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Afrikanische Schweinepest

Schweinepest im Kreis Gießen: Sorgen bei heimischen Bauern

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Die Afrikanische Schweinepest treibt auch den Bauern im Kreis Gießen neue Falten auf die Stirn. Nachgefragt bei einem konventionellen und einem Bio-Betrieb.

Wenige Tage erst ist es her, dass das Virus die deutsch-polnische Grenze überschritt. Ein Spaziergänger folgte seiner Nase und fand am Rande eines Maisfeldes, nahe Bomsdorf im Landkreis Oder-Spree, den Kadaver einer Wildsau. Nicht weiter schlimm, hätte sich nicht der Verdacht bestätigt, dass damit die Afrikanische Schweinepest (ASP) deutschen Boden erreicht haben würde. »Das war absehbar«, sagt Hartmut Lang. Der Kreislandwirt betreibt in Rechtenbach den »Andreashof«. Mit 700 Schweinen einer der größten konventionellen Mastbetriebe in der Region.

Auswirkung auf heimische Höfe

Wiewohl fast 600 Kilometer entfernt, wirkt sich der Seuchen-Ausbruch in Brandenburg doch auch auf die hiesigen Höfe aus. Deutschlands Großschlachtereien geben die Einbußen aufgrund des von Ländern wie China und Südkorea erlassenen Einfuhrverbots rigoros an die Erzeuger weiter.

Das spürt auch der Andreashof. Die ein, zwei heimischen Metzger, die er beliefere, zeigten sich in der Regel zwar kulant, sagt Lang. Die überwiegende Zahl der Tiere aber geht an große Schlachtbetriebe. Die zahlten bereits 20 Cent das Kilo weniger. »Noch«, fügt der Kreislandwirt an. Auch für ihn steht also zu hoffen, dass »Tönnies & Co« nicht weiter auf die Preisbremse drücken.

Schlimmer geht es heute schon den Kollegen am unteren der Ende der Kette. Bauern, die sich auf die Ferkelaufzucht spezialisiert haben, um sie an Mastbetriebe zu verkaufen. »Da gibt es keinen mehr, an den sie den Verlust, die bereits eingebrochenen weitergeben könnten«, sagt Lang.

»Politik kann nicht alles regeln«

Seit Langem bereits, merkt Lang grundsätzlich an, litten viele Nutztierhalter unter den Restriktionen, viele hätten schon aufgegeben. Was ihn jetzt umtreibt: Ertragseinbußen als mittelbare Folge der Schweinepest würden weiteren Höfen den Rest geben. »Die Politik kann nicht alles regeln«, gesteht auch der Rechtenbacher ein. Doch allzu oft treffen sie Entscheidungen am Schreibtisch, ohne Einbeziehung der Praktiker.

Was die Schweinepest angeht: Die Bundespolitik, so die Kritik, nehme zu leichtfertig Entscheidungen in China oder Taiwan hin, die das Marktgeschehen bei uns beeinflussten. Nicht angehen könne etwa, dass man Exportverbote für die ganze Republik statt für die betroffene Region akzeptiere.

Lang teilt die Einschätzung der Tierärztlichen Hochschule Hannover, wonach die Infektionsgefahr für die deutschen Bestände gering sei. »Die Hygienestandards sind bei uns schon hoch.« Höher als dort, wo sich zuletzt ASP ausgebreitet hat - in Osteuropa, wo es noch mehr kleinbäuerliche Strukturen gebe. Diverse Desinfektionsmaßnahmen, keine Besucher im Stall, Schadnagerbekämpfung et cetera.

Landwirtschaft gut gerüstet

Für den Seuchenschutz wird auf dem Andreashof alles getan. Und nicht nur dort: »Unsere Landwirtschaft ist gut gerüstet«, unterstreicht Hartmut Lang, »aber ein blöder Zufall, und irgendein Nutztierbetrieb hat das Virus.« Mittelhessen, merkt er noch an, sei zum Glück mit Schweinezuchtbetrieben dünn besetzt. Mithin gebe es weniger Verkehr zwischen den Höfen, was das Risiko weiter vermindere.

Davon profitiert auch Andreas Kopf, der in Bellersheim eine biologische Ferkelzucht betreibt. Wiewohl also am Ende der Produktionskette, drücken ihn die Sorgen vieler Kollegen, die unter der Exportabhängigkeit leiden, nicht: »Bio-Betriebe sind vom internationalen Markt komplett entkoppelt«, erklärt Kopf. Für seine 300 Ferkel erhält er feste Preise, mit rund 3,60 Euro etwa das Doppelte im Vergleich zu konventionellen Erzeugern.

Kurzfristig macht sich der Bio-Bauer keine allzu großen Sorgen. Aber langfristig, für den Fall, dass die Pest näherkommen sollte, dass Befürchtung zuträfen, wonach sich die Seuche jedes Jahr um 200 Kilometer weiterverbreitet.

Lage noch entspannt

Erreichte die Afrikanische Schweinepest die Region, könnten Veterinärämter - wie vor Jahren bei der Vogelgrippe - Stallhaltung verordnen. Mit dem Aus für die Freilandhaltung wäre vor allem das Aus für das Bio-Zertifikat verbunden. Bliebe schließlich nur die Hoffnung auf eine Ausnahmegenehmigung. Kopf sagt, dass sei schon ein erheblicher Unsicherheitsfaktor.

Noch aber gibt er sich recht entspannt. Auch weil der ASP-Ausbruch vor zwei Jahren etwa in Belgien recht bald wieder unter Kontrolle gewesen sei. »Die Maßnahmen haben gewirkt.« Und auch Kopf beruhigen die Notfallpläne, das gute Vorsorgemanagement in deutschen Landen. FOTO: CON

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