Schattenseiten des Sommers

  • vonred Redaktion
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Gießen(pm). Sommer, Sonne - da ist gute Laune programmiert. Doch so sehr Licht und Wärme die Psyche stärken, darf eines nicht vergessen werden: der Schutz vor der UV-Belastung. Diese kann die Haut stark schädigen, im schlimmsten Fall sogar zu Hautkrebs führen. "Die Zahlen sprechen für sich: Jedes Jahr erkranken in Deutschland mehr als 200 000 Menschen neu an Hautkrebs", sagt Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. Bei jedem zehnten Fall handele es sich um eine bösartige Form. "Besonders gefährdet sind dabei Personen, die im Freien arbeiten", sagt Ullrich. Arbeitgeber müssten sich daher Gedanken über Maßnahmen zum Schutz ihrer Beschäftigten machen.

Das Regierungspräsidium Gießen überwacht nicht nur den Arbeitnehmerschutz, es unterstützt und berät Unternehmen auch. Passend zur Jahreszeit geben die Experten nun Tipps, wie man sich bei der Arbeit im Freien schützen kann - und was für Arbeitgeber zu tun ist.

Es gibt viele Berufsgruppen, bei denen mit einer erhöhten UV-Belastung durch Sonneneinstrahlung zu rechnen ist. Dazu zählen Land- und Forstwirtschaft, Baugewerbe und Handwerk, Garten- und Landschaftsbauer, Straßenarbeiter oder auch Schwimmmeister.

"Um eine krankhafte Veränderung der Haut zu erkennen, sollte man sich regelmäßig untersuchen lassen", lautet der Rat von RP-Arbeitsschützer Holger Lehnhardt. Natürlich sei es auch wichtig, die eigene Haut zu beobachten, um verdächtige Veränderungen auszumachen. "Allerdings kann nur ein Hautarzt harmlose Hautanomalien von krankhaften Veränderungen unterscheiden."

Arbeitsschutz-Tipps vom RP

Aus diesem Grund müssen Arbeitgeber ihren Beschäftigten bei Tätigkeiten im Freien arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten, wenn folgende Voraussetzungen gegeben sind: Sie arbeiten im Zeitraum von April bis September zwischen 11 und 16 Uhr mindestens eine Stunde pro Arbeitstag im Freien und das an mindestens 50 Arbeitstagen.

Für den Schutz von Beschäftigten vor natürlicher UV-Strahlung gibt es zwar keine Grenzwerte, die herangezogen werden könnten. "Es gilt aber die Prämisse: Was vermeidbar ist, muss vermieden werden", erläutert Lehnhardt. Welche Schutzmaßnahmen letztlich zu treffen sind, müssen Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung festlegen. "Die beste Maßnahme trifft der Arbeitgeber, wenn er dafür sorgt, dass die Haut der Beschäftigten möglichst wenig Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist", sagt Lehnhardt. Dabei ist nicht zu vergessen, dass die natürliche UV-Strahlung tagsüber auch bei bewölktem Himmel vorhanden ist.

Ganz praktisch heißt das: Entweder den Arbeitsplatz in den Schatten verlegen oder - wenn dies nicht möglich ist - dafür sorgen, dass möglichst viel Haut mit Kleidung bedeckt wird. "Dafür sind moderne Mikrofasertextilien gut geeignet, denn sie leiten Körperschweiß nach außen ab, was eine kühlende Wirkung hat."

Als Kopfschutz sollten Helme oder textile Kopfbedeckungen mit Nackentuch getragen werden, damit auch die Ohren bedeckt sind. Für unbedeckte Körperstellen sollte eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor verwendet werden. Da auch Augenerkrankungen durch die UV-Strahlung begünstigt werden, sollte eine hochwertige Sonnenbrille mit UV-Schutz getragen werden. Auch der Faktor Tageszeit spielt eine Rolle. In den sommerlichen Monaten bietet es sich an, den Beginn der Arbeit vorzuverlegen, damit möglichst wenig Arbeitszeit in die heißen Nachmittagsstunden fällt. "Auch die Anzahl und Länge der Pausen sollte der Arbeitgeber den Belastungen durch die Sonneneinstrahlung anpassen", sagt Lehnhardt.

Und noch ein wichtiger Hinweis des Regierungspräsidiums: "Seit 2015 können bestimmte Hautkrebsarten als Berufskrankheit anerkannt werden." Es handelt sich dabei um Plattenepithelkarzinome oder, als Vorstufe, multiple aktinische Keratosen der Haut. Erstere zählen in Deutschland sowohl bei Männern als auch bei Frauen zu den häufigsten Krebserkrankungen. In den vergangenen Jahren wurde eine deutliche Zunahme dieser Erkrankungen verzeichnet.

Für Fragen zum Schutz der Beschäftigten bei sommerlichen Arbeiten im Freien sowie zum Arbeits- und Gesundheitsschutz allgemein ist in Mittelhessen das Regierungspräsidium Gießen zuständig. Die Fachleute der Arbeitsschutz-Dezernate sind erreichbar unter der Telefonnummer 06 41/30 3-0 oder per E-Mail: arbeitsschutz-giessen@rpgi.hessen.de.

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