"Es ist schwierig, aber möglich"

  • Nastasja Akchour-Becker
    vonNastasja Akchour-Becker
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Das Festival Sommermusikwelten war die erste größere Veranstaltungsreihe in Lich seit Beginn der Corona-Pandemie. Im Interview zieht Peter Damm vom Kulturverein KünstLich ein Fazit und gibt Antwort darauf, wie sich Kultur auch in Zukunft leben lässt.

Mit den vier Konzerten der Sommermusikwelten fanden erstmals wieder Konzerte in geschlossenen Räumen statt. Abstands- und Hygieneregeln mussten eingehalten werden. Wie kam das beim Publikum an?

Wir waren im Vorfeld skeptisch, ob es funktionieren wird, ob die Leute wirklich kommen, und ob sie ihre Ängste und Befürchtungen überwinden. Aber es ist positiver gelaufen, als wir vorher gedacht haben.

Inwiefern?

Letztendlich waren alle Karten weg, und wir hätten noch mehr Karten verkaufen können. Die Leute waren froh, dass überhaupt wieder Konzerte stattfinden und sie waren auch sehr diszipliniert, haben sich an die Maskenpflicht und die Regeln gehalten. Anders als sonst haben wir alle Konzerte ohne Pause gemacht und vorher und hinterher keine Getränke verkauft, damit die Leute nicht in Grüppchen zusammenstehen. Und auch wenn sie nicht tanzen konnten, herrschte eine super Stimmung. Es ist schon alles schwierig, aber es ist möglich, das haben die Sommer Musik Welten gezeigt.

Auch viele Künstler müssen derzeit auf ihre Einnahmen verzichten. Hat man Erleichterung bei den Musikern erlebt?

Die afrikanische Sängerin Yvonne Mwale, die in Deutschland lebt, hat erzählt, sie hatte im Februar mit der Band ihr letztes Konzert. Und seitdem nichts mehr. Bei Kadri Voorand aus Estland war es unklar, ob sie überhaupt kommen kann, oder ob sie, wenn sie in Deutschland ankommt, in Quarantäne muss. Bis vor ein oder zwei Wochen hätte sie bei der Rückkehr nach Talinn in Quarantäne gemusst. Zudem waren alle anderen Konzerte von ihr in Deutschland schon abgesagt worden. Aber sie wollte unbedingt nach Lich kommen. Sie war glücklich, dass sie überhaupt mal wieder auf der Bühne stehen konnte und sie war vom Publikum begeistert. Das war ein unglaubliches Konzert.

Welche Pläne gibt es, weiterhin Kulturveranstaltungen in Lich zu ermöglichen?

Generell ist es für die ganze Musikszene und Veranstaltungsbranche eine riesige Katastrophe. Tontechniker und Bühnenarbeiter haben alle ihren Job verloren und können nicht mehr davon leben. Wir von KünstLich machen noch einige Veranstaltungen bis Jahresende. Wir haben im Oktober Belle Mélange an zwei Sonntagen ins Kino Traum-stern eingeladen und das Frauenquartett Allegria für den 8. November. Auch im Rahmen der 9.-November-Reihe werden einige Veranstaltungen stattfinden.

Wie lässt sich das finanziell stemmen?

Auch in Nicht-Corona-Zeiten sind wir bei dem zum Teil hochkarätigen und überregionalen Angebot, was wir in Lich machen, auf Zuschüsse angewiesen.

Das heißt also, die Sommermusikwelten können auch zu normalen Zeiten nicht ohne Zuschüsse stattfinden?

Genau. Ein solches Festival mit so hochkarätigen Musikern lässt sich nicht über den normalen Eintritt finanzieren.

Wer unterstützt KünstLich denn finanziell?

KünstLich bekommt eine Förderung vom Land Hessen. Und auch die Stadt Lich unterstützt uns regelmäßig. Bei den Sommermusikwelten war es der Kultursommer Mittelhessen, der uns unter die Arme gegriffen hat. Und bei den Licher Kulturtagen können wir auch Gelder aus einem Sponsorentopf beantragen. Man kann es aber nicht oft genug sagen: Ohne diese Zuschüsse hätten wir das Programm, das wir so in den vergangenen zehn Jahren in Lich gemacht haben, gar nicht anbieten können. Gerade überregionale Künstler wollen eine feste Gage und nicht wie andere an den Einnahmen beteiligt werden. Das wird natürlich jetzt mit so wenigen Besuchern, mit 50 im Traumstern und mit 40 in der Bezalel-Syagoge, noch viel schwieriger. In dem Umfang wie in den vergangenen Jahren können wir es sicherlich nicht mehr machen.

Normalerweise stehen jedes Jahr im März die Licher Kulturtage auf dem Programm. Welche Planungen gibt es dazu bisher?

Sie werden sicher stattfinden. Wie und unter welchen Umständen, kann ich jetzt noch nicht sagen. Wir haben im Oktober das erste Treffen mit der Kulturwerkstatt, wo wir darüber beraten werden. Wir von KünstLich planen aber auch, Veranstaltungen künftig via Livestream zu übertragen. Dafür haben wir beim Land einen Antrag gestellt.

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