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»Schauen nach den Optionen«

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Gießen (so). Das Ergebnis der Kreistagswahl ist zwar da. Aber wie damit umgehen? Was daraus ableiten? Optionen gibt es reichlich, wie es im Landkreis Gießen politisch weitergehen kann - und die wollen ausgelotet werden. Doch im Moment mag keiner so recht in die Offensive gehen. Am Wochenende laufen die ersten Sondierungen für etwaige Mehrheitsbildungen.

Nachgefragt bei Gewinnern und Verlierern.

Christopher Lipp (CDU): Mit den 25 Prozent für die CDU bin ich sehr zufrieden. Zumal es ein schwieriges Umfeld war. Mit unseren kommunalpolitischen Themen waren wir vor Ort präsent. Und die Menschen haben sich damit auseinandergesetzt. Dazukommt aber der bundespolitische Trend, die Maskengeschichte etc. Wäre es nur darum gegangen, dann hätten wir schlechter abgeschnitten. Umso mehr ist das Ergebnis eine Bestätigung unserer Arbeit vor Ort. Jetzt sehen wir als Union den Auftrag der Wähler, für neue Mehrheiten im Kreis zu sorgen. Eine starke Opposition zu sein, das ist nicht unser Ziel. Gesprächsangebote werden wir noch in dieser Woche unterbreiten. Die nächsten Tage werden spannend bleiben.

Kerstin Gromes (Grüne): Wir haben unsere Stimmen fast verdoppelt: Ein super Ergebnis! Denn es gibt eine andere Grundstimmung in der Gesellschaft. In den letzten Jahren hat ein Umdenken stattgefunden. Den Menschen ist die Frage zunehmend wichtiger geworden: Wie viel Lebensqualität habe ich in meiner Region? Und es gibt eine positive Bewertung unserer Arbeit im Kreis. - Wie es jetzt mit Mehrheitsbildungen weitergeht, das weiß ich auch nicht. Am Freitag konstituiert sich die neue Grünen-Fraktion. Aber ich kann jetzt schon sagen: Grundsätzlich reden wir mit allen - außer der AfD. Wenn sich das ein wenig geklärt hat, dann werden wir Grünen in einer Mitgliederversammlung beraten, welches Gesprächsangebot wir annehmen. Ich hoffe, dass es zügig geht.

Sabine Scheele-Brenne (SPD): Das Ergebnis ist für uns enttäuschend. Ich habe damit gerechnet, dass wir Federn lassen werden. Aber das hat uns doch bestürzt. Wir sind als SPD nach wie vor der Überzeugung, dass wir gute Arbeit geleistet haben. Gerade im Bereich Umweltschutz und Klimaschutz ist sehr viel gelaufen. Aber es sind Kernthemen der Grünen, die mit uns Sozialdemokraten nicht in ausreichendem Maße in Verbindung gebracht werden. Den Grünen habe ich zu ihrem Wahlergebnis gratuliert. Wir werden jetzt zeitnah miteinander reden. Denn vor der Wahl haben wir gemeinsam darüber gesprochen, dass wir die Koalition weiterführen möchten. Aber wir sind eben auch offen für andere Gespräche. Wir schauen, welche Optionen wir haben.

Karl Heinz Reitz (AfD): Zufrieden bin ich selbstverständlich nicht. Das Ergebnis ist unbefriedigend. Wir versuchen, es aufzuarbeiten. Es ist uns nicht gelungen, unsere Wähler an die Urnen zu bringen. Aber wir sehen: Linden, Rabenau und Grünberg sind unsere »Hochburgen«. Hinzukommt: Man hat uns an vielen Stellen ausgegrenzt, angefeindet, uns den Verfassungsschutz auf den Hals gehetzt. Und: Wir hatten nicht die Aufregerthemen. Vielleicht kommen die noch im Laufe des Jahres.

Dennis Pucher (FDP): Wir sind sehr zufrieden. Wir haben unser Ergebnis kreisweit steigern können, wenngleich auf eher niedrigem Niveau. Aber: Es ist das beste Abschneiden der Liberalen auf Kreisebene seit 20 Jahren. Ich bin stolz darauf, wie der Kreisverband Wahlkampf geführt hat. Und es hat sich wieder gezeigt: Wo man auch vor Ort mit einer Liste präsent ist, da wird man auch im Kreis stärker.

Reinhard Hamel (Gießener Linke) : Alle bürgerlichen und die rechten Parteien im Landkreis haben zusammen keine Mehrheit. Das ist sehr gut. Wie erwartet, verliert die AfD weiter. Es gibt eine klare Mehrheit links von der CDU, das ist sehr gut. Wenn wir einen Sitz hinzugewonnen hätten, dann wäre das nochmals gut. Aber ich bin nicht unzufrieden. Wir haben als Gießener Linke leicht zugelegt. Aber das Bedeutsamste am Ergebnis vom Sonntag ist vielleicht: Es hat eine Steigerung der Wahlbeteiligung gegeben. Die Menschen sind zur Wahl gegangen, um über die Mitarbeit in ihrer Gemeinde und in ihrer Stadt zu entscheiden. Das zählt!

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