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Der Brunnen am Südrand von Espa ist seit fast 50 Jahren außer Betrieb.

Samstags war das Wasser knapp

  • Alexander Geck
    VonAlexander Geck
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Er wurde 1908 von einem Mäzen finanziert, sieben Jahrzehnte lang versorgte der Brunnen am Südrand von Espa den Ort mit Trinkwasser. Doch seit fast 50 Jahren wird er nicht mehr genutzt.

Recht abgelegen liegt Espa im Südwesten der Gemeinde Langgöns und damit auch des Kreisgebiets. Dort, am südlichen Ortsrand, direkt am Waldrand des Hausbergs, steht der einst gemeindeeigene Hochbehälter. Doch seit fast 50 Jahren wird sein Wasser nicht mehr genutzt.

Klaus Kutt, der letzte ehrenamtliche Bürgermeister der seinerzeit noch eigenständigen Gemeinde Espa, kann sich beim Ortstermin noch genau erinnern, wie es dazu kam. In den Jahren 1972 und 1973 baute die Nachbargemeinde Hausen-Oes für den bei Espa gelegenen Weiler Oes einen neuen Hochbehälter. Dabei wurde Espa, das zu der Zeit noch zum Kreis Wetzlar gehörte, praktischerweise mit einkalkuliert. Das eigene Wasser reichte für das wachsende Dorf nicht mehr aus.

Seit 1977 wird Espa daher vom benachbarten Hochbehälter versorgt. Eine großer Wassermesser dokumentiert alljährlich den Gesamtverbrauch des Ortes mit seinen damals 250 und heute mehr als 700 Einwohnern. Das Wasser kommt seither aus dem Vogelsberg über Inheiden und Butzbach nach Hausen-Oes und Espa. Der alte Brunnen hatte damit seinen Dienst getan.

Schon in den 1960er Jahren war in Espa ein Wachstum, ein Zuzug aus Frankfurt zu verzeichnen. Erst entstanden viele Wochenendhäuser, später auch richtige Wohnhäuser. Das Dorf war wegen seiner grünen Umgebung beliebt. Bereits um die vorige Jahrhundertwende hatte ein offensichtlich wohlhabender Jagdpächter aus Frankfurt Gefallen an dem beschaulichen Ort und seinen Einwohnern gefunden.

Er finanzierte den Espaern die Wasserversorgung. 1908 wurden der Hochbehälter gebaut und die Leitungen verlegt für die einst rund 160 Einwohner in ihren 20 Häusern.

Im Wald am westlichen Hausberghang liegt die eingefasste Quelle des Kleebachs. Drainagen, mit Ton, Lehm und Waldboden schützend bedeckt, sammelten das Wasser tief aus der Erde.

Es floss dann in einem etwa 200 Meter langen Rohr den Berg hinunter in den Hochbehälter auf 420 Metern Höhe. Dieser ist schön gemauert und mit klassizistischen Ecken versehen. Dabei wurde offenbar saubere Arbeit geleistet: Erst Ende der 60er Jahre wurde die Quelle neu gefasst, um mehr Wasser zu gewinnen.

Zwei Kammern mit jeweils 35 Kubikmeter Fassungsvermögen speicherten das Wasser. Die eine war für Löschwasser reserviert, die andere wurde für den täglichen Bedarf genutzt. Regelmäßig wurden diese aber gewechselt, um eine gleichbleibende Wasserqualität zu gewährleisten.

»Das Wasser hat normalerweise gerade so gereicht«, erinnert sich Kutt. Samstags allerdings gab es oftmals nicht genug davon. Da wurde traditionell in vielen Haushalten gebadet. Das führte dazu, dass dann bei manchen höhergelegenen Häusern nichts mehr aus dem Hahn kam. Meist war dann erst wieder montags genug Wasser für alle vorhanden. Doch nicht nur die wöchentliche Verbrauchsspitze machte den Espaern zu schaffen. Auch bei Trockenheit wie im Jahr 1976 hieß es: Wasser sparen!

Der Betrieb lief recht unkompliziert ohne Pumpe, ein Wassermeister schaute stets nach dem Rechten. »Wegen seines leichten Kohlensäuregehalts schmeckte das Wasser köstlich frisch«, erinnert sich Kutt. Die Wasserqualität wurde regelmäßig vom Wasserwirtschaftsamt geprüft.

Heute läuft das Wasser ungenutzt in zwei angrenzende Weiher. Der größere der beiden wurde erst später, in den 1970er Jahren, mit Erdaushub geschaffen, der bei Kanalarbeiten angefallen war. Dort beginnt dann auch der Kleebach, der nach 27 Kilometern in die Lahn fließt und namensgebend für die drei Ortschaften Cleeberg, Ober- und Niederkleen ist.

Und der Brunnen? Den hat die Gemeinde offenbar verkauft - wann das in den 1990er oder 2000er Jahren genau geschah, wurde nie richtig bekannt. Eine Anfrage an den Gemeindevorstand ist ganz aktuell seitens einiger Parlamentarier gestellt.

»Der Brunnen muss als einziges bemerkenswertes Kulturgut dem Dorf erhalten bleiben«, sagt Kutt. Er plädiert dafür, den Brunnen weiterhin nutzbar zu halten, für etwaige Krisenzeiten oder im Falle eines Sabotageaktes an der Fernwasserleitung. Bis zum Südrand des Dorfes liegt noch die alte Leitung mit einem Schieber am Ende. Dort könnte ein Hydrant ohne große Umstände installiert werden, und die Menschen könnten frisches Wasser zapfen..

Eine kleine Anekdote zum Schluss: Dass Wasser nicht gleich Wasser ist, ist bekannt. Feinschmecker scheint es diesbezüglich auch in Espa zu geben. Wird doch kolportiert, dass so mancher noch ein paar Flaschen des altehrwürdigen Wassers im Keller stehen hat. »Espaer Südhang Jahrgang 1972« - ein ganz besonderes Stöffchen.

Ein beschauliches Plätzchen, aber wenig genutzt: Der angrenzende Weiher.

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