Schwere Vorwürfe

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Gießen(pm). Der Kreisvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat mit Unverständnis und Entrüstung auf die Ankündigung von Hessens Kultusminister Alexander Lorz reagiert, dass in den letzten zwei Wochen vor den Sommerferien der Unterricht an den Grundschulen wieder im Regelbetrieb stattfinden soll.

"Die Entscheidung, dass alle bisher geltenden Abstandsregelungen aufgehoben werden, halten wir für unverantwortlich", schrieben die Verantwortlichen der GEW Gießen in einer Pressemitteilung. Sie sehen das Vertrauen in den Kultusminister und seine Verlässlichkeit "einmal mehr zutiefst erschüttert". Lorz habe im Erlass vom 7. Mai geschrieben, dass alle Regelungen einschließlich der Vorgaben zu Gruppengrößen und Abstandsregeln zunächst bis zu den Sommerferien Bestand haben und zugesagt, dass er Eltern, Schülern und Lehrkräften zukünftig rechtzeitig informieren werde. Nun seien beide Aussagen hinfällig.

In den letzten zwei Wochen vor den Sommerferien soll der Unterricht an den Grundschulen wieder im Regelbetrieb stattfinden, alle bisher geltenden Abstandsregelungen werden aufgehoben.

Schüler und Lehrer "Versuchspersonen"

Die GEW erinnert daran, dass die ersten, zweiten und dritten Klassen gerade einmal seit dem 2. Juni überhaupt wieder in der Schule sind und somit erst seit einigen Tagen an die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln herangeführt werden. Und jetzt sollen jene Regeln von einem Tag auf den anderen in der Schule, in Gruppen von bis zu 25 Kindern, die bis zu 5 Stunden in engen, schlecht zu lüftenden Räumen sitzen, nicht mehr gelten? Diese Maßnahme sei Wasser auf die Mühlen derjenigen, die alle bisherigen Vorkehrungen für unsinnig halten, so die GEW Gießen.

Als besonders schwerwiegend sehen die Gewerkschaftler die Sorge, die in den Grundschulkollegien laut wurde, dass Schüler, Lehrkräfte und Eltern als "Versuchspersonen" für die Ausbreitung der Pandemie dienen sollen. "Hier wird mit der Gesundheit von allen an Grundschule beteiligten Personen gespielt. Sollte es zu Infektionen mit dem Coronavirus und schweren Verläufen kommen, sieht die GEW Gießen Minister Lorz als verantwortlich an", heißt es in der Pressemitteilung.

Der Minister verletze aus Sicht der GEW Gießen seine Fürsorgepflicht bewusst, um zu testen, welche Konsequenzen eine Öffnung von Schule haben könne, um dann in den Sommerferien über weitere Maßnahmen entscheiden zu können.

Die GEW Gießen sieht eine demokratisch "nicht verantwortbare Diskriminierung der Schüler und Grundschullehrkräfte" und nennt die Pläne von Lorz ein "Menschenexperiment", das gegen das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit, gegen die Menschenwürde und das Gleichbehandlungsgebot verstoße.

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