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Ortstermin in der Steinbacher Kirche: Pfarrerin Heike Düver erhält den Bewilligungsbescheid zur Förderung der Orgelsanierung von Matthias Haupt (r.) und Markus Harzenetter (2. v. r.).

Schwergängig, aber wertvoll

  • Lena Karber
    VonLena Karber
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Schon seit längerem ist klar: Die Steinbacher Kirchenorgel soll saniert werden. Doch die evangelische Kirchengemeinde kann die hohen Kosten nicht alleine stemmen. Nun gibt es Unterstützung von der Sparkassen-Kulturstiftung und dem Landesamt für Denkmalpflege, die das besondere Instrument in ihr Orgelförderprogramm aufgenommen haben.

Die Steinbacher Orgel ist fast ebenso alt wie die Kirche, die sie schmückt. 1848, im Jahr der Gebäudefertigstellung von dem Licher Orgelbauer Georg Förster erbaut, kommt sie noch heute auf dutzende Einsätze pro Jahr: bei den sonntäglichen Gottesdiensten sowie bei Hochzeiten und Trauerfeiern, aber auch bei Chorproben und Orgelkonzerten. Da die letzten Arbeiten an dem Instrument viele Jahre zurückliegen - nachweisbar seit 1977 keine mehr - ist seit längerem klar, dass die Steinbacher Orgel einer Restaurierung bedarf. Allerdings kann die evangelische Kirchengemeinde die hohen Kosten von etwa 85 000 Euro nicht alleine stemmen.

Doch nun gibt es gute Nachrichten für alle Fans des Instruments: Die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und das Landesamt für Denkmalpflege übernehmen im Rahmen ihres Orgelförderprogramms jeweils zehn Prozent der Kosten - und bezuschussen das Projekt somit mit insgesamt 17 000 Euro. Damit ist das Steinbacher Instrument die 153. Orgel, die seit dem Beginn des Programms im Jahr 2001 gefördert wird.

Mit schätzungsweise 50 000 Orgeln, 3500 hauptamtlichen Organisten und 400 Orgelbaubetrieben sei »Deutschland vielleicht das Orgel-Land schlechthin«, sagte Matthias Haupt, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen am Donnerstag anlässlich der Übergabe des Bewilligungsbescheides an Pfarrerin Heike Düver. Mit dem Zuschuss wolle man das Engagement vor Ort würdigen.

Fast unverändert seit 1848

Auch Prof. Dr. Markus Harzenetter lobte die rege Beteiligung an dem Termin - und gratulierte den Steinbachern zu ihrer »ausgesprochen hellen, freundlichen und attraktiven Kirche«, in der die Orgel in puncto Baukunst besonders heraussteche. Dr. Bernhard Buchstab, Orgelsachverständiger und Konservator, fügte an, dass die Orgel auch deshalb besonders sei, weil sie im Laufe der Jahrzehnte kaum umgebaut wurde. Abgesehen von dem Einbau von Zinkpfeifen 1919 und der Elektrifizierung seien keine Veränderungen vorgenommen worden, so dass man nichts zurückbauen müsse. Buchstab: »Das macht ihr Instrument so wertvoll.«

Andererseits liegt in Alter und Machart der Orgel auch ein Problem: die Traktur ist äußerst schwergängig. Daher benötige man sehr viel Kraft, um das Instrument zu spielen, erläuterte Martin Müller von der Firma Förster & Nicolaus Orgelbau (Lich), die 1842 vom Erbauer der Steinbacher Orgel gegründet worden war. Normalerweise bewege man mit einem Tastendruck etwa 150 Gramm, doch hier sei es etwa ein Pfund, sagte er. »Das ist abenteuerlich bis gesundheitsgefährdend.«

Dieser systembedingte Makel soll im Rahmen der Renovierung behoben werden. Zudem geht es vorrangig um die Behebung von Trocknungsschäden am Holzpfeifenwerk sowie um eine Anhebung des Winddrucks mit Nachtonation. Aufgrund der Größe des Instruments und der umfangreichen Maßnahmen seien die Kosten sehr hoch, hieß es.

80 Prozent Kosten sind zu stemmen

Da 80 Prozent der Kosten aus anderen Quellen gedeckt werden müssen, hat die Kirchengemeinde vor einiger Zeit eine alte Orgelpfeife aufgestellt, in die Spenden eingeworfen werden können. »Obwohl ich hier Pfarrerin bin, wundere ich mich, wie viele Menschen ein Herz für unsere Orgel haben«, kommentierte Heike Düver die bereits eingegangen Spenden. Manche Leute hätten Geld überwiesen mit der Bemerkung, dass die Orgel sie schon ihr ganzes Leben bei Taufe, Konfirmation und Hochzeit begleite, sagte sie. Dennoch handle es sich um einen Betrag, den man nicht so schnell zusammenhabe. FOTO: LKL

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