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Seit einigen Tagen bietet das Gesundheitsamt an Schulen im Landkreis kostenlose Corona-Schnelltests an. SYMBOLFOTO: DPA

Schneller impfen, mehr testen

Schulen im Kreis Gießen machen Druck wegen Corona-Impfungen und Teststrategie

  • vonChristina Jung
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Seit Anfang März bietet das Gesundheitsamt an 34 Schulen in Stadt und Kreis Gießen Corona-Tests auf freiwilliger Basis an. Nach den Osterferien soll ein Angebot des Landes kommen. Den Akteuren vor Ort ist das mitunter zu wenig.

Gießen – Es kitzelt etwas in der Nase. Für den einen oder anderen fühlt es sich komisch an, wenn er sich das Wattestäbchen zwei Zentimeter weit einführen soll. Aber: Das tut ja gar nicht weh, stellt so mancher überrascht fest. Seit Anfang März bietet das Gesundheitsamt an den weiterführenden Schulen, Berufs- und Förderschulen in Stadt und Landkreis Gießen kostenlose Corona-Schnelltests an, insgesamt in 34 Einrichtungen. Die Akzeptanz bei Schülern und Lehrern sei groß, sagen Schulleiter. Mancherorts liegt sie bei 50 Prozent, andernorts bei 80 Prozent. Vielfach besteht der Wunsch nach einer Ausdehnung des Angebotes.

Verpflichtende tägliche Tests für Lehrkräfte und Schüler hatte jüngst ein Teil des Kollegiums der Theo-Koch-Schule (TKS) in Grünberg in einem offenen Brief an den Kultusminister gefordert. Unter anderem (die GAZ berichtete). TKS-Schulleiter Jörg Keller, der nicht zu den Unterzeichnern gehört, spricht sich zwar auch für verpflichtende regelmäßige Tests aus. Deren tägliche Abnahme allerdings hält er für utopisch. »Eine Idealvorstellung und logistisch eine enorme Herausforderung.«

Tägliche Corona-Tests an Schulen im Landkreis Gießen: „Nicht leistbar“

Andrej Keller, Leiter der Clemens-Brentano-Schule in Lollar, hält es dagegen mit den Kritikern der TKS: »Das Angebot muss auf jeden Fall ausgebaut werden«, sagt der Befürworter des österreichischen Modells. Am Präsenzunterricht sollte seiner Meinung nach nur teilnehmen dürfen, wer negativ getestet wurde.

Was das Angebot des Gesundheitsamtes angeht, ist eine Ausweitung in diesem Ausmaß nicht denkbar. Die Test-Teams seien bereits jeden Tag im Einsatz, sagt auf GAZ-Anfrage Kreispressesprecherin Louisa Wehlitz. »Jede einzelne Schule täglich aufzusuchen, ist im Augenblick nicht leistbar.«

Insgesamt wurden seitens des Landkreises bisher 10 112 dieser PoC-Antigen-Tests (Stand 19. März) an Schulen vorgenommen. Pro Tag sind neun Teams, bestehend aus vier Personen, im Einsatz. »Sie starten um 6.45 Uhr mit eigenen Schnelltests und kehren normalerweise zwischen 12 und 13 Uhr aus den Schulen zurück«, so Wehlitz. Das Angebot ist zunächst bis zu den Osterferien geplant.

Corona-Tests an Schulen im Landkreis Gießen: Fragezeichen bei den Kleinsten

Für die Zeit danach hat das Land angekündigt, kostenlose Selbsttests zur Verfügung zu stellen. Und zwar für rund 815 000 Schüler, 100 000 Lehrer und weiteres Personal an Schulen. Derzeit werde das Selbsttesten an 20 Pilotschulen erprobt, sagt Philipp Bender, stellvertretender Pressesprecher des Kultusministeriums. An eine Verpflichtung ist allerdings nicht gedacht. Die Tests sollen freiwillig und - wie beim Angebot des Landkreises - nur einmal pro Woche möglich sein.

Vorgenommen werden sollen sie vor Ort, unmittelbar vor Unterrichtsbeginn. Um die korrekte Durchführung zu gewährleisten, will man den Schulen umfangreiches Informationsmaterial zur Verfügung stellen. Bis zum Ende des Schuljahres sollen die »einfach zu handhabenden Laienselbsttests« zur Verfügung stehen.

Mit Blick auf deren Einsatz bei den Kleinsten - das Testangebot des Landes umfasst im Gegensatz zu dem des Landkreises auch die Grundschulen - dürfte aber so mancher Lehrer graue Haare bekommen. Hier fordern Hygiene-Vorgaben wie regelmäßiges Händewaschen oder Maskenpausen ohnehin schon ihren zeitlichen Tribut. Tests würden die Situation wohl weiter verschärfen.

Landkreis Gießen: „Lehrkräfte so schnell wie möglich impfen“

Jürgen Vesely, Leiter der Erich-Kästner-Schule in Lich und stellvertretender Vorsitzender des Interessenverbandes hessischer Schulleiter (IHS), würde Schülertestungen zwar grundsätzlich begrüßen, sieht aber auch Hindernisse, insbesondere den zeitlichen Aufwand. Wer soll die Durchführung begleiten, wer dokumentieren? An Letzteres sei gar nicht gedacht, heißt es aus dem Kultusministerium, und für die Durchführung sollen nicht die Lehrer zuständig sein. Ein Patenkonzept ist im Gespräch, aber noch nicht spruchreif.

Was sein Kollegium angeht, würde Vesely tägliche Testungen befürworten, plädiert aber auch dafür, »alle Lehrkräfte so schnell wie möglich zu impfen«. Diese Haltung vertritt auch Jörg Keller (TKS). »Wenn es irgendwie geht, müssen wir die Schulen offenhalten und dafür das Risiko minimieren. Es muss geimpft werden.« Zwar kommen hier bisher nur die Grund- und Förderschullehrer zum Zug, und damit rund die Hälfte aller Lehrkräfte. Aber: »Wir streben an, dass die Lehrkräfte der weiterführenden Schulen ab April ebenfalls geimpft werden können«, so Bender.

»Je früher, desto besser«, findet auch Alexandra Kuret. Die Leiterin der Gesamtschule Hungen (GesaHu) hat den Eindruck, dass ein Großteil ihres Kollegiums gerne bereit wäre, sich impfen zu lassen. Was die Testungen angeht, plädiert sie mit Blick auf den zeitlichen und logistischen Aufwand für einen Kompromiss. Weil es sich bei den Ergebnissen nur um Momentaufnahmen handelt, »würde ich begrüßen, wenn mehr getestet wird«. Dreimal pro Woche vielleicht. Etwa Montag, Mittwoch, Freitag.

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