Ralf Beck zeigt eines der Fenster, die vor Überschwemmungen schützen sollen. Die Nachfrage nach solchen Systemen sei in den letzten Jahren deutlich angestiegen. FOTO: PAD
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Ralf Beck zeigt eines der Fenster, die vor Überschwemmungen schützen sollen. Die Nachfrage nach solchen Systemen sei in den letzten Jahren deutlich angestiegen. FOTO: PAD

Schotten zum Dichtmachen

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Nach den Unwettern im Kleebachtal rückt der private Hochwasserschutz in den Vordergrund. Die Gemeinde Langgöns informierte nun mit einer Ausstellung über spezielle Fenster und Schotten.

Der Andrang ist riesig: Schon bevor die Ausstellung zum Thema "Mobiler Hochwasserschutz" offiziell beginnt, haben sich über zwei Dutzend Bürger versammelt. Kein Wunder: Nach den Unwettern im Kleebachtal wollen viele Einwohner dafür Sorge tragen, dass nicht noch einmal ihr Haus unter Wasser steht.

Zu der Info-Veranstaltung mit einer Schreinerei aus Obertshausen hatte die Gemeinde Langgöns in Zusammenarbeit mit dem Köl- ner Hochwasser-Kompetenz-Zentrum eingeladen. Ralf Beck erklärte, welche Systeme es gibt, "um alles Wasser, was man nicht haben will", draußen zu halten. In den letzten Jahren sei die Nachfrage nach solchen Systemen deutlich gestiegen. Unter anderem gibt es speziell verstärkte Fenster, die auch anhaltendem Wasserdruck standhalten. Sie kosten ab 600 Euro aufwärts - plus Montage. Dass die Fenster fachgerecht eingebaut werden, ist wichtig: "Es hilft nichts, wenn das Fenster dicht ist, das Wasser dann aber am Rahmen vorbeifließt."

Eine andere finanzielle Hausnummer ist es, eine hochwasserdichte Haus- oder Kellertür einzubauen: Da müsse man mit mindestens 6000 Euro rechnen, sagte der Experte. Zudem müssten sich die Bewohner angewöhnen, dass Fenster und Türen beim Verlassen des Hauses geschlossen werden: "Ein wasserdichtes Fenster nützt nichts, wenn es gekippt ist."

Mit Nachbarn absprechen

Eine Alternative sind mobile Flutschotten. Diese gibt es für Fenster und Türen in Standardmaßen, aber auch für denkmalgeschützte Gebäude oder Garagen. Sie lassen sich leicht und innerhalb weniger Sekunden montieren, indem sie sich in den Rahmen hineinpressen, erklärte Beck. Jedoch können auch diese nur helfen, wenn sie rechtzeitig angebracht werden. Der Experte rät daher dazu, sich mit Nachbarn abzusprechen, wie die Schotten funktionieren, und wo sie gelagert sind. Dann können sie im Notfall schnell angebracht werden.

Einer der Besucher ist Ernst Buberl. Der Niederkleener hatte eigentlich auf eine Bürgerinformationsveranstaltung der Gemeinde zu geplanten Maßnahmen beim Hochwasser- und Starkregenschutz gehofft. Die Kellerfenster an seinem Haus seien bereits abgedichtet, dies habe dafür gesorgt, dass dort das Wasser am 13. Juni lediglich 25 Zentimeter hoch stand. Im Keller stehe eine Pumpe bereit.

Nach der Unwetternacht hat er vor allen Dingen eine Kritik: "Dass ich erst in Wetzlar, Wiesbaden oder Gießen anrufen muss, geht nicht. Da muss einer vor Ort die Entscheidungen treffen." Zudem müsse ein Konzept entwickelt werden, was bei einem erneuten Unwetter wann und wo getan werden muss.

Der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch sagte, dass es zur Frage, ob die Feuer-wehr die Hochwasserrückhaltebecken am Kleebach im Notfall manuell schließen darf, noch keinen neuen Sachstand gibt. Hingegen sei die Arbeit an den Förderkriterien für den Hilfsfonds für Starkregenopfer sowie für die Unterstützung privater Schutzmaßnahmen weit fortgeschritten.

Derzeit forciere die Gemeinde die Vorbereitungen für die Starkregengefahrenanalyse im Einzugsgebiet des Kleebachs. Dazu seien kommende Woche Gespräche mit den Aufsichtsbehörden, aber auch mit den Kommunen Butzbach, Hüttenberg, Pohlheim, Linden, Gießen und Wetzlar geplant. Ziel sei es, die Analyse als interkommunales Projekt auf den Weg zu bringen. Das Projekt würde mit 90 Prozent gefördert werden. Bislang zeigen sich alle Anrainerkommunen gesprächsbereit. Zudem sei eine Bürgerversammlung zum Thema Starkregenschutz geplant.

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