Lea Hillmann
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Lea Hillmann

Sakit heißt Schmerz

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Sakit - also Schmerz - war eines der ersten Wörter, das Lea Hillmann auf Visayan lernte, der Landesprache auf etlichen philippinischen Inseln. Vier Wochen hat die Zahnärztin in einer kleinen Praxis mitgearbeitet. Die 25-Jährige aus Krofdorf-Gleiberg ist gerade noch rechtzeitig vor dem Corona-Shutdown zurückgekehrt.

Oftmals sind bei Kindern schon die Milchzähne runtergefault. Sie kommen mit sechs oder sieben Jahren in die Praxis und haben Riesenlöcher". Kein schöner Anblick für Lea Hillmann. Doch die 25-jährige Krofdorferin bestärkt das nur in ihrem Engagement. Für vier Wochen hat sie im Anschluss an Studium und Staatsexamen auf der philippinischen Insel Siquijor als Zahnärztin gearbeitet. Gemeinsam mit ihrer Kommilitonin Linda Schmidt brachte sie sich in der Zahnarztpraxis von Wulf Feinhals ein. Gerade noch rechtzeitig ist sie wieder nach Hause geflogen, bevor coronabedingt weltweit Arbeits- und Reiseaktivitäten zurückgefahren wurden.

Feinhals ist hierzulande kein Unbekannter: Ehedem führte der Launsbacher gemeinsam mit seinem Kollegen Burkhard Vetter eine Praxis im Asterweg in Gießen und engagierte sich ehrenamtlich als Zahnarzt in der Karibik mit dem Projekt "Portland Dental Care" auf Jamaika.

Vor einigen Jahren schon hat Feinhals, der dieser Tage 80 wurde, seinen Lebensmittelpunkt auf die kleine philippinische Insel Siquijor verlegt und betreibt dort an einer Schule eine "Dental-Clinic". "Es ist einfach eine Riesensache, ein soziales Projekt zu unterstützen", erläutert Lea Hillmann ihre Motivation. In einem Dritt-Welt-Land zumal.

Denn nach wie vor gibt es nur sehr wenige Zahnärzte auf der Insel, und nach wie vor ist es dort um die Mundhygiene der Menschen nicht immer gut bestellt. Was zum einen mit Ernährung zu tun hat, zum anderen aber eben auch mit fehlendem Verständnis für Zahnpflege.

Just da hat Feinhals schon vor etlichen Jahren angesetzt, als er auf den Philippinen als Partner der Weltgesundheitsorganisation und der Regierung an einem Präventionsprojekt mitarbeitete.

Seither hat er immer wieder Kollegen aus der Gießener Heimat zu Besuch, die ihn mit Materialien versorgen und bei der täglichen Arbeit unterstützen. So wie eben Lea Hillmann und Linda Schmidt. Was die beiden Absolventinnen der Zahnmedizin in Gießen bei ihm neben anderem gelernt haben: Das Ziehen von Zähnen. Denn das ist nicht selten das Mittel der Wahl.

Vor allem Kinder und Jugendliche sind es, die Lea Hillmann und ihre Freundin in der "Dental Clinic" versorgt haben - mit dem Ziel, die neuen Zähne zu erhalten, wenn die faulen Milchzähne draußen sind. Was Hillmann im besonderen beeindruckte: Wie sehr die Kinder dankbar waren und die nicht immer leichten oder schmerzfreien Behandlungen mit einem "Thank you" quittierten.

Und wie geht es jetzt beruflich für Lea Hillmann weiter? Da ist die junge Frau offen für Neues. In den kommenden zwei Jahren will sie in einer Praxis als Assistenzärztin arbeiten, sie hört sich dafür in Frankfurt um. Wobei das aktuell angesichts der Situation nicht ganz so einfach ist. Aber Hillmann ist optimistisch. Später will sie sich auf den Bereich Ästhetik spezialisieren. Und vielleicht noch einmal nach Siquijor zurückzukehren, wenn die Zeiten wieder andere sind.

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