Goetz und Luise Hoffmann sind zurzeit mit dem kleinen Team und ihren Tieren allein auf dem Tannenhof. FOTO: JWR
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Goetz und Luise Hoffmann sind zurzeit mit dem kleinen Team und ihren Tieren allein auf dem Tannenhof. FOTO: JWR

Schulbauernhof ohne Schüler

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Zwei Jahre im Voraus ist der Tannenhof bei Allendorf normalerweise ausgebucht, doch wegen Corona herrscht auf dem Schulbauernhof nun Flaute. Die Betreiber Luise und Goetz Hoffmann setzen auf eine Zusage des Landes - und bleiben trotz der Krise vorsichtig optimistisch.

Eigentlich wären auf dem Tannenhof nun bis zu 30 Kinder unterwegs und würden mit anpacken - in den Ställen, auf der Weide, in der Küche. Doch der Hof zwischen Allendorf und Allertshausen wirkt dieser Tage wie ausgestorben. Das kleine Team ist allein auf weiter Flur - von Kälbern, Schweinen, Hasen & Co. einmal abgesehen.

Vor 20 Jahren hat sich die Familie Hoffmann hier niedergelassen, den idyllisch gelegenen Aussiedlerhof ausgebaut. Luise Hoffmann ist Grundschullehrerin, ihr Mann Goetz Diplom-Agraringenieur. Günstige Voraussetzungen für ihr Konzept, das bislang aufging: Schüler können hier Landwirtschaft hautnah erleben, mitwirken und erfahren, wie ökologisch produzierte Lebensmittel entstehen.

Wie üblich war der Hof über ein, zwei Jahre ausgebucht. Dann kam Mitte März der Corona-Lockdown. "Das war extrem krass", blickt Luise Hoffmann zurück. Eine Gruppe war an jenem Freitag abgereist, am Montag darauf sollte die nächste folgen. Doch dazu kam es nicht mehr.

Aktuell sind alle Klassenfahrten zum Tannenhof bis zu den Herbstferien abgesagt. Die Hoffmanns hoffen, dass sie diese Phase trotzdem finanziell überstehen - auch dank einer Regel, die hier schon lange gilt: "Wir haben relativ hohe Storno-Gebühren und eine lange Storno-Zeit", sagt Goetz Hoffmann. Wer die Buchung in den sechs Monaten vor Antritt zurückzieht, muss trotzdem 80 Prozent der Kosten zahlen. Dass Gruppen absagen, komme auch deshalb fast nie vor. Um kostendeckend zu wirtschaften, sei eine hohe Auslastung der Unterkunft nötig - und ein langer Vorlauf bei der Planung: "Wir können nicht damit kalkulieren, dass Leute einfach mal reservieren und doch nicht kommen", sagt Goetz Hoffmann.

Die Frage ist, ob die Storno-Regeln auch bei einem unvorhersehbaren Ereignis wie dem Lockdown Bestand haben. Das Kultusministerium habe in Aussicht gestellt, ihnen die bisher gültigen Storno-Kosten für nun ausfallende Fahrten zu erstatten, sagen die Hoffmanns. Und sie bauen darauf, dass die Zusage gilt. "Das würde uns bis zu den Herbstferien retten. Es hängt wohl in der juristischen Prüfung", äußert sich Luise Hoffmann.

"Viele Lehrer, die eigentlich kommen wollten, haben hier angerufen, das war sehr traurig", beschreibt sie. Einige kommen seit Jahren hierher, haben das pädagogische Konzept schätzen gelernt. Immerhin wird in den Sommerferien wohl wieder etwas mehr Leben einkehren: Christliche Kinderfreizeiten, die auf dem Schulbauernhof traditionell ebenfalls stattfinden, sollen laut den Hoffmanns auch 2020 möglich sein - mit reduzierten Gruppen und strengen Hygiene- und Abstandregeln.

Um die Zeit ohne Schulklassen zu überbrücken, hat das Ehepaar auch schon darüber nachgedacht, gezielt um Erwachsenen-Gruppen zu werben. "Aber wir haben über die Jahre gemerkt: Unser Ding sind Kinder", sagt Goetz Hoffmann. Einerseits, so sein Eindruck, hielten die kleinen Besucher sich eher an die Regeln. Außerdem sei es schwieriger, bei Erwachsenen gezielt um neue Kunden zu werben als etwa bei Schulen.

Sofern die Kostenerstattung durch das Ministerium kommt, sehen die Hoffmanns den Betrieb nicht grundsätzlich gefährdet.

Trotzdem seien Einbußen deutlich spürbar: Die Mitarbeiterin mit einer halben Stelle ist zurzeit in Kurzarbeit. Einer von zwei Jugendlichen, die hier ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolvieren, habe sich nun umorientiert Für das kommende Jahr habe man bereits zwei FSJler eingestellt - und sie inzwischen informiert, dass der Alltag dann anders als geplant aussehen könnte.

Für das grundsätzliche Konzept des Hofs ist ein siebenköpfiger Trägerverein verantwortlich, Luise Hoffmann ist Vorsitzende. Außerdem existiert ein Förderverein, der etwa bei Anschaffungen unterstützt. Bei einem Jahresbeitrag von 25 Euro und einem überschaubaren Mitgliederkreis hat die Unterstützung aber natürlich Grenzen.

Einige Mitglieder und Unterstützer des Tannenhofs hätten nun zusätzlich gespendet, erzählen die Hoffmanns. Außerdem bringt der Hofladen ein kleines Zubrot (siehe Kasten). "Jeder Tropfen ist jetzt einfach eine Hilfe", sagt Luise Hoffmann. Die von Bund und Ländern auf den Weg gebrachten Förderprogramme hätten dagegen für den Tannenhof "nicht richtig gepasst". Hessen unterstützt Vereine in der Corona-Krise - dies gelte aber nur für den "ideellen Teil", nicht für einen Vereins-Zweckbetrieb wie auf dem Tannenhof, gibt die Vorsitzende zu bedenken.

"Das Ungewisse ist belastend", sagt sie. Nachrichten zu Herbergsbetrieben, Landwirtschaft und Gastronomie müsse man jetzt stets aufmerksam verfolgen. "Aber wir hoffen das Beste", sind sich die Hoffmanns lächelnd einig.

Vor 20 Jahren haben sie aus einem verlassenen Hof eine pädagogische Herberge erschaffen, nun wollen sie auch die Krise meistern. Nächstes Jahr steht das Jubiläum an. Das wollen die beiden dann beim Hoffest feiern. Mit Weggefährten, Unterstützern - und bestimmt auch wieder mit Schülern.

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