Zur Eindämmung der Pandemie haben Bund und Länder die Vorgaben für den Einzelhandel verschärft: Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von über 800 Quadratmetern müssen die Begrenzung auf höchstens eine Person pro 20 Quadratmeter sicherstellen. FOTO: TB
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Zur Eindämmung der Pandemie haben Bund und Länder die Vorgaben für den Einzelhandel verschärft: Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von über 800 Quadratmetern müssen die Begrenzung auf höchstens eine Person pro 20 Quadratmeter sicherstellen. FOTO: TB

Umfrage

Das sagen die Menschen im Kreis Gießen zu den Corona-Maßnahmen

  • vonLena Karber
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Der "Lockdown light" wurde verlängert, die Kontaktbegrenzungen verschärft und der Kurs für Weihnachten und Silvester festgelegt. Wie finden die Menschen im Kreis Gießen die Bestimmungen?

Die Beratungen über die Verlängerung des sogenannten "Lockdown Light" haben am Mittwoch mehr als sieben Stunden gedauert. Schließlich ging es auch darum, bereits einen Kurs für Weihnachten und Silvester festzulegen - für viele ein wichtiges und emotionales Thema. Wie sehen die Menschen hierzulande die aktuellen Beschlüsse?

Viel Zustimmung für Kontaktverbot

Hört man sich in Hungen, Laubach und Pohlheim um, wird deutlich, dass die Maßnahmen im Großen und Ganzen auf Zustimmung stoßen. Insbesondere die Verschärfung des Kontaktverbots halten viele für einen richtigen und wichtigen Schritt. Das deckt sich mit dem Bundestrend: Laut ZDF-Politbarometer finden die Kontaktbeschränkungen mit 71 Prozent die höchste Zustimmung. "Angesichts der Pandemie ist das völlig richtig, auch wenn es natürlich langweilig wird", meint etwa Ulrike Haupt, die als Kulturamtsleiterin in Hungen mit Menschen aus der französischen Partnerstadt Saint Bonnet de Mure zu tun hat. Dort dürften sich die Leute nur in einem Kilometer Entfernung von ihrem Haus aufhalten, erzählt sie. "Da können wir uns mit unserem Lockdown light nicht beschweren." Ähnlich sieht es ein älterer Mann aus Hungen. Das Virus müsse man ernstnehmen, findet er. Und wenn man einen Blick in andere Länder werfe, wisse man: "Wir leben hier noch richtig frei."

Kritik für einzelne Beschlüsse

Doch punktuell gibt es auch Kritik. Die Öffnung von Restaurants, ein Böllerverbot an Silvester und ein Verbot von Urlaubsreisen werden von Passanten gefordert. Und auch die Überlegung, ob ein 14-tägiger Komplett-Lockdown nicht effektiver gewesen wäre, wird von einer Frau aufgeworfen. Letztlich betont sie jedoch: "Man muss das alles von zwei Seiten betrachten. Ich möchte nicht in der Haut eines Politikers stecken."

Schulen: Besorgnis wegen voller Busse

Dass die Schulen grundsätzlich weiterhin beim Präsenzunterricht bleiben sollen, halten die meisten Befragten für richtig. Die Gründe hierfür sind vielschichtig: zum einen gehe es darum, ohnehin schwächere Schüler nicht abzuhängen, zum anderen spielt der Gedanke eine Rolle, die Eltern nicht zusätzlich zu belasten. Hinzu kommt die Befürchtung, dass eine Schließung der Schulen nicht viel bringt, wenn die Kinder dann am Nachmittag trotzdem zusammen spielen.

Allerdings, das betonen mehrere Passanten, sei es wichtig, dass bei einem Corona-Fall die gesamte Klasse in Quarantäne müsse. Zudem sorgt die Beobachtung, dass die Busse zum Teil immer noch sehr voll sind, bei einigen Menschen für Besorgnis. Und ein 64-Jähriger aus Watzenborn glaubt, dass man bei den Schulen grundsätzlich noch einmal ansetzen müsste. "Gerade von den Schulen geht ein erhebliches Risiko aus", sagt er. Dabei seien diese als öffentliche Orte sehr viel besser zu kontrollieren als andere Bereiche.

Gegner der Corona-Politik

Marc-Ly Kirchner sieht das alles ganz anders. Er bestreitet zwar nicht, dass es das Virus gibt, hält die Maßnahmen jedoch für "vollkommen unverhältnismäßig" und Corona für ein "Angstwerkzeug". Die Menschen würden "mit dem Virus" sterben, nicht wegen ihm, sagt er und spricht von "korrumpierten Medien" und von "Versklavung". Masken seien nicht nur sinnlos, sondern auch gefährlich, weil man viel Stickstoff einatme, meint er. Zudem seien sie eine "Symbolik für Kontrolle". Letztlich gehe es der Politik darum, die nächsten Wahlen nicht stattfinden zu lassen, behauptet er.

Gegenüber der GAZ ist der 34-Jährige an diesem Tag der einzige, der seine Kritik offen äußert - auch, wenn es sicherlich hierzulande einige Menschen gibt, die die Maßnahmen zumindest für übertrieben halten. Vielleicht - doch das ist nur eine Vermutung - haben einige Passanten, die nicht mit der Presse sprechen wollen, eigentlich deutliche Kritik auf den Lippen. Geäußert wird diese jedoch nicht.

Anstieg der Infektionszahlen nach den Feiertagen befürchtet

Unter den Gesprächsbereiten werden indes nicht die Einschränkungen, sondern vielmehr die Lockerungen, die für die Zeit zwischen dem 23. Dezember und dem 1. Januar vorgesehen sind, am strittigsten gesehen. Verständnis dafür, dass die Politik einen Kompromiss finden und den Menschen auch gewisse Zugeständnisse machen wollte, paaren sich bei einigen mit der Sorge, dass die Infektionszahlen nach Weihnachten noch einmal richtig nach oben schnellen könnten. Jeder Kontakt bedeute nun einmal eine Infektionsgefahr, sagt der US-Amerikaner Gary Parks, der seit einigen Monaten in Lich lebt. Insofern halte er die Lockerungen nicht für richtig. Haupt hat indes eine mögliche Erklärung für die Entscheidung parat: Vermutlich habe die Politik die Lockerungen in der Hoffnung beschlossen, dass es anschließend zügig mit dem Impfen losgehen könne, sagt sie.

Passanten wollen Weihnachten im kleinen Kreis feiern

Den Passanten ist klar, dass Weihnachten in diesem Jahr anders wird als sonst. Doch die meisten haben sich damit arrangiert, in diesem Jahr eben im kleineren Kreis zu feiern - selbst wenn mehr möglich wäre. Das Risiko ist ihnen schlicht zu groß. Der Appell des Laubacher Bürgermeisters Peter Klug, der seine Gulaschsuppe vom Wochenmarkt wegen Corona bei feucht-kalten zweieinhalb Grad auf einer Bank isst, dürfte daher in ihrem Sinne sein: Auch rund um das Fest sei es wichtig, Abstand zu halten und vernünftig zu sein, sagt Klug. "Die Zahlen werden wir nach Weihnachten sehen."

Die Beschlüsse im Überblick

Bund und Länder haben eine Verlängerung des Lockdown light und eine Verschärfung der Kontaktbeschränkungen auf fünf Personen zweier Hausstände beschlossen - Kinder unter 14 Jahren nicht mitgerechnet. Dass die Maßnahmen vorerst nur bis zum 20. Dezember gelten, liegt daran, dass das Infektionsschutzgesetz Maßnahmen auf vier Wochen begrenzt, anschließend muss eine Verlängerung begründet werden. Der Lockdown soll jedoch abermals verlängert werden - allerdings mit Lockerungen zwischen dem 23. Dezember und dem 1. Januar: In diesem Zeitraum sollen sich bis zu 10 Personen treffen können - Kinder bis 14 Jahre auch hier nicht eingerechnet. Auch die Hausstandsregel gilt in diesem Zeitraum nicht.

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