Tierärztin und Pferdefreundin Lisa Keil hat ihren zweiten Roman veröffentlicht. Am Samstag liest sie in Grünberg erstmals daraus vor. FOTO: STEFANIE LATEGAHN
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Tierärztin und Pferdefreundin Lisa Keil hat ihren zweiten Roman veröffentlicht. Am Samstag liest sie in Grünberg erstmals daraus vor. FOTO: STEFANIE LATEGAHN

Die schreibende Tierärztin

  • vonLena Karber
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Eigentlich sollte die Geschichte ein Geschenk für ihre Freundinnen werden, doch dann landete Lisa Keils Roman beim Fischerverlag. Nun ist die Tierärztin halbtags als Autorin tätig und hat im März ihr zweites Buch veröffentlicht. Am Samstag liest sie in Grünberg erstmals daraus vor.

Am liebsten mag Lisa Keil Krimis und Thriller. Oder Bücher, die sich nicht so richtig einordnen lassen, die einen überraschen. Liebesromane hingegen liest die 40-Jährige nicht besonders gerne. "Ich glaube, deswegen habe ich einen geschrieben", sagt sie und lacht. "Ich habe eine Liebesgeschichte geschrieben, wie ich sie selbst gerne lesen würde." Am kommenden Samstag, 15. August, liest sie in Grünberg zum ersten Mal aus ihrem zweiten Roman "Hin und nicht weg".

Eigentlich ist Keil Tierärztin, ihr absoluter Traumjob, wie sie sagt. Doch als ihre beiden Kinder alt genug waren, um zur Tagesmutter zu gehen, entschloss sie sich, nicht zu einer vollen Stelle zurückzukehren. Um genug Zeit für die Familie zu haben - und weil sie gerne etwas Kreatives ausprobieren wollte. "Das war der Anfang von etwas, das mein ganzes Leben ein bisschen über den Haufen geworfen hat", sagt Keil rückblickend.

Die Tierärztin beschloss, einen Roman zu schreiben - als Geschenk für ihre Freundinnen zu Weihnachten. Doch bei einem Schreibseminar ermutigten sie eine Agentin und eine Lektorin dazu, ihren Roman an eine Literaturagentur zu schicken. "Beide haben gesagt, das sei nicht nur für die Freundinnen oder die Schublade", erinnert sich Keil. Trotzdem haderte sie aus Angst vor einer Enttäuschung. "Ich war unschlüssig, weil ich etwas gefunden hatte, das mir guttat und nicht mit Druck und Erwartungen verknüpft war."

Das Schreiben, das spürt man, ist für Keil eine Herzensangelegenheit geworden. "Alles in den Romanen ist ein Teil von mir", sagt sie und erinnert sich an einen der ersten Tipps, den sie erhielt: Schreib, was du kennst. Ihr Instagram-Name "schreibwasduliebst", der gleichzeitig ihr Motto ist, ist davon abgeleitet. "Ich habe alles reingebracht, was mich selbst begeistert und was mir am Herzen liegt", sagt Keil über ihre Romane.

So hat nicht zuletzt Keils 15-jährige Berufserfahrung als Tierärztin die Geschichten geprägt - vor allem in ihrem zweiten Roman, bei dem eine Nebenfigur aus dem ersten ins Zentrum rückt: Rob Schürmann, ein Tierarzt. "Viele, gerade der witzigen oder etwas absurden, Geschichten sind aus meinem Tierarztleben gegriffen", erzählt die Autorin.

Zudem hat Keil versucht, die Dinge, die sie selbst an Romanen oftmals stören, anders zu machen. Das betrifft zum einen das Setting: "Ich habe das Gefühl, dass Romane immer so tun, als könnte Liebe nur in Weltmetropolen und Großstädten oder auf idyllischen Inseln und romantischen Bergdörfchen stattfinden", kritisiert sie. Ihre Geschichten spielen daher "in einem ganz normalen Ort zwischen Groß und Klein".

Das Zweite, woran sich Keil bei Romanen häufig stört, sind die klischeehaften Figuren, insbesondere die männlichen. "Frauen schreiben diese Romane, Frauen lesen diese Romane - wieso wählen wir Männer, die doch eher unsympathisch wirken oder flach bleiben?", fragt sie. "Ich möchte Männer haben, die, wenn sie vom Papier auferstehen würden, immer noch toll und liebenswert, aber auch einzigartig wären."

Der Literaturagentur, der Keil damals nach einigem Zögern ihren ersten Roman zugesendet hat, jedenfalls gefielen ihre Figuren. Sie nahmen das Buch mit zur Buchmesse, und im März vergangenen Jahres erschien Keils erster Roman. Ihr zweiter folgte nur zwölf Monate später - gerade als Corona in Deutschland voll zugeschlagen hatte. "Bücher, die in dieser Zeit erschienen sind, hatten es richtig schwer, aber es hat sich wacker geschlagen", berichtet die Autorin. Trotzdem wäre ohne Pandemie wohl mehr möglich gewesen: "Gerade mein Buch ist mit seinem Cover und seiner Art eins, das man mal eben beim Stöbern in der Buchhandlung mitnimmt oder das gerne am Bahnhof oder am Flughafen für den Urlaub mitgenommen wird", sagt Keil. Das fiel nun alles weg.

Außerdem mussten die zehn geplanten Lesungen abgesagt werden. Das Open-Air-Event in Grünberg ist für Keil und ihr neues Buch daher Premiere. "Ich freue ich mich noch einmal tausendmal mehr auf die Lesung, weil es irgendwie ein bisschen wie ein Neuanfang ist", sagt die Autorin, der der Kreis Gießen keinesfalls fremd ist: Die gebürtige Frankfurterin hat hier fünf Jahre lang studiert, bevor sie nach Nordrhein-Westfalen zog. Und erst kürzlich war Keil mit ihrer Familie drei Tage in Gießen im Urlaub, inklusive Kanu-Tour auf der Lahn. "Es ist schon ein Gefühl von Nachhausekommen, auf eine ganz besondere Art", sagt sie. Die Lesung in Grünberg dürfte also unter einem guten Stern stehen. Keil kann es kaum erwarten: "Irgendwie habe ich das Gefühl, dass dieses Buch - obwohl es schon im März erschienen ist - erst so richtig auf der Welt angekommen ist, wenn ich zum ersten Mal vor Publikum daraus gelesen habe", sagt sie voller Vorfreude.

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