Eine Person in Schutzkleidung hält einem Mann ein Wattestäbchen vor das Gesicht
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Einmal den Mund öffnen, bitte: Schnelltests sollen in der Pandemie mehr Normalität ermöglichen.

»Falsch positiv«

Schnelltest-Auffälligkeit in Fernwald: Testzentren verzichten auf verdächtiges Testmaterial

  • Gabriele Krämer
    vonGabriele Krämer
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Bei Corona-Schnelltests in Fernwald gab es eine ungewöhnlich hohe Zahl an „falsch positiv“-Ergebnissen. Die Ursache bleibt trotz Untersuchungen unklar.

Update vom Montag, 03.05.2021, 10.33 Uhr: Vor zwei Wochen hatte eine ungewöhnliche hohe Anzahl falsch positiver Schnelltests im Testzentrum der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) in der Fernwaldhalle in Steinbach für Aufsehen gesorgt. Die Ursache ist weiter unklar. »Inwiefern das Testmaterial fehlerhaft gewesen ist, kann von unserer Seite nicht abschließend beantwortet werden«, erklärt Miriam Julia Feuerstein, Pressesprecherin der JUH.

Man habe die Restbestände zur weiteren Prüfung an die Herstellerfirma übergeben. Diese habe allerdings keinen »reproduzierbaren Fehler« gefunden. Der Test ist sowohl beim Bundesamt für Medizinprodukte gelistet als auch durch das Paul-Ehrlich-Institut evaluiert worden.

In den Testzentren, die die Johanniter-Unfall-Hilfe Mittelhessen betreibt, wird jenes Produkt seit den Auffälligkeiten in Fernwald nicht mehr verwendet. »Mit den Schnelltests, die seitdem in unseren sechs Testzentren im Landkreis Gießen zum Einsatz kommen, haben wir keinerlei Auffälligkeiten beziehungsweise Fehltestungen zu verzeichnen«, erklärte Feuerstein.

Nach Schnelltest-Auffälligkeit in Fernwald: Mutmaßlich fehlerhaftes Testmaterial genutzt

Erstmeldung vom Dienstag, 20.04.2021, 18.49 Uhr: Fernwald - Es gibt aktuell kein Infektionscluster in Fernwald - jedenfalls keines, das nach einer auffälligen Häufung von positiven Corona-Antigen-Schnelltests am Samstag im Teststandort der Johanniter Unfallhilfe (JUH) in der Fernwaldhalle identifiziert worden sein könnte.

Kreis Gießen: Neuer Schnelltest im Einsatz

Dort hatten an diesem Tag - wie berichtet - gleich 25 von 55 kostenlosen Bürgertests (45 Prozent) einen PCR-Test nach sich gezogen. Auch an der JUH-Teststation »Gießen-Nord« hatte es entsprechende Auffälligkeiten gegeben. Überdies waren JUH-Helfer in Fernwald von einzelnen »Betroffenen« heftig angefeindet und beschimpft worden.

»In diesen beiden Zentren war erstmalig am Samstag ein neuer Antigen-Schnelltest einer Gießener Firma zum Einsatz gekommen, der für die Testung im medizinischen Bereich geeignet, zertifiziert, validiert und auch bereits in der Praxis erprobt ist«, erläuterte JUH-Regionalvorstand Marco Schulte-Lünzum auf Facebook.

Corona in Ferwald: Bislang drei PCR-Tests »positiv«

Die Auswertung der PCR-Tests nahm einige Zeit in Anspruch, weil die Laborarbeit sonntags ruht. Noch am späten Montagabend teilte JUH-Pressesprecherin Miriam Julia Feuerstein mit: »Die PCR-Abstriche konnten das positive Schnelltest-Ergebnis nicht bestätigen, so dass wir von ›falsch positiven‹ Schnelltests ausgehen müssen«.

Nach derzeitigen Erkenntnissen erwiesen sich 31 von insgesamt 39 Tests (in Fernwald und Gießen) nachträglich als »negativ« und nur drei als tatsächlich »positiv«; fünf Befunde stehen noch aus.

Kreis Gießen: Ursachenforschung dauert an

Die jeweiligen Hintergründe, wie es zu den falschen Testergebnissen kommen konnte, müssen indes weiter recherchiert und abgeklärt werden. Feuerstein: »Wir stehen hierzu im Kontakt mit der Gießener Herstellerfirma der Schnelltests, dem Landkreis Gießen sowie dem Gesundheitsamt und werden bis auf Weiteres nur Tests anderer Hersteller verwenden.«

Corona-Tests in Fernwald: Ausdrückliche Entschuldigung

Die Pressesprecherin merkte an, dass es jetzt das falsche Zeichen im gemeinsamen Kampf gegen Corona wäre, generell Schnelltests oder deren Anbieter infrage zu stellen. Um die Bevölkerung weiterhin zu Schnelltests zu motivieren und das Vertrauen in die Teststationen aufrechtzuerhalten, könne zumindest konstatiert werden, dass die Kontrollmechanismen funktionieren - »auch wenn es für die zunächst positiv getesteten Personen bedauerlicherweise einen Tag Ungewissheit bedeutete.«

Schulte-Lünzum äußerte Betroffenheit: »In bester Absicht bieten die Johanniter der Bevölkerung die Möglichkeit zur kostenlosen Bürgertestung als ihren Beitrag zur Bewältigung der Pandemie.« Für die entstandene Verunsicherung entschuldige man sich ausdrücklich.

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