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26 Kunden nutzten bei der letzten Öffnung das Angebot: Viel Arbeit für Veronika Nikisch, Doris Petri, Susan Christensen, Gundi Römer, Sabine Simon-Brück und Gisela Schuchard (v. l.), bis nun alles wieder an seinem Platz liegt oder hängt.

Bei "Sankt Martin" gibt’s Mäntel

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Vor zehn Jahren eröffnete die Kleiderkammer in Reiskirchen, seit fünf Jahren trägt sie den Namen "Sankt Martin". Während es an Kleidung und Nutzern kaum mangelt, wird eines dringend benötigt: ehrenamtliche Helfer.

Kleiderkammern werden benötigt. Das war vor zehn Jahren so und das ist heute nicht anders. Die Idee zur Einrichtung einer Kleiderkammer im ehemaligen Postgebäude an der Ecke Schulstraße/Gartenstraße in Reiskirchen hatte einst Ernst Lichtblau. Drei Häuser weiter befand sich bereits die "Tafel" der Diakonie.

"Lichtblau dachte wohl, die Kleiderkammer wäre deshalb bei uns in guten Händen," berichtet Rudolf Montermann, Diakon der katholischen Pfarrgemeinde "Sankt Marien" Buseck. Montermann stellte die Weichen; der Caritasausschuss von "St. Marien" übernahm die Trägerschaft. Erstmals wurden am 10. Februar 2009 hier Kleider ausgegeben.

"Die weitere Entwicklung verlief besser, als wir uns das vorgestellt hatten", erzählt der Diakon. Die Kleiderkammer werde stark frequentiert. Gut erhaltene und saubere Kleidung und Schuhe für Kinder und Erwachsene, Bett- und Tischwäsche, Handtücher und kleine Kinderspiele werden gegen eine Spende abgegeben. Kunden sind kinderreiche Familien, Flüchtlinge, Geringverdiener, Alleinerziehende sowie Personen, die mit einer kleinen Rente auskommen müssen. Zum Fünfjährigen erhielt die Kleiderkammer den passenden Namen: Sankt Martin.

Kürzlich wurde das Sortiment auf die Wintersaison umgestellt. Für eine dicke Winterjacke werden drei Euro als angemessene Spende angesehen. Unterwäsche, Strampler oder ein Shirt für ein Kleinkind sind schon für 20 Cent zu haben. Die Einnahmen decken Miete und Nebenkosten, eventuelle Überschüsse können für andere soziale Zwecke verwendet werden. "Es ist wichtig, einen kleinen Obolus zu nehmen", erklärt Veronika Nikisch. "Damit wollen wir vermeiden, dass Kunden weit über ihren Bedarf hinaus Kleidung mitnehmen und dann vielleicht wegwerfen." In diesem Sinne werden auch zwei Umkleidekabinen bereitgestellt. Erworbene Kleidung kann nicht umgetauscht werden, ein Weiterverkauf ist untersagt.

Nikisch packt bei den Routinearbeiten an, verwaltet zudem die Finanzen und organisiert das Team mit 19 Frauen und einem Mann: Peter Jahn übernimmt die Hausmeisterarbeiten. Ebenso wie Therese Anderko, Milena Schieferdecker und Marie-Luise Heubüschl engagiert sich Nikisch seit Anfang an. Alle arbeiten ehrenamtlich.

Nach den Öffnungszeiten (dienstags von 14 bis 16.45 Uhr und donnerstags von neun bis 11.45 Uhr) geht die Arbeit hinter verschlossener Tür weiter. Da müssen die "Wühltische" aufgeräumt, neu angenommene Kleidung kontrolliert und nach Art und Größe einsortiert werden. Das kann ziemlich anstrengend sein, zumal mit Ausnahme einer 37-jährigen Dame die weiteren Mitwirkenden die 50 überschritten haben. "Einige sind weit über 65 Jahre, da wäre es gut, wenn wir bald jüngere Mitstreiter gewinnen könnten," sagt Nikisch.

Besonders donnerstags kann es urlaubs- und krankheitsbedingt mit der Besetzung schon mal "eng" werden. Was dabei den Ehrenamtlichen wichtig ist: Die Kleiderkammer ist keine Kleidersammlung. Schmutzige oder kaputte Sachen werden hier nicht gebraucht, sorgen nur für Mehrarbeit. Die Lager sind gut bestückt, lediglich an Damenbekleidung ab Größe 48 mangelt es. Kleidung, die nach einer gewissen Zeit keinen Abnehmer gefunden hat, wird aussortiert und an das Deutsche Rote Kreuz oder die Polenhilfe weitergegeben. Nikisch steht deshalb regelmäßig mit Günter Kirschbaum in Kontakt, der seit Jahrzehnten für den Transport von Hilfsgütern an bedürftige Menschen in Reiskirchens Partnerstadt Goleszow sorgt.

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