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Ein Schub für die Gemeinschaft

  • vonPatrick Dehnhardt
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Vor zehn Jahren holte Cleeberg den Titel »Dolles Dorf«. Noch heute sind die Erinnerungen an diese Zeit im Ort lebendig. Der größte Gewinn waren jedoch nicht der Goldene Onkel Otto oder die HR-4-Party, sondern der Schub fürs Gemeinschaftsgefühl.

Vor wenigen Tagen wurde der Hessentag 2021 abgesagt. Damit ist unklar, ob es dieses Jahr einen Wettbewerb »Dolles Dorf« geben wird - und ob Dornholzhausen dort den Titel holen kann. Dabei hätte es gerade dieses Jahr Charme, wenn der Titel wieder an den Kleebach gehen würde: Vor zehn Jahren holte sich Cleeberg den »Goldenen Onkel Otto«.

Die Siegerparty am Sportlerheim ist noch lange nicht vergessen. »Die Gemeinschaft zwischen den Menschen und den Vereinen hat sich damals durch diesen Wettbewerb sehr positiv entwickelt«, sagt Ortsvorsteherin Heide Tonhäuser. »Alle hatten das ehrgeizige Ziel, sich bestmöglich zu präsentieren, um am Finale auf dem Hessentag in Oberursel teilzunehmen und den goldenen Onkel Otto mit nach Hause zu nehmen.«

Zunächst ging es erst einmal darum, überhaupt ins Finale zu kommen. Darum wurden Freunde, Familie, Bekannte und Kollegen mobilisiert, um bei der Telefonaktion für Cleeberg abzustimmen. Kaum war dieses Hindernis genommen, wartete jede Menge Arbeit: Ein Spielerteam musste aufgestellt, zudem T-Shirts gedruckt werden. »Wir hatten vorsichtshalber auch T-Shirts für unseren Ministerpräsidenten und HR-Intendant Helmut Reitze drucken lassen«, erinnert sich Thorsten Jung. Er war als damaliger Ortsvorsteher automatisch im Spielerteam, für das gut ein Dutzend Cleeberger gebraucht wurden. »Es fanden sich sehr schnell genügend Leute«, erinnert sich Tonhäuser.

Doch auch der Rest des Dorfs war gefordert: Beim Online-Geschicklichkeitsspiel »Kölkerball« musste versucht werden, einen Ball möglichst lange in der Luft zu halten. Auch gab es ein Telefonvoting.

Alle Finaldörfer bekamen kurz vor dem Hessentag noch einmal Besuch vom Fernsehen: Über 300 Zuschauer erlebten am Feuerwehrhaus mit, wie Madeleine Dreikausen beim Seilspringen während einer Live-Schalte der »Hessenschau« die ersten Punkte für das Finale einsammelte. »Die Aktionen haben teilweise so viele Zuschauer hervorgelockt, dass es Volksfestcharakter hatte«, sagt Tonhäuser.

Doch das richtige Fest kam erst noch: Weit über 200 Cleeberger reisten nach Oberursel zum Finale. Die grünen T-Shirts waren auf dem Hessentag allgegenwärtig. Jung erinnert sich, wie er und seine Mitstreiter hinter den Kulissen Nik P. und Tony Marshall kennenlernten.

Dann musste der damalige Ortsvorsteher ins Rampenlicht: Live sollte er »Kölkerball« spielen. »Geübt hatte ich im Vorfeld genug«, sagt er. »Ich hatte dabei aber leider nicht meinen glücklichsten Moment.« Als sein Ortsvorsteherkollege aus Jesberg auch scheiterte, dann aber einen zweiten Versuch bekam, herrschte an den Fernsehern im heimischen Cleeberg blankes Entsetzen.

Ein Mitspieler schlug hinter der Bühne aus Frust auf einen Verteilerkasten ein. »Als die Jury sich entschied, dieses Spiel aus dem Wettbewerb zu streichen, kam das mir und Cleeberg sehr gelegen«, sagt Jung und grinst.

Danach lief es wie am Schnürchen. Beim Rodeo saß Janosch Baumann fest im Sattel, Rosemarie Schimpf und Hans Krämer zeigten im Quiz ihre Schlagfertigkeit, Sebastian Goth, Benedict Müll und Fabian Lotz dribbelten, was das Zeug hielt, und Katja Jung, Harald Repp und Frank Dreikausen zeigten Teamgeist beim Torspiel. Markus Eckhardt punktete dabei, die Gesichter der Frauenfußballnationalmannschaft zu erkennen.

»Da standen unsere Chancen auf den Sieg schon gut«, erinnert sich Jung. Als Cleeberg dann noch beim Telefonvoting und dem Online-Kölkerball abräumte, war der Sieg nicht mehr zu nehmen. »Den grenzenlosen Jubel werde ich nie vergessen! Das wird mir und vielen anderen in ewiger Erinnerung bleiben.« Ministerpräsident Volker Bouffier ließ sich danach das grüne Cleeberg-T-Shirt überstreifen, HR-Intendant Helmut Reitze verkündete: »Heute sind wir alle Cleeberger.«

Bouffier lud die Sieger damals in die Staatskanzlei ein. Und dann war da noch der Preis: Eine HR4-Discoparty. Seit 1992 hatte es in Cleeberg keine Zeltkirmes mehr gegeben. Dennoch wurden die drei Tage zu einem rauschenden Fest, bei dem auch der Finalkonkurrent Illenhausen und der Vorjahressieger Ibra mitfeierten. »Noch heute bestehen gute Kontakte nach Ibra«, sagt Tonhäuser. Die Einnahmen aus dem Fest flossen in die Dorfnamenschilder an den Häusern, zudem wurden der Taufengel in der evangelischen Kirche und die Burgbeleuchtung mitfinanziert.

Ein noch größerer Gewinn als der »Goldene Onkel Otto« war für das Dorf eines, da sind sich Jung und seine Amtsnachfolgerin Tonhäuser einig: Das Gemeinschaftsgefühl im Dorf erlebte damals einen riesigen Schub.

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