Am Montag geht auch im Kreis Gießen die Schule wieder los. Der Unterrichtsstart stellt die Akteure vor Ort vor enorme Herausforderungen.
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Am Montag geht auch im Kreis Gießen die Schule wieder los. Der Unterrichtsstart stellt die Akteure vor Ort vor enorme Herausforderungen.

Vor Unterrichtsbeginn

Schulstart unter Corona-Bedingungen: So bereiten sich Schulen, Landkreis Gießen und Schulamt vor

Wenn am Montag das neue Schuljahr beginnt, geht es nicht nur um Inhalte, sondern auch um Abstand und Hygiene. Wie gut sehen sich die Akteure im Kreis Gießen für den Neustart gewappnet?

Während die Schüler ihre letzte Ferienwoche genießen, laufen bei den Schulleitungen die Vorbereitungen für den Start ins neue Schuljahr unter Corona-Bedingungen auf Hochtouren. Das gilt auch für die Lollarer Clemens-Brentano-Europaschule (CBES), eine der größten Schulen im Landkreis. »Ich habe die letzten beiden Wochen auch damit verbracht, für Allendorf und Lollar Personal zu beschaffen, der Markt ist wie leergefegt«, sagt CBES-Leiter Andrej Keller, der auch für die Gesamtschule Lumdatal mit zuständig ist.

Personelle Unterstützung für den Unterricht ist nötig, da etliche Lehrer wegen der Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe für den Präsenzunterricht wohl nicht zur Verfügung stehen. Laut Keller fallen in Lollar aber »deutlich unter fünf Prozent« aus. Am Standort Allendorf fehlen immerhin wohl fünf von 25 Kollegen. Auch mittels befristeter Neuanstellungen von Lehrern werde man es schaffen, die Personallücken zu schließen, sagt Keller.

Doch das ist längst nicht die einzige Herausforderung, die es bis zum Schulstart am Montag zu bewältigen gilt. Auch die Einhaltung von Hygienestandards ist dieser Tage ein großes Thema für die Schulleitungen. Sie orientieren sich dabei am Hygieneplan, den das Hessische Kultusministerium vorgelegt hat.

An der CBES in Lollar stehen laut Keller in dieser Woche noch Sitzungen der Schulleitung an, um Details zu klären. Angedacht sei, auf den Schulhöfen kleinere Areale abzustecken, um das Vermischen von Gruppen zu verhindern. Laut Maßgabe des Ministeriums kann im Klassenverband auf die Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern verzichtet werden - wo immer möglich, müsse er aber eingehalten werden.

Neues Schuljahr im Kreis Gießen: Fachunterricht findet statt

Eine Maskenpflicht in den Pausen an der CBES hält Keller noch nicht für ausgeschlossen. Desinfektionsmittel sei an der Schule ausreichend vorhanden, sagt der Schulleiter, damit habe man sich schon im Frühjahr auf dem privaten Markt versorgt.

Im alltäglichen Unterricht sind weiterhin Einschränkungen angesagt: »Singen im Musikunterricht wird es vorerst nicht geben, Sport soll möglichst kontaktlos ablaufen«, erläutert der Lollarer Schulleiter.

Allgemein gelte aber: »Der Fachunterricht findet normal statt.« Das heißt auch: Die Oberstufenschüler in den Stufen zwölf und 13 lernen wieder in unterschiedlichen Kursen. In Stufe elf wird man laut Keller versuchen, die Klassenbindung möglichst einzuhalten.

Nach der schwierigen Phase des E-Learnings von zu Hause gilt es jetzt teils auch, Inhalte nachzuarbeiten. Keller zufolge soll ausgefallener Lernstoff in der Oberstufe nun bis zu den Herbstferien kompensiert werden. Die Abi-Prüfungen begännen 2021 dann erst nach den Osterferien. Unterm Strich ist Keller optimistisch für den Start am Montag, »wir sehen uns gut aufgestellt«. Nun bleibe abzuwarten, ob »vielleicht noch etwas Neues aus dem Ministerium kommt«.

Neues Schuljahr im Kreis Gießen: Mehr Reinigungspersonal

Auch der Landkreis als Schulträger bereitet sich auf den Start ins neue Schuljahr vor. Um den neuen Hygieneanforderungen gerecht zu werden, seien beim Reinigungspersonal 74 Arbeitsverträge mit rund 300 Wochenstunden aufgestockt worden, außerdem habe man 20 neue Kräfte mit etwa 400 Wochenstunden eingestellt, äußert sich die Kreis-Pressestelle. Dies gelte zunächst bis Ende des Jahres.

In Sachen Händedesinfektion geht der Kreis inzwischen davon aus, dass Desinfektionsmittel »für den Normalgebrauch« an Schulen nicht notwendig sind.

»Hier reichen Wasser, Seife und gründliches Händewaschen aus, um das Virus abzutöten«, so die Kreis-Pressestelle. Für »besondere Fälle« habe das Land Schulen mit Desinfektionsmittel ausgestattet. 53 Unterrichtsräume hätten kreisweit keine Waschbecken, für diese Fälle stelle der Landkreis Desinfektionsmittel bereit.

All die Vorsichtsmaßnahmen würden wohl kaum greifen, wenn sich Schüler vor und nach der Schule dann doch in den Bussen drängen. Dazu teilt der Kreis mit: »Solange es möglich ist, werden wir weiter darum bitten, dass das Fahrrad benutzt wird, um die Schulbusse zu entlasten.«

Für die Personalausstattung ist das Staatliche Schulamt Gießen zuständig. Man habe »den Schulanfang umsichtig vorbereitet«, äußert sich Schulamtsleiter Norbert Kissel auf Anfrage, und weiter: »Mit Blick auf die Ressourcen sind wir, nach heutigem Stand, für das kommende Schuljahr gut aufgestellt«. Der Anteil von Lehrern, die nicht für den Präsenzunterricht zur Verfügung stehen, könne »mit dem Abschließen von befristeten Angestelltenverträgen kompensiert werden«.

»Man wird im Laufe der Zeit immer klüger. Es gab keine Blaupause, aber alle haben nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt«, sagt Kissel mit Blick auf bisherige Erfahrungen. Er versichert: »Das auf Sicht fahren hat sich weiterentwickelt, die Gestaltung des neuen Schuljahres wird nicht nur vom Corona-Zufall abhängen.« Es mangle zurzeit nicht an »Umsicht, Ideen und gutem Willen - allerdings auch nicht an Leuten, die im Nachhinein alles besser als die gewusst haben, die derzeit in der Verantwortung stehen«.

Zusatzinfo: Schulen entscheiden über Mund-Nasenschutz

Das Tragen von Mund-Nasenschutz in Schulen regeln die Bundesländer unterschiedlich. In Hessen ist es den Schulleitungen überlassen, dies, zum Beispiel in Pausen, anzuordnen.

»Ich wäre froh, wenn es dazu auf Kreisebene eine einheitliche Regel gäbe«, äußert sich Andrej Keller, Leiter der CBES in Lollar. Keller weiter: »Das müssten Fachleute entscheiden, ich bin kein Virologe«.

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