Schulen erhalten schnelles Netz

  • Jonas Wissner
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20 Schulen in Stadt und Kreis Gießen sollen bis Jahresende mit Glasfaserkabeln angebunden werden. Über die weiteren Pläne für den Ausbau des schnellen Internets wurde gestern informiert, es geht auch um »weiße Flecken«.

Wie wichtig schnelles Internet in Schulen für zeitgemäße Bildung ist, hat der durch die Pandemie erzwungene Umstieg auf das Homeschooling 2020 schlaglichtartig gezeigt: Teils mussten Lehrer zu Hause ihren privaten Internetzugang nutzen, um Schülerinnen und Schüler auf digitalem Weg zu erreichen, weil Schulen unzureichend angebunden sind.

Das soll sich im Landkreis Gießen nun ändern: Bis Ende des Jahres, so der Plan, werden 20 Schulen in Kreis und Stadt Gießen mit Glasfaser bis in die Gebäude versorgt. Laut Kreis werden im Zuge des ersten Bauabschnitts 780 Gebäude mitversorgt. Über diese erste Phase der dritten Stufe des Breitbandausbaus und den weiteren Fahrplan haben die Verantwortlichen gestern bei einem Pressetermin an der Gesamtschule Busecker Tal in Großen-Buseck informiert. Der Bund trägt die Hälfte der für den Breitbandausbau anfallenden Investitionskosten (insgesamt 26 Millionen Euro), 40 Prozent schießt das Land zu. Rechnet man nicht förderfähige Kosten wie Vorab-Studien mit ein, so beläuft sich der Eigenanteil des Landkreises und der Kommunen laut Landrätin Anita Schneider auf etwa 4,6 Millionen Euro. »Ohne diese Hilfe wäre der Ausbau in dieser Breite nicht möglich«, sagte Schneider.

Die Glasfaser-Ausbaustufe soll insgesamt vier Jahre in Anspruch nehmen. Geplant ist laut Kreis, dass in diesem Prozess bis Ende 2022 alle Schulen in Stadt und Kreis Gießen, auch jene in privater Trägerschaft, mit Glasfaser bis ins Haus ausgestattet werden. Außerdem sollen im privaten Bereich die »weißen Flecken«, also jene zwei Prozent der Haushalte, die noch nicht mit Breitbandanschluss versorgt sind, angebunden werden, sofern die Kommunen dies jeweils entschieden haben.

Als Schwellenwert für diese »weißen Flecken« gilt derzeit eine Übertragungsrate von 30 Mbit pro Sekunde. Für die Koordinierung ist die Breitband-Gießen GmbH zuständig.

Die Bedeutung der Anbindung für das Bildungssystem unterstrich die zugeschaltete Hessische Digitalministerin Kristina Sinemus: »Ohne diesen Anschluss würden wir langfristig keine digitale Pädagogik umsetzen können.« Medienkompetenz sei mittlerweile »eine der wichtigsten Schlüsselkompetenzen«, äußerte sich Christopher Lipp bei seinem ersten Schulbesuch als Kreis-Schuldezernent und wies auf 1639 mobile Endgeräte für Lehrer hin, die der Kreis mit Fördermitteln angeschafft habe und die nach den Ferien verteilt würden. Derzeit würden die kreiseigenen Schulen zudem intern neu vernetzt, sodass es WLAN in den Unterrichtsräumen gebe. Welchen Mehrwert schnelles Internet im Schulalltag bieten kann, erläuterte der Busecker Schul-leiter Dieter Maier: Von der Programmierung einer CNC-Werkzeugmaschine in der Arbeitslehre über Kameraufnahmen beim Mikroskopieren in der Biologie bis hin zu Gitarrenkursen per Videokonferenz böten sich viele Möglichkeiten. »Digitales ist nicht alles, aber eine ganz wichtige Ergänzung«, so der Schulleiter.

Den Zuschlag für die dritte Ausbaustufe hat die Telekom erhalten. Am Montag finde die erste Begehung in Buseck statt, auf Dauer würden mehrere Bautrupps an Schulen parallel eingesetzt, sagte Telekom-Vertreter Fuat Dalar auf Nachfrage. Pro Schule dauere der Ausbau mehrere Monate. Begonnen hatte der Vormarsch des schnellen Internets im Kreis vor zehn Jahren. Der damalige technische Stand - Glasfaser bis zu den Kabelverzweigern und von dort Kupferkabel bis in die Gebäude - ist inzwischen allerdings nicht mehr das Maß der Dinge. Die dritte Ausbaustufe habe nun »viel Kraft gekostet«, auch wegen des »komplizierten Ausschreibungsverfahrens«, so die Landrätin im Gespräch, »wir müssen in den Genehmigungsverfahren schneller werden«. Das nächste Ziel ist derweil schon gesteckt: Ausbaustufe vier mit Glasfaser bis in alle Haushalte.

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