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Malen ist eine von vielen Beschäftigungsmöglichkeiten im Rahmen der Nachmittagsbetreuung an Grundschulen. Doch auch wenn Eltern in den vergangenen Wochen pandemiebedingt auf das Angebot verzichteten, mussten sie dafür bezahlen. Viele erwarten die Rückerstattung der Kosten. SYMBOLFOTO: DPA

Schülerbetreuung: Ärger bei Eltern

  • vonChristina Jung
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Wer konnte, sollte seine Kinder in den letzten Wochen zu Hause betreuen. So wollte es die Landesregierung. In den Grundschulen hat das die Mehrheit der Eltern im Kreis getan und den Nachwuchs weder zum Unterricht noch in die Nachmittagsbetreuung geschickt. Zahlen mussten sie für das Pakt-Angebot trotzdem.

Wenn kommende Woche für die 6246 Grundschüler im Landkreis der Wechselunterricht beginnt und damit für sie und ihre Familien wieder etwas mehr Normalität in den Alltag zurückkehrt, dann blicken viele auf zwei lange, harte Monate Homeschooling zurück. Die Landesregierung hatte die Eltern mit Beginn des harten Lockdowns im Dezember dazu aufgerufen, ihren Nachwuchs - wenn irgendwie möglich - zu Hause zu betreuen. Und die Mehrheit der Mütter und Väter im Kreis ist dem gefolgt, schickte die Kinder weder in den Präsenzunterricht noch in die Nachmittagsbetreuung. Doch die Kosten für Letztere mussten sie weiterhin zahlen. Je nach gebuchtem Modell 45 oder 60 Euro pro Monat zuzüglich Essensgeld (31,90 beziehungsweise 52,90 Euro). Den Unmut darüber bekamen nicht selten Elternbeiräte und Schulleitungen zu spüren. »Die Eltern wenden sich in solchen Fällen ja nicht gleich an den Kreis. Wir kriegen doch den Shit- storm ab«, sagt Jürgen Vesely, Leiter der Erich-Kästner-Schule in Lich und zudem stellvertretender Vorsitzender des Interessenverbandes hessischer Schulleiter (IHS).

Während viele Kita-Träger - darunter Kommunen wie Pohlheim, Wettenberg, Heuchelheim und Fernwald - Eltern während der Pandemie von den Gebühren befreien, wenn sie ihren Nachwuchs zu Hause lassen, sieht sich der Schulträger dazu derzeit nicht in der Lage. Das legte die zuständige Dezernentin, Dr. Christiane Schmahl (Grüne), in einem Brief an die Eltern Anfang Februar dar.

Die Begründung: »Grundsätzlich sind wir dazu verpflichtet, das schulische Ganztagsangebot ›Pakt für den Nachmittag‹ personell vorzuhalten, da die hessische Landesregierung keine Schulschließung ausgesprochen hat«, heißt es in dem Schreiben, das der Redaktion vorliegt. Außerdem bestünden rechtskräftige Verträge mit den Eltern, deren Außerkraftsetzung einer politischen Entscheidung des Kreistages bedürfe. Doch der tagt erst wieder nach der Kommunalwahl im Mai.

Auch wenn sie Verständnis dafür haben, dass die Schuldezernentin eine solche Entscheidung nicht alleine treffen kann, empfinden viele Eltern ihre Begründung als Hohn. Weil ihnen seit Monaten ein wahrer Kraftakt abverlangt wird, es von politischer Seite aber immer wieder an Unterstützung mangelt. Weil sie für eine Leistung zahlen müssen, die sie nicht in Anspruch genommen haben. Weil es - wie der Blick auf die Kitas zeigt - auch anders geht.

Warten und hoffen heißt es nun für betroffene Mütter und Väter, die sich in den vergangenen Wochen offenbar auch zahlreich an den Schulträger gewandt und einen Erlass der Betreuungsgebühren gefordert hatten, ebenso wie eine Erstattung der geleisteten Beiträge für die Verpflegung. Immerhin: Das Essensgeld soll nun erstattet werden, wenn auch nur für aufeinanderfolgende und vollständige Monate, wie Schmahl in ihrem Schreiben ausführt.

Was den Erlass der Betreuungsgebühren angeht, stellt die Schuldezernentin in Aussicht, »dass alle Akteure des Landkreises Gießen eine familienfreundliche Klärung des Sachverhaltes anstreben« und man um eine durchdachte und tragfähige Lösung bemüht sein werde, die einerseits den Wünschen der Eltern Rechnung trage und andererseits keine Kündigungen von pädagogischem Personal zur Folge haben müsse.

Vielleicht ist also im Mai mit einer Entscheidung im Sinne der Familien zu rechnen. Ähnlich wie im Frühjahr, als der Kreis den Eltern von Grundschulkindern die Gebühren des »Pakts für den Nachmittag« für die Zeit der coronabedingten Schulschließung erließ, wenn diese das Angebot nicht genutzt hatten. Auch damals hatte der Kreistag erst einen Beschluss fassen müssen. Immerhin ging es um mehr als 300 000 Euro. Laut Jürgen Vesely wird das von den Erziehungsberechtigten auch diesmal erwartet. Es gefalle ihnen zwar nicht, dass sie warten müssten. »Aber sie rechnen damit, dass der Kreistag in ihrem Sinne entscheidet.«

Eltern, die sich aufgrund der aktuellen Corona-Situation in finanziellen Schwierigkeiten befinden, soll schon jetzt geholfen werden, sagt Schmahl: »Nachzuweisende Notlagen können wir im Einzelfall selbstverständlich auch zum jetzigen Zeitpunkt berücksichtigen«.

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