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Schneider und Neidel gehen in Stichwahl

  • VonStefan Schaal
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Entscheidung vertagt: Wer in den kommenden sechs Jahren Landrat im Kreis Gießen ist, steht erst in vier Wochen fest. Amtsinhaberin Anita Schneider (SPD) und Herausforderer Peter Neidel (CDU) treten am 24. Oktober in einer Stichwahl gegeneinander an. Die dritte Kandidatin, Kerstin Gromes von den Grünen, ist aus dem Rennen.

Es waren gerade einmal 37 von 289 Wahllokalen im Landkreis ausgezählt, es war noch nicht einmal 20 Uhr, da schaute Kerstin Gromes im Gießener Rathaus auf einen Bildschirm, auf erste Ergebnisse der Landratswahl - und sie ahnte, wie der Wahlabend für sie enden würde. »Wenn man ehrlich ist«, sagte die Kandidatin der Grünen, »ist klar, worauf es hinauslaufen wird.«

Die Stimmen der Landratswahl wurden in den Wahllokalen im Gießener Land als letztes ausgezählt, nach Bundestags- und Bürgermeisterwahlen. Doch sehr früh am Abend wurde deutlich, dass die Entscheidung, wer in den kommenden sechs Jahren Landrat im Kreis Gießen wird, erst in vier Wochen fällt. Amtsinhaberin Anita Schneider (SPD) und der Herausforderer, Gießens Bürgermeister Peter Neidel (CDU), treten am 24. Oktober in einer Stichwahl gegeneinander an.

Schneider kam zu Redaktionsschluss um 0.40 Uhr nach Auszählung von 282 der 289 Wahllokale auf 42,14 Prozent der Stimmen. Sie lag damit deutlich vor Neidel, der zu diesem Zeitpunkt 34,71 Prozent der Stimmen für sich gewonnen hatte. Gromes erzielte 23,15 Prozent - und ist damit aus dem Rennen.

Mit der deutlichen Mehrheit im ersten Wahlgang und einem Vorsprung von 7,4 Prozentpunkten gegenüber Neidel geht Schneider als Favoritin in die Stichwahl. Die Grünen koalieren im Kreistag mit der CDU und geben nach dem Ausscheiden Gromes’ zwar eine Wahlempfehlung für Neidel ab. Ob sich die Wähler daran allerdings orientieren werden, steht auf einem anderen Blatt.

Vier weitere Wochen Wahlkampf stehen somit an. Es gehe in den kommenden Tagen darum, im Gespräch mit den Menschen deutlich zu machen, dass er im Gegensatz zur aktuellen Landrätin die Regierungskoalition im Kreistag hinter sich habe, sagte Neidel am Sonntag. »Politik aus einem Fluss«, fügte er hinzu.

Schneider will sich zum Wahlergebnis unterdessen erst am heutigen Montag äußern. Eine Stichwahl sei allerdings zu erwarten gewesen, sagte sie. Diesmal habe es eben »zwei ernsthafte Gegenkandidaten« gegeben.

Damit erinnerte Schneider an die Entscheidung vor sechs Jahren, als sie bereits im ersten Wahlgang mit 62,1 Prozent in ihrem Amt bestätigt worden war, damals gegen die chancenlosen Gregor Verhoff (CDU) und Sascha Endlicher von den Piraten.

Entscheidend für die Stichwahl dürfte auch werden, inwiefern es Neidel gelingt, in einem bisher eher mauen, vor sich hinplätschernden Wahlkampf punkten zu können. Im Unterschied zu Gromes hatte sich der 52 Jahre alte Heuchelheimer zumindest etwas klarer und offensiver gegen die Amtsinhaberin positioniert.

Während Schneider Digitalisierung als eines ihrer Steckenpferde bezeichnet und erklärt, an einem »Masterplan« mit dem Ziel zu arbeiten, »einen Glasfaseranschluss in jedem Haus zu haben«, erklärt Neidel, gerade in der Digitalisierung beispielsweise bei den Schulen sei der Landkreis deutlich zu langsam. »Wir müssten da schon viel weiter sein«, sagt Neidel, der sich außerdem verstärkt für Neubauten statt Sanierungen von Schulgebäuden im Kreis ausspricht.

Entspannt wirkte derweil am Sonntagabend die unterlegene Gromes. Solange sie über dem Bundestrend der Grünen von 14,6 Prozent liege, sei sie mit ihrem Ergebnis zufrieden, sagte sie. Gerade in Corona-Zeiten hätten die Grünen es schwer, »weil wir Veränderung wollen und ein Großteil der Menschen das derzeit nicht will«, glaubt sie. Sie haben nun Zeit, sich um das vor vier Wochen geborene Enkelkind zu kümmern, sagte die Schulamtsdirektorin. Dann fügte sie hinzu: »Vor dem Hintergrund ist es besser, ich bin jetzt ausgeschieden als erst in vier Wochen.«

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