Stephan Hock
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Stephan Hock

"Es ist schrecklich, wie die Bedürftigen leiden"

  • vonChristina Jung
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Gießen/Windhoek(ti). Die Corona-Pandemie hat den Alltag aller auf den Kopf gestellt. Nicht nur hierzulande. An dieser Stelle gewähren Menschen, die aus dem Gießener Land stammen, mittlerweile aber in anderen Ländern eine Heimat gefunden haben, Einblick in ihren neuen Alltag. Heute: Stephan Hock aus Linden, früherer Verleger der MAZ, der seit 2007 nahe Windhoek, der Hauptstadt Namibias, lebt und dort eine Lodge betreibt.

Herr Hock, wie verläuft Ihr Tag normalerweise?

Normalerweise beginnt er mit dem Frühstück für unsere Gäste. Hier werden auch die möglichen Aktivitäten, wie zum Beispiel Wildbeobachtungs- oder Stadtrundfahrten besprochen, die wir gerne für sie organisieren. Die Gäste, die uns an diesem Tag verlassen, können bis zum Abflug bei uns bleiben oder sie checken aus und werden, wenn nötig, zum Flughafen gebracht. Während des Tages checken wieder neue Gäste ein, die es sich bei uns am Pool und in der Anlage gemütlich machen können. Bis zum späten Nachmittag ist der Tag durch die Betreuung der Gäste, den Einkauf frischer Lebensmittel und Büroarbeit geprägt, da die Buchungsanfragen, Buchhaltung und der Kontakt zu den mittlerweile 287 Reiseveranstaltern bewerkstelligt sein wollen. Am Nachmittag geht es in die Küche, um das Vier-Gänge-Menü für das Dinner vorzubereiten. Der Abend ist dann wieder voll unseren Gästen gewidmet. Gespräche und der Erfahrungsaustausch dauern oft bis spät in die Abendstunden.

Und wie sieht Ihr Alltag jetzt aus?

Zurzeit sitzen wir zu Hause fest, da wir nur zum Einkaufen, für Arztbesuche und unter großen Auflagen zum einsamen Sport nach draußen dürfen. Ich selbst habe eine Ausnahmegenehmigung wegen unserer beiden sozialen Projekte - zwei Suppenküchen für Straßenkinder. Die mussten zwar zunächst schließen, seit Montag sind sie aber wieder offen und wir können die Kinder zumindest unter gewissen Auflagen versorgen. Bis dahin hatten wir Essenspakete ausgeteilt. Es ist schrecklich zu sehen, wie diese bedürftigen Familien unter der Corona-Pandemie leiden. Leider können wir nur einen Bruchteil von ihnen erreichen, da uns die finanziellen Mittel fehlen. Das Spendenaufkommen ist bedauerlicherweise zurückgegangen.

Was vermissen Sie am meisten?

Das Kochen für unsere Gäste, da es meine größte Leidenschaft ist.

Was ist positiv?

Ich habe nun sehr viel Zeit, neue Rezepte zu kreieren, um mein Online-Kochbuch www.cookwithstephan.com zu erweitern. Die Einnahmen daraus kommen den Suppenküchen zugute. FOTO: PM

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