Schieflage

  • Rüdiger Soßdorf
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Gießen(so). Wenn es um Tourismus im Landkreis Gießen geht und um die Bewerbung und Vermarktung als Destination, dann fährt der Kreis zweigleisig. Da ist zum einen die Lahntal-Schiene, und da ist zum anderen der Vogelsberg. Vor allem die vier Städte im Osten des Kreises - Laubach, Grünberg, Hungen und Lich - haben die Orientierung "Richtung Vulkan". Und sie haben Gewicht: Mehr als 120 000 Übernachtungen werden im Osten des Kreises gezählt, das ist gut die Hälfte aller Übernachtungen im Kreis.

Deshalb sieht sich der Kreis in der Pflicht, der ins Wanken geratenen Gesellschaft "Region Vogelsberg Touristik GmbH" finanziell unter die Arme zu greifen. Der Landkreis Gießen soll im kommenden Jahr rund 35 000 Euro zuschießen.

An der "Vogelsberg Touristik", die die Vermarktung der Region fördert, sind 41 Gesellschafter beteiligt, vornehmlich Kommunen. Auch diese schießen Geld nach.

Kritik von der FDP

Wirtschaftlich war die Touristik-Gesellschaft ohnehin nie auf Rosen gebettet, erläuterte Landrätin Anita Schneider. Kritisch wurde es, als sich der Wetteraukreis und acht weitere Kommunen aus der Wetterau aus der Gesellschaft zurückgezogen haben.

Deshalb steht aktuell eine Umstrukturierung an. Die "Region Vogelsberg Touristik", wird den Geopark Vulkanregion Vogelsberg stärker einbeziehen und wird künftig als "Vulkanregion Vogelsberg Tourismus GmbH" firmieren.

Kritisch bewertet dies die FDP. Harald Scherer äußerte im Finanzausschuss Unverständnis darüber, zum jetzigen Zeitpunkt Geld nachzulegen. Warum habe man nicht früher auf ein neues, besseres Konzept gedrungen? "Ein klarer Fall für ein Insolvenzverfahren", kommentierte er die wirtschaftliche Schieflage. Schneider hielt entgegen: Man habe gar keine andere Wahl, als jetzt Geld zuzuschießen, damit es überhaupt die Chance gebe, inhaltlich und strukturell weiterzukommen.

Man wird sich beim Kreis gleichwohl vorbehalten, ein kritisches Auge auf die Entwicklung zu haben: Die für 2021 erwarteten Lösungskonzepte der neu aufgestellten Gesellschaft sollen Grundlage für die Entscheidung sein, ob sich der Kreis weiter dauerhaft an der Gesellschaft beteiligt - oder eben nicht.

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