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Schmuckschildkröte

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Exotische Schildkröten, die Privathalter einst ausgesetzt haben, sind heute zum Teil Gewinner des Klimawandels in diesen Gefilden. Die Schmuckschildkröte (Bild unten rechts) zum Beispiel kommt mit langen heißen Perioden gut zurecht, da sie ursprünglich aus dem Süden Nordamerikas stammt. Man findet sie an der Lahn und im Schwanenteich. "Durch die milden Winter hat sie zunehmend bessere Überlebensmöglichkeiten", erklärt Experte Ziemek.

Die Schmuckschildkröten stehen ebenfalls auf der Unionsliste und dürfen nicht mehr gehandelt, importiert oder nachgezüchtet werden.

Ihr eilt ein eher bösartiger Ruf voraus: Das Weibchen frisst während der Paarung ihren Partner auf. Allerdings tut sie das in der Regel dann, wenn es der Gottesanbeterin (Bild unten links) an Nahrung mangelt oder sie sich bedroht fühlt. "Für Menschen ist sie nicht gefährlich", betont der Biologie-Didaktiker Prof. Hans-Peter Ziemek. "Sie sehen nur martialisch aus, Weibchen werden bis zu zwölf Zentimeter lang."

Sie ist vor allem im Mittelmeerraum beheimatet. Bis heute gilt die Gottesanbeterin hier als bedrohte Art. Dies könnte sich ändern, denn durch das wärmere Klima wird diese besondere Art der Fangschrecken zunehmend in diesen Gefilden heimisch. 2004 erreichte sie Hessen. Seitdem lebt die Gottesanbeterin dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie zufolge in dieser Region. Aktuell gibt es 2019 für Hessen so viele Entdeckungen der Gottesanbeterin wie noch nie innerhalb eines Jahres - die bisher nördlichste in Bad Vilbel in der Wetterau. Im Gießener Kreisgebiet gebe es noch keinen Nachweis. "Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis sie bei uns angekommen sein wird", sagt Ziemek.

Die Zauneidechse (Bild oben links) wird sich auch angesichts des Klimawandels in der Region vermehren, ist sich Experte Ziemek sicher. "Wir dachten, sie sterben hier aus", sagt er. Durch Katzen sei die Zahl der Tiere in den vergangenen Jahrzehnten stark dezimiert worden.

Eine größere Vermehrungsrate kann auch bei Schlangenarten wie der Ringel- und der Schlingnatter erwartet werden. "Eine Art wird aber riesige Probleme bekommen: die Kreuzotter." Die möge es kühler. Sie kommt in Hessen auch nur noch im südöstlichen Teil vor.

Die Entwicklung ist eher unauffällig: Die Mönchsgrasmücken (Bild oben, 2. von rechts), die in England überwintern und nicht mehr weit in den Süden ziehen, sind Gewinner des Klimawandels. "Sie verbringen den Winter in Südengland im milden Klima und kommen dort wunderbar durch den Winter", erzählt der Biologiedidaktiker Ziemek.

Die Mönchsgrasmücken seien im Frühjahr dann früher zurück in der Gießener Region, "sie besetzten dann hier die Reviere - ein großer Vorteil zu den Grasmücken, die einen langen Weg zurückgelegt haben und hier dann schon geschwächt ankommen." Eine Entwicklung, die laut Ziemek auch bei Störchen anstehen könnte. Es sei zu erwarten, dass sie in den kommenden Jahrzehnten auch ganzjährig hier bleiben könnten.

Der Gießener Experte Ziemek beschäftigt sich in seinen Forschungen insbesondere mit den klimasensitiven Feuersalamandern (Bild oben rechts). Diese, befürchtet er, könnten zu den Verlierern der Erwärmung zählen. In Laubach beispielsweise seien sie durch das Austrocknen von Bachläufen bedroht, berichtet er. "Es könnte sein, dass wir in der Region bald keine jungen Feuersalamander mehr haben."

Die Tiere seien sehr langlebig. Laut Ziemek ist es möglich, dass man erst in zehn Jahren feststelle, "dass auf einen Schlag die alten Tiere sterben und keine jungen mehr da sind." Problematisch sei unterdessen vor allem die Ausbreitung eines Hautpilzes, der sich aus Südostasien verbreite und der Feuersalamander stark gefährde. In der Niederlanden und in Belgien seien die Bestände dadurch inzwischen ausgestorben. Im Gießener Kreisgebiet sei der Pilzbefall noch nicht entdeckt worden, allerdings "nur einen Steinwurf entfernt in Witten". Möglicherweise sei auch der Klimawandel für die Entwicklung verantwortlich, "die Tiere sind vielleicht durch die Erwärmung nicht mehr so fit." Gleichzeitig allerdings sterbe der Hautpilz bei Temperaturen über 30 Grad.

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