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Klassisches Beispiel des Miteinanders: Die HSG Wettenberg nutzt für ihre Sport- und Freizeitangebote (hier bei einem Spielfest) die Schulsporthalle, die der Kreis bereitstellt.

Sportstätten

Ein schlanker Plan

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Wie entwickeln sich die Sportstätten im Kreis? Reichen Hallen und Fußballplätze aus? Wo gibt es Bedarf? Ein Konzept soll Antworten geben. Doch es fällt schlanker aus als erwartet.

Gießen (so). "Das sind sehr viele Zahlen und nur einige wenige allgemeine Hinweise. Ich vermisse das eigentliche Konzept!" Wolfgang Greilich ist nicht so recht zufrieden mit dem 46-seitigen Papier, das unter dem Titel "Sportstätten-Entwicklungskonzept für den Landkreis Gießen" vorliegt. Er vermisst den Plan für die kommenden Jahre, die Perspektiven für die Entwicklung von Sporthallen und Sportplätzen oder auch Schwimmbädern.

Wie dem FDP-Mann geht es etlichen anderen Kreistagsabgeordneten. Auch aus der SPD kam im Schul- und Sportausschuss am Dienstag deutliche Kritik. "Sorry - aber das ist nicht mehr als ein in Worten ausformuliertes Sportstätten-Kataster", schlug die Sozialdemokratin Anette Henkel in die gleiche Kerbe wie Greilich.

Bedarf an Sportstätten im Kreis-Osten

Zuvor hatte Dr. Stefan Eckl vom Institut für kooperative Planung und Sportentwicklung das Papier vorgestellt. Er skizziert darin den aktuellen und den künftigen Bedarf an Turn- und Sporthallen an den Schulen des Kreises sowie den Bestand und Bedarf an Außensportanlagen. Dritter Aspekt ist der Zustand der Schulhöfe. Letzterem wird zunehmend Bedeutung beigemessen. Insbesondere an den Grundschulen wird Wert auf "bewegungsfreundliche" Freiflächen gelegt, denn mit Ganztagsangeboten respektive Betreuung bis in die Nachmittage hinein verbringen Kinder dort wesentlich mehr Zeit.

Schulhöfe im Blick

"Wir hatten schon länger den Verdacht, dass unsere Pausenhöfe nicht so dolle sind", kommentiert Schuldezernentin Dr. Christiane Schmahl den Befund, dass rund zwei Drittel der Schulhöfe als "nicht bewegungsfreundlich" eingestuft sind. Sie denkt bereits darüber nach, im kommenden Jahr einen Außenanlagen-Planer beim Kreis einzustellen, der auch Schulhöfe in den Blick nimmt - und der perspektivisch Kosten senken soll. Bislang wird nahezu jede kleine Arbeit extern an Planungsbüros vergeben.

Experte Eckl hat für seine Daten alle 54 Schulen im Kreis Gießen befragt - 46 haben die Fragebögen zurückgesandt. Rund ein Drittel kommt zu der Bewertung, dass die Sportstättensituation an ihrer Schule sehr gut oder gut ist. Was die Hallen angeht, wird die Verfügbarkeit als insgesamt ordentlich eingeschätzt - perspektivisch werden aber Kapazitätsdefizite im Raum Hungen/Langsdorf/Lich sowie im Raum Grünberg/Laubach gesehen.

Raum für Trendsportarten

Was Sportanlagen unter freiem Himmel angeht, so rät Fachmann Eckl zu umfassenderem Denken. Über Leichtathletikgrundausstattung hinaus sowie etwa einem Spielfeld für Ballsport könnte auch Trendsportarten Raum gegeben werden: Parcours, Bouldern, Streetball oder Beachvolleyball sind Stichworte. Vielfach wurde von den Schulen zudem zurückgemeldet, der Kreis als Schulträger möge doch für eine kontinuierlichere Pflege und Instandhaltung der Sportstätten Sorge tragen.

Fokussiert auf Kreis-Sportstätten

Woran aber entzündet sich die Kritik von Greilich, Henkel und anderen? Das Sportstätten-Papier bezieht sich nur auf kreiseigene Hallen und Plätze, bezieht Vereine und Kommunen nicht ein - was ursprünglich aber die Idee war. Denn in einem ersten Schritt ist ein Sportstätten-Kataster für den gesamten Landkreis Gießen erarbeitet worden, das sämtliche Sportstätten von Boulebahnen über Reitplätze bis zu Großsporthallen umfasst. Das ist so weit fertig und demnächst online verfügbar. Stufe zwei sollte eben das Entwicklungskonzept werden. Im Dialog mit den Kommunen sollte gemeinsam geplant und Perspektiven entwickelt werden - diese hätten aber nicht mitgezogen, hieß es im Kreistagsausschuss.

Warum? Womöglich, weil sie dann bei der weiteren Ausarbeitung eines Konzepts ihren Anteil hätten bezahlen sollen, sagt Matthias Spangenberg, Fachdienstleiter Schulen und Sport beim Kreis.

Keine gemeinsame Planung

Auf Nachfrage der FDP erläutert Dezernentin Schmahl: Der Kreis hatte zur Sportentwicklungsplanung eine Steuerungsgruppe mit den Städten und Gemeinden und dem Sportkreis Gießen eingerichtet. Bereits nach der Bestandserhebung sei klar geworden, dass es keine gemeinsame Planung zwischen Landkreis und Kommunen geben werde.

Ergo beschränkt sich das von Fachplaner Eckl erarbeitete Papier auf die kreiseigenen Sportstätten. Dass der Kreis weitergehende Planungen dennoch von sich aus stemme, dem erteilte Dezernentin Schmahl eine Absage: Soll der Kreis die Kosten für die Befragung und das Konzept für die Kommunen und Vereine übernehmen? Schmahl: "Dafür war kein Geld und kein Auftrag da."

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