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"Segensreiche Einrichtung"

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Auf den Tag vor einem Jahr geschah’s, dass ausgerechnet ein Grünen-Politiker mit einem Kleinbus mitten durch Londorfs Burggarten fuhr - und dennoch unbehelligt davonkam. Was auch daran lag: Der Politiker, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, war bald wieder weg, der Neunsitzer aus dem Hause Opel aber blieb.

Damals erst wenige Tage alt, durfte sich der Förderverein "Rabenau - Ehrenamtlich - Aktiv" freuen, wurde ihm doch der Neunsitzer übereignet. Es war dies der erste "Bürgerbus" überhaupt, den Wiesbaden im Rahmen seines Programms "Land hat Zukunft" zur Verfügung gestellt hatte.

Das Betriebs- und Finanzierungskonzept des Vereins hatte offenbar überzeugt. Im Fokus stand und steht dabei das Ansinnen, allen nicht mobilen Menschen den Besuch eines Arztes, eines Marktes oder des Friseurs mit einem Fahrdienst zu erleichtern. Dass dafür im ländlichen Lumdatal mit seinem "weitmaschigen" ÖPNV-Netz Bedarf besteht, war nicht zuletzt beim Seniorencafé zu vernehmen gewesen - mit steigender Frequenz.

Ein Jahr ist seit dem Ministerbesuch vergangen, Zeit für eine Bilanz. Wie Ulrich John als Vorsitzender des Fördervereins belegen kann, wird das Angebot gut angenommen: 11 00 Personen wurden bei 750 Fahrten von A nach B befördert, wobei A in diesem Fall die Wohnadresse meint. Mal geht es nur zum Einkaufen von einem Dorfende zum anderen, mal zum Arzt nach Gießen. 13 500 Kilometer war der Bus insgesamt unterwegs.

Ob nun die fünf, sechs Disponenten, die die telefonischen Aufträge koordinieren, oder die 13 bis 16 Fahrer, die dreimal die Woche sowie bei Sonderfahrten, etwa wenn die Landfrauen das Mathematikum besuchen wollen, hinterm Steuer sitzen - alle versehen ihren Dienst ehrenamtlich. Geht auch gar nicht anders, darf der Bürgerbus doch kein (konkurrierendes) Gewerbe sein, war daher im Vorfeld das Einvernehmen mit dem Verkehrsverbund der Region herzustellen. Die Fahrten kosten denn auch keinen Cent. Und dennoch klappt die Finanzierung? "Ja", antwortet John. Spenden der Fahrgäste, Sponsoren und erhöhte Förderbeiträge von Mitgliedern des Vereins reichten. Auch, um Kfz-Versicherung, Vereinshaftpflicht, Steuer oder Reparaturen zu bezahlen. Sind die Ehrenamtler - das Foto oben zeigt einen Großteil - also wunschlos glücklich? "Gerade Fahrer brauchen wir immer", sagt Ulrich John am Ende des GAZ-Gesprächs. Nicht ohne anzufügen, dass die Resonanz der Geilshäuser und Kesselbacher besser sein könnte. Und schon gar die der Allertshäuser. "Von dort hatten wir noch keinen einzigen Fahrgast." Doch dürfte auch der erste aus "Klein-Marburg" das oft gehörte Urteil von Stammgästen teilen: "Was für eine segensreiche Einrichtung ist doch der Bürgerbus." (tb/Foto: pm)

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