Soll beliebter werden: der Schulweg per Rad. FOTO: DPA
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Soll beliebter werden: der Schulweg per Rad. FOTO: DPA

Rad

Mit dem Rad zur Schule? Was sich dafür im Landkreis Gießen ändern muss

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Mit dem Rad zur Schule? In Covid-19-Zeiten eine echte Alternative. Damit dies nach der Krise so bleibt, muss sich aber einiges verbessern.

Schulen haben das Rad als Verkehrsmittel der Wahl im Mai beim langsamen Wiederhochfahren des Präsenzunterrichts propagiert - mit Erfolg: Die Adolf-Reichwein-Schule in Pohlheim belohnte radelnde Schüler gar mit kleinen Präsenten. Es standen auf den Stellplätzen an manchen Tagen zehn Mal mehr Räder als üblich. Mittlerweile gibt es zudem die Initiative "Mit dem Rad zur Schule", die der Landkreis gemeinsam mit einigen Schulen u nd dem ADFC gestartet hat. Einige Kommunen haben bereits zugesagt, das zu flankieren und für mehr Schutz und Sicherheit für Radfahrer insbesondere auf dem Schulweg zu sorgen.

Wozu die Angst vor Ansteckung motiviert, das sollte eigentlich eher die Regel sein - auch in normalen Zeiten. Kann ja klappen - wenn denn die Infrastruktur stimmt. Gibt es Radwege zur Schule? Gibt es für Grundschüler entsprechende Begleitung? Gibt es ordentliche Fahrradständer? Am besten überdachte Abstellmöglichkeiten? Was ist mit Lade-Anschlüssen für E-Bikes?

ADFC bemängelt fehlende Fahrradständer

In all diesen Punkten scheint noch Luft nach oben. Zu diesem Befund kam vor Jahresfrist Jan Fleischhauer vom Gießener ADFC-Vorstand. Der Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs hielt dem Kreis vor, als Schulträger nicht ausreichend für gute Fahrradstellplätze an die 60 Schulen zu sorgen. Ein Vorwurf, den die grüne Bau- und Schuldezernentin Dr. Christiane Schmahl seinerzeit nicht unwidersprochen stehen ließ. Sie verwies auf das Engagement ihres Hauses just beim Bau von Fahrradständern und benannte Schulen in Buseck, Lich, Laubach oder Hungen. Zudem seien weitere Anlagen in Planung.

Was da bislang gemacht wurde und wo weiter nachzulegen ist, das soll jetzt in einer Übersicht vorgelegt werden. Die SPD-Fraktion im Kreistag wartet mit einer Initiative für bessere Fahrradstellplätze an den Schulen im Landkreis auf.

Schutz vor Beschädigungen

"Trockene und vor Diebstahl oder Beschädigung geschützte Fahrräder sind für Eltern und Schüler ein wichtiger Aspekt für den Umstieg auf das Fahrrad", heißt es zur Begründung seitens der Fraktionsvorsitzenden Sabine Scheele-Brenne und Dirk Haas. "Nicht zuletzt durch die Bewegungseinschränkungen während der Corona-Pandemie hat das Fahrrad an Beliebtheit gewonnen, auch als Alternative zu vollen Schulbussen", erkennt man in der SPD. Diesen Aufschwung wolle man nutzen und diese positive Entwicklung weiter fördern.

Vorgelegt werden soll zuerst einmal eine Übersicht, um auf dieser Grundlage gezielt weiterzuarbeiten: Welche Schulen verfügen bereits über geeignete Fahrrad-Stellplätze und welche nicht? Welche sind überdacht? Können Photovoltaik-Anlagen auf diesen Dächern installiert werden? Eventuell, um damit gar E-Bikes zu laden?

Um die Kosten für den Kreis niedrig zu halten, will man sich beim Land und beim Bund um Fördermittel bemühen. Geld jedenfalls ist erstmal noch nicht bereitgestellt - zuerst soll das Kataster vorliegen, um dann zu sehen, was wo nötig ist.

Wobei das Radeln zur Schule immer auch des lokalen Engagement von Eltern und Lehrerin bedarf: Zur Wiesengrundschule in Leihgestern kommen etliche Kinder mit dem Rad, weil es seit Jahren eingeübt und begleitet ist. Aber das ist mit Blick in die Fläche eher die Ausnahme als die Regel.

An vielen Grundschulen wird der sogenannte "Fahrradführerschein" frühestens im Laufe des dritten, zumeist während des vierten Schuljahres absolviert, nachdem Verkehrserziehung und entsprechendes Üben auf dem Stundenplan standen.

Lehrer gegen Radtour zur Schule?

Da wird von den Lehrerinnen und Lehrerin oftmals gar nicht gewünscht, dass die Kinder schon vorher mit dem Rad zur Schule kommen. Stattdessen wird der Schulweg zu Fuß als sicherer erachtet und empfohlen - auch wenn es letztendlich die Entscheidung der Eltern ist, welches Verkehrsmittel für den Schulweg gewählt wird.

"Aus unserer Sicht wäre es Aufgabe der Kreisverwaltung, mit den Schulleitungen zu sprechen und diese zu überzeugen, dass pauschale Empfehlungen, nicht mit dem Rad zur Schule zu kommen, nicht sinnvoll sind", hatte ADFC-Mann Fleischhauer vor Jahresfrist angeregt. Ob dies geschehen ist - und mit welchem Ergebnis, ist noch nicht dargelegt. Auch dazu kann die jetzt neu angestoßene Initiative sicherlich Erkenntnisse bringen.

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