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Route mit Aussicht

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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An klaren, nicht zu heißen Tagen empfiehlt sich die rund neun Kilometer lange Licher Fernblickroute. Auf stillen Pfaden hoch über dem Hardtberg ist man der Welt entrückt, und in Birklar lockt das süße Leben.

Um es gleich vorweg- zunehmen. Dieser Weg lohnt sich unbedingt. Er führt vom Ausgangspunkt am Licher Bahnhof auf schönen Waldwegen über den Hardtberg weiter durch die Feldflur bis nach Birklar und in einem Bogen wieder zurück. Die Sicht über Lich oder auf Vogelsberg und Taunus ist beeindruckend. Den Namen "Fernblicktour" trägt die Route zu Recht. Man sollte sie an klaren, nicht zu heißen Tagen gehen, ansonsten könnte die Sonne im freien Feld zwischen Lich und Birklar allzu sengend werden. Der Rundweg ist mit dem Stadtturm-Logo auf gelbem Grund meistens gut gekennzeichnet. An wenigen, aber entscheidenden Punkten lässt die Markierung die Wanderer allerdings im Stich. Deshalb der Tipp: Nehmen Sie zur Sicherheit diese Wegbeschreibung mit.

Wir starten am Licher Bahnhof. Die blau-gelben Sticker weisen uns den Weg an der Brauerei vorbei über die Straße An der Lohmüle und links hinauf über den Riegelpfad bis zur Straße Am Hardtberg. Dort, gegenüber Haus Nr. 25, zweigt ein Pfad Richtung Wald ab. Den schlagen wir ein. Doch Obacht: Wir gehen nicht geradeaus durch den Wald, sondern biegen hinter dem Eckgrundstück nach links ab. Zwischen Bebauung und Waldrand geht es Richtung Brauerei. Links vor uns liegt am Gegenhang das Krankenhaus, schräg vor uns die Altstadt mit ihrem markanten Turm.

An der nächsten Wegkreuzung gehen wir weiter geradeaus, vorbei an de Versorgungsstation der Oberhessen-Gas. Kurz dahinter biegt der markierte Weg schräg nach rechts ab. Wir sollten uns aber Zeit für einen Abstecher zum jüdischen Friedhof nehmen, der sich sich einige Meter weiter vorn am Hardtberg-Hang hinter einem Holzzaun versteckt. Als letzter Licher Jude wurde hier Bernhard Lind bestattet, der im Dezember 1938 im KZ Buchenwald starb. Das Tor zum Friedhof ist verschlossen, Interessierte bekommen einen Schlüssel bei der Stadtverwaltung.

Zurück geht’s zum Wanderweg, der bald in die Christian-Ebeling-Straße mündet. Die Beschilderung ist hier lückenlos und weist uns den Weg, der, manchmal ein bisschen im Zickzack, prinzipiell immer am Waldrand entlang führt. Schräg links liegt das Industriegebiet, in dem das umstrittene Licher Logistikzentrum in die Höhe wächst. Dahinter sieht man den Vogelsberg mit seinen Windrädern und den Turm auf dem Hoherodskopf. Nach einiger Zeit erreichen wir das freie Feld und müssen kurz aufpassen. Die Markierung auf dem Strommast vor uns, zwei abknickende Pfeile, lässt einigen Interpretationsspielraum. Es geht rechts bergan, weiter am Waldrand entlang. In den Kronen mächtiger Eichen wiegt sich der Wind. Ein Fuchs steckt neugierig seine Nase aus dem Dickicht, macht aber gleich wieder kehrt, als sich die Wanderin nähert.

Dorflinde und Kirche

An einer Pferdekoppel gabelt sich der Weg und auch hier heißt es wieder: Aufgepasst! Die Route führt nicht, wie man vermuten könnte, geradeaus, sondern nach links um die Ecke, hinunter in eine Senke und dann an der nächsten Gabelung gleich wieder rechts hinauf. Vor uns im Tal liegt die Straße nach Birklar, von hier oben wirken die Fahrzeuge klein wie Matchbox-Autos. In die Büsche zur rechten Hand haben sich ein paar Zwetschgenbäume verirrt, deren Früchte gerade reifen.

Bis nach Birklar ist es jetzt nicht mehr weit, das Läuten der Abendglocken ist deutlich zu vernehmen. Ein Stück weiter oben wendet sich der Weg nach links. Hinter einem Hügel kann man die Münzenburg und in der Ferne den Taunus mit Winterstein und Feldberg erspähen. Es geht hinab ins Tal, am Aussiedlerhof auf einem asphaltierten Feldweg nach rechts und am nächsten Abzweig wieder nach links mitten ins Dorf.

Ein Spaziergang durch Birklar ist zur Zeit beschwerlich. Die Ortsdurchfahrt wird erneuert, die Straße ist aufgerissen. Die ehemalige Schule, ein prächtiges Jugendstilgebäude, lohnt mehr als einen Blick. Der Freie Platz in der Dorfmitte mit der prächtigen Linde bietet sich für eine Rast an. Gleich nebenan kann man aber auch das süße Leben genießen, das Ristorante "La Dolce Vita" der Familie Branca hat einen ausgezeichneten Ruf.

An der Dorflinde weist die Wegemarkierung nach rechts, lässt aber die Wanderer danach wieder im Stich. Keine Bange: Die Birklarer Dorfkirche, 1755 als Bibliothek von Kloster Arnsburg erbaut, 1818 von der Gemeinde erworben und umgebaut, bietet Orientierung.

Wir gehen durch den Kirchhof und über den Friedhof und stoßen gleich hinter dem Ausgang wieder auf die blau-gelbe Beschilderung. Der Rückweg ist ein Kinderspiel. Es geht ein paar Meter nach rechts, dann nach links schnurstracks ins Feld und immer geradeaus. Vorbei am alten Birklarer Wasserwerk von 1921 erreichen wir den Waldrand und ein paar Meter weiter eine Weggabelung. Schräg nach rechts geht es durch den lichten Forst, bis an einer Kreuzung die beiden Licher Hochbehälter, erbaut 1955 und 1991, vor uns auftauchen. Einen Wegweiser sucht man auch hier vergebens, aber ein breiter Waldweg führt rechts hinab Richtung Lich. Er endet an einer Schranke, doch wir biegen schon gut 50 Meter davor, kurz vor einer Rechtskurve, links ab.

Hier schließt sich unsere Runde, den Pfad kennen wir bereits vom Hinweg. Wer mag, geht über die Christian-Ebeling-Straße und an der Brauerei vorbei auf der vertrauten Strecke zurück. Wer abkürzen möchte, kann am Ende der Christian-Ebeling-Straße nach rechts in die Bergstraße abbiegen und direkt zurück in die Stadt und zum Bahnhof laufen.

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