger. "Karl-Ludwig Christ hatte 1964 den Mut zur Selbständigkeit und das Grundvertrauen, das hinzubekommen." Auch die Einweihung der neuen Halle und somit die Vergrößerung der Produktionsstätte von 2000 auf 3300 Quadratmeter sei ein Zeichen von Mut, die Zukunft zu gestalten", sagte Bouffier unter donnerndem Applaus. Aus Landesmittel fließen 600 000 Euro in den Bau.

Die Firma Christ Feinmechanik ist eines von mehreren Familienbetrieben im Kreis, die in den vergangenen Jahren gewachsen sind. 45 Mitarbeiter hatte die Langgönser Firma noch vor drei Jahren. Inzwischen sind es 60. "Großes Kino für unser Unternehmen", sagte der Geschäftsführer, Andreas Christ zur Einweihung der Halle nach einem Jahr an Bauarbeiten. Mit dem Neubau verbessere man nun auch die Abläufe im Unternehmen, erklärt er. "Von der Warenannahme bis zum Versand ist nun alles in einem Fluss." Zudem stehe nun ein moderndes Dreh- und Fräszentrum in der Halle. Beim Bau habe man Probleme wie einen Wasserschaden überwunden. "Es bringt mich selbst zum Staunen."

"Der gute Geist der Familie"

Seine Stimme bricht, als er zu Beginn seinen verstorbenen Vater würdigt - einen Macher, der sein Unternehmen 55 Jahre lang mit großer Leidenschaft führte und sich gleichzeitig aktiv in der Gemeine Langgöns einbrachte.

"Bis vor fünf Wochen war er noch im Betrieb tätig", sagt Andreas Christ. Er habe viel Energie in die Arbeit gesteckt, "hat dabei nie die Familie aus den Augen verloren." Von seinem Vater habe er gelernt, nie aufzugeben, sagt der Geschäftsführer. "Er war der gute Geist der Familie."

Wenig später schlendert Bouffier durch die neue Halle. Derzeit werde viel über das Abflauen der heimischen Wirtschaft gesprochen, sagt er. "Da werden Schreckensszenarien aufgebaut", schimpft der Ministerpräsident. "Ein Scheißdreck." Sicher, die Automobilbranche und der Bereich des Maschinenbaus schwächeln leicht. Man müsse jedoch nur bei einem Familienunternehmen wie Christ Feinmechanik vorbeischauen, um sich der stabilen Familienunternehmen zu vergewissern. "Die wirtschaftliche Lage ist noch immer sehr gut."

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